
© Foto: Symbolbild mit KI erstellt
Die Palantir-Aktie sprintet nach oben und es sind nur noch wenige US-Dollar, die sie vom Rekord trennt. Goldman Sachs hat hochgestuft. Barclays legt noch eine Schippe drauf. Im Chart gab es zuletzt ein Golden Cross. Das Momentum zeigt nach oben. Doch ein Wert mahnt zur Vorsicht. Und in Europa regt sich Widerstand gegen den US-Konzern. Kommt jetzt der große Ausbruch? Oder folgt erst der Rücksetzer? Wir haben uns Zahlen, Chart und Nachrichten genau für Sie angesehen.
Rückenwind von der Wall Street
Palantir läuft und läuft und zwar ordentlich. Die Aktie notiert an der Nasdaq aktuell bei rund 207 US-Dollar. Das Rekordhoch liegt bei etwas über 222 US-Dollar. Der Abstand dahin ist zunehmend kleiner geworden. Kein Wunder, dass viele Anleger gerade genau hinschauen, denn wenn ein Wert so nah am Gipfel steht, wird es meist spannend. Reicht der Schwung für den nächsten Sprung, oder gibt es zuvor noch einen Downmove? Neuen Schub gab es zuletzt von der Wall Street. Goldman Sachs hob Palantir von Neutral auf Kaufen und nennt ein Kursziel von 230 US-Dollar. Barclays zieht mit Overweight und 265 US-Dollar nach. Yorkville Ives sieht 250 US-Dollar. Die Analysten verweisen vor allem auf souveräne KI und maßgeschneiderte Lösungen für Staaten und Branchen. Genau da sehen sie viel Luft nach oben und auch die Zahlen stützen das Bild. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 93 Prozent auf 1,935 Milliarden US-Dollar. Die Aufträge der US-Regierung legten um 90 Prozent zu. Dazu kommen ein Rahmenvertrag mit der US Army über bis zu 10 Milliarden US-Dollar und neue Projekte, etwa bei der Behörde ICE. Nur in Europa wird es zäher: Frankreich und Teile der deutschen Behörden setzen lieber auf eigene Anbieter.
Charttechnik
Im Chart sieht es gut aus, denn vor ein paar Wochen hat sich ein Golden Cross gebildet. Dabei kreuzt der 50er SMA den 200er SMA von unten nach oben. Charttechniker werten das als Signal für Aufwind. Auch das Momentum zeigt aktuell klar nach oben. Die Käufer haben gerade das Ruder in der Hand und der Weg zum Rekord ist nur noch wenige Prozent entfernt. Nur ein Wert allerdings bremst die gute Laune. Der RSI steht bei 74. Ab 70 gilt eine Aktie als überkauft. Das heißt nicht, dass es gleich abwärts geht, denn in starken Trends bleibt der RSI oft lange hoch, aber Gewinnmitnahmen werden wahrscheinlicher. Gibt der Kurs nach, liegen erste Unterstützungen laut Chartanalysten zwischen 185 und 190 US-Dollar. Über dem Rekord gäbe es dagegen kaum noch Widerstände.

Was tun?
Was heißt das nun für Anleger? Ganz klar, sprich 100-prozentig sicher, ist nichts, aber das Geschäft läuft stark, der Chart ist freundlich. Die Bewertung dagegen ist happig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird je nach Schätzung bei 160 und deutlich mehr angegeben. Da muss das Wachstum über Jahre hoch bleiben, ansonsten wird es eng. Eine Enttäuschung reicht und der Kurs kann heftig kollabieren. Wer schon dabei ist, kann die Entwicklung gelassen verfolgen mit steigenden Kursen den Stopp nachziehen. Wer neu einsteigen will, sollte nichts überstürzen. Nach dem steilen Anstieg und bei einem RSI von 74 ist ein Rücksetzer jederzeit möglich. Ein Einstieg in Tranchen oder nach einer Beruhigung wirkt aktuell vernünftiger als ein Kauf direkt am Hoch. Ein Ausbruch über 222 US-Dollar wäre ein starkes Signal. Hinterherjagen muss man ihm trotzdem nicht. Unterm Strich spricht vieles für Palantir. Zahlen, Aufträge und Analystenstimmen passen zusammen. Dagegen stehen die hohe Bewertung und der Gegenwind in Europa. Am Ende bleibt es eine Abwägung. Kursziele sind keine Garantie, und die Aktie ist kein Selbstläufer. Jeder sollte Risiken kennen und einen eigenen Plan haben.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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