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Seyit Binbir
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Altersvorsorgedepot: Chancen und Grenzen der neuen privaten Altersvorsorge

Das Altersvorsorgedepot startet 2027 mit staatlicher Förderung und neuen Renditechancen. Doch Gebühren, Verlustrisiken und spätere Steuern entscheiden darüber, für wen sich die neue Altersvorsorge lohnt.

Was steckt hinter dem Altersvorsorgedepot?

Ab dem 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente im Neugeschäft ab: ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für Aktien, Fonds und ETFs.

Der Bundestag beschloss das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026, der Bundesrat billigte es am 8. Mai, seit dem 29. Mai steht es im Bundesgesetzblatt.

Kernstück ist das Standarddepot, das jeder Anbieter führen muss. Es investiert in einen Aktien- und einen Anleihefonds, schichtet mit dem Alter in Anleihen um und darf höchstens ein Prozent Effektivkosten im Jahr verursachen, also die Summe aller Gebühren.

Daneben sind Depots mit größerer Fondsauswahl und Garantieprodukte erlaubt. Für alle gilt eine abschließende Positivliste zulässiger Anlagen; jedes Produkt braucht die Zertifizierung des Bundeszentralamts für Steuern.

Zusätzlich plant der Bund ein eigenes Standarddepot, bisher ohne Starttermin. Für einen AV-Depot-Vergleich ist die Produktart der erste Filter: Der Kostendeckel gilt allein für das Standarddepot.

Wer kann das Altersvorsorgedepot nutzen und wie hoch fällt die staatliche Förderung aus?

Zugang haben die bisherigen Riester-Berechtigten, erstmals auch Selbstständige und angestellte Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke.

Die Zulage ist gestaffelt: Auf den ersten Teil des Jahresbeitrags zahlt der Staat die Hälfte dazu, auf den Rest ein Viertel. Wer den geförderten Höchstbeitrag ausschöpft, erhält 540 Euro Grundzulage.

Kinder bekommen bis zu einem festen Eigenbeitrag eine Zulage in voller Beitragshöhe, junge Einsteiger einen Bonus, Ehepartner eine eigene, gedeckelte Zulage. Den Anspruch sichert ein fester Mindestbeitrag im Jahr.

Bestehende Riester-Verträge lassen sich übertragen; bislang stützt das nur eine Veröffentlichung. Auf eine Finanztip-Anfrage erklärte das Finanzministerium, möglich sei das als Geldbetrag, Wertpapiere wanderten nur unter engen Voraussetzungen mit.

Was bedeutet der Wegfall der Beitragsgarantie für Sparer?

Riester-Produkte mussten eine Beitragsgarantie enthalten. Diese Pflicht entfällt, weil das Bundesfinanzministerium chancen- und renditeorientierte Anlageformen ermöglichen will. Im Gegenzug trägt der Sparer das Risiko, dass sein Depot zu Rentenbeginn weniger wert ist als die Einzahlungen.

Wer die Absicherung behalten will, kann eine teilweise oder vollständige Garantie wählen, allerdings außerhalb des Standarddepots und ohne Kostendeckel. Die Verbraucherzentrale erwartet solche Angebote als Premium-Modelle mit Effektivkosten deutlich über dem Deckel.

Erwerbsminderung und Todesfall lassen sich im Depot nicht mehr absichern, kritisierte die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath. Hinterbliebene erhalten stattdessen eine zehnjährige Rentengarantiezeit; das Guthaben geht auf den Ehepartner über, bei anderen Erben ist die Förderung zurückzuzahlen.

Worauf kommt es beim Vergleich der ersten Angebote an?

Den Preis bestimmen Sparplanausführung, Depotführung und Produktkosten der Fonds. Erste Ankündigungen reichen von einer Jahresgebühr für das Standarddepot, die einen Bruchteil des Deckels ausmacht, bis zum Verzicht auf Depot- und Ausführungskosten. Ein Anbieter erstattet zusätzlich die Produktkosten ausgewählter ETFs.

Diese Erstattung ist eine freiwillige Zusage ohne Rechtsanspruch. Für einen Wechsel in den ersten Vertragsjahren kündigt derselbe Anbieter eine Gebühr an, die abgebende und aufnehmende Seite jeweils verlangen dürfen.

Warum Zehntelprozente zählen, rechnete der Verbraucherzentrale Bundesverband in der Bundestagsanhörung vor: Bei gleichen Einzahlungen fällt der Vermögenszuwachs über vier Jahrzehnte mit Gebühren weit unter dem Deckel mehr als doppelt so hoch aus wie knapp darüber.

Ein Anbieter räumt ein, mit dem kostenlosen Depot kein Geld zu verdienen, und setzt auf kostenpflichtige Folgeprodukte. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beschreibt das Kalkül: Kunden binden, weitere Produkte verkaufen, einen Wechsel unbequemer machen.

Alle Konditionen stehen unter Zertifizierungsvorbehalt, unabhängige Tests gibt es vorab nicht. Vormerklisten sind keine Verträge; abschließen lässt sich erst zum Marktstart mit einem zertifizierten Produkt. Für denselben Tag stellt das Finanzministerium eine kostenfreie Vergleichsplattform in Aussicht.

Fazit zur Förderung im Altersvorsorgedepot

Die Zulage ist ein Vorschuss, keine Schenkung: Rentenzahlungen besteuert der Fiskus später mit dem persönlichen Grenzsteuersatz. Ein ungefördertes ETF-Depot unterliegt der Abgeltungsteuer, bei Aktienfonds mit teilweise steuerfreien Erträgen. Die Verbraucherzentrale hält deshalb im Einzelfall das ungeförderte Depot für vorteilhafter.

Das Guthaben bleibt bis zu einer Altersgrenze zweckgebunden, die eine noch ausstehende Rechtsverordnung festlegt. Frühere Entnahmen können die Förderung kosten. Zu Rentenbeginn lassen sich höchstens 30 Prozent des Kapitals entnehmen, der Rest fließt als lebenslange Rente oder als Auszahlplan mindestens bis zum 85. Lebensjahr.

Die Verbraucherzentrale rät, auf das staatliche Standardprodukt zu warten; Nauhauser sieht darin einen Preisanker, der günstige Startangebote vor späteren Erhöhungen schützen könne. Den offenen Starttermin erklärte die Bundesregierung am 7. Oktober 2026 mit fehlenden Behördenstrukturen und europarechtlichen Hürden.

In einer Finanztip-Umfrage nannten Befragte vor allem spätere Regeländerungen und die Riester-Erfahrung als Hemmnis. Die Ökonomin Ulrike Malmendier wandte in der Anhörung ein, ohne automatische Einbeziehung erreiche das Depot gerade die Haushalte mit Vorsorgelücke nicht.

Für wen rechnet sich die Förderung? Am ehesten für Sparer, die lange einzahlen, Gebühren weit unter dem Deckel zahlen und im Ruhestand einen niedrigeren Steuersatz erwarten als heute. Wer das nicht erfüllt, sollte das ungeförderte Depot dagegenrechnen.

Enthaltene Werte: DE0009653XXX

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