FRANKFURT/NEW YORK/SEOUL (dpa-AFX) - Überraschend hohe Inflationsdaten aus den USA am Vortag haben einen weltweiten Ausverkauf von Halbleiterwerten ausgelöst. Bei Anlegern im Technologiesektor allgemein geht am Donnerstag die Angst um. Die Furcht vor höheren Zinsen nimmt zu und belastet vorwiegend die stark finanzierungsabhängigen Technologiewerte rund um den Globus.
Anleger von CoreWeave etwa mussten am Vortag einen Kurssturz von 15,5 Prozent verkraften. Die Anleihen des Anbieters von KI-Cloud-Computing-Diensten waren auf ein Niveau abgesackt, das in der Regel auf finanzielle Schwierigkeiten hindeutet. Dies warf ein Schlaglicht auf die erheblichen Finanzierungsrisiken, die mit dem schuldenfinanzierten Aufbau der Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz (KI) verbunden sind, etwa für Rechenzentren. Und diese Risiken nehmen noch zu, falls die Zinsen nun tatsächlich stärker steigen sollten.
"Die Aufnahme von Krediten zu sehr hohen Zinssätzen, um Rechenzentren zu errichten, die außerhalb der Hyperscaler zunehmend zu einer Massenware werden, könnte sich letztlich als keine gute Investition erweisen", äußerte sich Analyst Gil Luria von D.A. Davidson skeptisch. Je mehr Fremdkapital wir für den Bau von Rechenzentren einsetzen, desto mehr Risiko bringen wir in das System ein."
Von dem Boom von Rechenzentren profitierte bislang auch der deutsche Dax-Konzern Siemens Energy als Lieferant von Energietechnik erheblich. Mit den jüngsten Sorgen geht es für den Kurs jetzt ebenfalls bergab. Am Vortag bereits mit mehr als 5 Prozent im Minus und am Dax-Ende verloren die Titel vorbörslich auf Tradegate nun weitere 2,1 Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss. Die Halbleiterpapiere von Infineon sowie von Suss Microtec und Aixtron sanken vorbörslich ebenfalls deutlich.
Die Verkaufswelle, die am Vortag an der Nasdaq begann, ging an diesem Donnerstag in Asien weiter. Dabei ging es einmal mehr für den sehr schwankungsanfälligen koreanischen Kospi, aber auch für den japanischen Nikkei kräftig nach unten. In Seoul brachen die Anteile des Chipherstellers SK Hynix um fast 12 Prozent ein, jene von Samsung um fast 11 Prozent.
Höhere Zinsen können Technologiewerten in vielerlei Hinsicht schaden. So trifft die mit einer strafferen Geldpolitik verbundene Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivitäten die konjunktursensiblen Tech-Unternehmen besonders.
"Wir sehen am Aktienmarkt gerade die zweite Welle der KI-Sorgen", kommentierte Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Es seien keine klassischen Gewinnmitnahmen, sondern echte Sorgen vor einer massiven Korrektur.
Angesichts der Tech-Schwäche stehen die Geschäftszahlen vom taiwanischen Chipriesen TSMC an diesem Morgen umso mehr im Fokus - und sorgen womöglich für etwas Erleichterung. Denn: TSMC meldete für das September-Quartal einen besser als erwartet ausgefallenen Gewinn. Zudem setzte TSMC sein rasantes Wachstum fort und bildet einen Gegenpol zur zunehmend negativen Stimmung im Vergleich zu Aktien mit KI-Bezug. Der Konzern bestätigte zudem das 2026er-Investitionsziel von bis zu 64 Milliarden US-Dollar./ajx/la/ck/stk
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