Freiburg (ots) -
Neue Polio-Fälle sind in der Schweiz möglich! Das bestätigte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schon im Jahr 2024. Seither sind die Impfquoten national leicht gesunken. In gewissen Regionen herrscht eine deutliche Unterimpfung. Die Erhebungsmethode für Impfquoten ist eher unpräzis und das Abwasser wird nicht kontrolliert, obwohl das European Centre for Disease Prevention and Control (https://www.ecdc.europa.eu/en) dringend dazu rät.
Seit Herbst 2024 ist klar, dass impfassoziierte, hochansteckende Polioviren in Europa zirkulieren, denn das Virus wurde vielerorts im Abwasser gefunden. Gesamthaft ist die Schweiz genügend geimpft. Es gibt mit den Kantonen Appenzell-Innerrhoden, Glarus und Luzern und anderen aber auch das Gegenteil. Unter der Hand werden Gebiete genannt, die nur zu 70 Prozent durchimpft sind - 85 Prozent wären ein abso-lutes Minimum, um einen wirksamen Schutz für die Masse zu garantieren. Bei Kleinkindern sollten laut BAG mindestens 95 Prozent geimpft sein für einen guten Schutz. In 15 Kantonen liegt der Wert darunter.
Erhebungssystem freiwillig und unpräzis
Diesen September sind die neuesten Werte über die Durchimpfung während den Jahren 2023 - 2025 erschienen. Für rund die Hälfte der Kantone existieren Zahlen bis Ende 2025. Für die andere Hälfte sind die Zahlen bis zu drei Jahre alt. Die Teilnahme der Kantone an der Erhebung ist freiwillig. Es handelt sich um zufällige Stichproben in Haushalten mit Kindern im Alter von zwei, acht oder sechzehn Jahren. Auch die Teilnahme der Familien ist freiwillig. So wurden lediglich die Impfangaben von rund 19'000 Kindern der letzten drei Jahre ausgewertet. Dies entspricht einem Rücklauf der insgesamt Angefragten von maximal rund 60 Prozent. Zum Vergleich: Pro Jahrgang zählt die Schweiz rund 90'000 Kinder und Jugendliche.
Impfgegner verfälschen das Resultat
Die Familien der ausgewählten Kinder werden per Brief eingeladen, die Impfausweise einzusenden. Falls die Eltern dem nicht nachkommen, werden sie nach einem zweiten und dritten Brief und zum Teil Telefonaten in Ruhe gelassen. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich z.B. Impfgegner kaum an der Erhebung beteiligen, was wiederum die Impfquote höher erscheinen lässt als sie in Realität wäre.
Abwasserüberwachung als Frühwarnsystem
In der Schweiz ist gemäss BAG aktuell keine Überwachung des Abwassers auf Polioviren geplant, obwohl im Jahr 2024 bei einer Umfrage 18 von 27 befragten Ländern in Europa angaben, dass sie das Abwasser auf Polio- und/oder andere Enteroviren kontrollieren. In der Schweiz würde die Überwachung neu bewertet, wenn beispielsweise Fälle in Nachbarländern auftreten würden, sagt das BAG.
Bei der hohen Reiseaktivität der Schweizer Bevölkerung - in mindestens zwanzig Ländern zirkuliert aktuell nachweislich das Virus, u.a. in Australien, sowie der Migration aus Afghanistan und Pakistan, wo es noch immer jedes Jahr neue Polio-Fälle gibt, ergibt sich eine unkontrollierte Lage in der Schweiz.
Die ASPr-SVG I Polio.ch vertritt den Standpunkt, dass in der Schweiz nie wieder ein Polio-Fall auftreten darf. Sie empfiehlt mit Nachdruck die Impfung und fordert eine bessere Überwachung der Polioviren in der Schweiz.
Hintergrundinformationen
Das Poliovirus ist hoch ansteckend und führt in rund 0,5 Prozent der Infektionen zu bleibenden Lähmungen und bis zum Tod. Bei weiteren 1,5 Prozent verursacht es vorübergehende Lähmungen und bei einem grossen Teil der Infizierten Jahrzehnte später wiederkehrende oder neu auftretende Lähmungen, Schmerzen und weitere Symptome, auch bei Menschen, die nie Lähmungen davongetragen hatten und bei der Infektion höchstens Grippesymptome verspürt hatten. Dabei handelt es sich um das so genannte Post-Polio-Syndrom.
Polio.ch (SIPS) ist eine Fachgruppe der seit 1939 unter demselben Namen bestehenden Schweizerischen Vereinigung der Gelähmten ASPr-SVG.
87 Jahre ASPr-SVG und seit 1990 zusätzlich die Schweiz. Interessengemeinschaft für das Post-Polio-Syndrom SIPS: Die Schweizerische Vereinigung der Gelähmten wurde 1939 gegründet, als die Kinderlähmung (Poliomyelitis) das Leben von vielen Kindern, Eltern und Geschwistern innerhalb von 24 Stunden auf den Kopf gestellt hat. Monate- bis jahrelange Spital- und Rehabilitationsaufenthalte, schmerzhafte Trennung von der Familie und längere Schulabwesenheit, aber auch Tausende von Todesfällen waren die Konsequenzen. Die ASPr-SVG | Polio.ch ist zusammen mit der Fachgruppe Polio.ch (SIPS) die Anlaufstelle für Menschen mit Polio und Post-Polio-Syndrom in der Schweiz.
Pressekontakt:
Christian Feldhausen Kommunikation ASPr-SVG I Polio.ch christian.feldhausen@aspr.ch 026 322 94 35
Mario Corpataux Zentralsekretär ASPr-SVG I Polio.ch mario.corpataux@aspr.ch
026 322 94 36
Polio.ch
Schweizerische Interessengemeinschaft für das Post-Polio-Syndrom SIPS
c/o ASPr-SVG Schweizerische Vereinigung der Gelähmten I Polio.ch
Zentralsekretariat, Route du Grand-Pré 3, 1700 Freiburg info@polio.ch, 026 322 94 35, www.polio.ch
Original-Content von: Schweizerische Vereinigung der Gelähmten ASPr-SVG I Polio.ch, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.ch/de/pm/100056911/100942963
Neue Polio-Fälle sind in der Schweiz möglich! Das bestätigte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schon im Jahr 2024. Seither sind die Impfquoten national leicht gesunken. In gewissen Regionen herrscht eine deutliche Unterimpfung. Die Erhebungsmethode für Impfquoten ist eher unpräzis und das Abwasser wird nicht kontrolliert, obwohl das European Centre for Disease Prevention and Control (https://www.ecdc.europa.eu/en) dringend dazu rät.
Seit Herbst 2024 ist klar, dass impfassoziierte, hochansteckende Polioviren in Europa zirkulieren, denn das Virus wurde vielerorts im Abwasser gefunden. Gesamthaft ist die Schweiz genügend geimpft. Es gibt mit den Kantonen Appenzell-Innerrhoden, Glarus und Luzern und anderen aber auch das Gegenteil. Unter der Hand werden Gebiete genannt, die nur zu 70 Prozent durchimpft sind - 85 Prozent wären ein abso-lutes Minimum, um einen wirksamen Schutz für die Masse zu garantieren. Bei Kleinkindern sollten laut BAG mindestens 95 Prozent geimpft sein für einen guten Schutz. In 15 Kantonen liegt der Wert darunter.
Erhebungssystem freiwillig und unpräzis
Diesen September sind die neuesten Werte über die Durchimpfung während den Jahren 2023 - 2025 erschienen. Für rund die Hälfte der Kantone existieren Zahlen bis Ende 2025. Für die andere Hälfte sind die Zahlen bis zu drei Jahre alt. Die Teilnahme der Kantone an der Erhebung ist freiwillig. Es handelt sich um zufällige Stichproben in Haushalten mit Kindern im Alter von zwei, acht oder sechzehn Jahren. Auch die Teilnahme der Familien ist freiwillig. So wurden lediglich die Impfangaben von rund 19'000 Kindern der letzten drei Jahre ausgewertet. Dies entspricht einem Rücklauf der insgesamt Angefragten von maximal rund 60 Prozent. Zum Vergleich: Pro Jahrgang zählt die Schweiz rund 90'000 Kinder und Jugendliche.
Impfgegner verfälschen das Resultat
Die Familien der ausgewählten Kinder werden per Brief eingeladen, die Impfausweise einzusenden. Falls die Eltern dem nicht nachkommen, werden sie nach einem zweiten und dritten Brief und zum Teil Telefonaten in Ruhe gelassen. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich z.B. Impfgegner kaum an der Erhebung beteiligen, was wiederum die Impfquote höher erscheinen lässt als sie in Realität wäre.
Abwasserüberwachung als Frühwarnsystem
In der Schweiz ist gemäss BAG aktuell keine Überwachung des Abwassers auf Polioviren geplant, obwohl im Jahr 2024 bei einer Umfrage 18 von 27 befragten Ländern in Europa angaben, dass sie das Abwasser auf Polio- und/oder andere Enteroviren kontrollieren. In der Schweiz würde die Überwachung neu bewertet, wenn beispielsweise Fälle in Nachbarländern auftreten würden, sagt das BAG.
Bei der hohen Reiseaktivität der Schweizer Bevölkerung - in mindestens zwanzig Ländern zirkuliert aktuell nachweislich das Virus, u.a. in Australien, sowie der Migration aus Afghanistan und Pakistan, wo es noch immer jedes Jahr neue Polio-Fälle gibt, ergibt sich eine unkontrollierte Lage in der Schweiz.
Die ASPr-SVG I Polio.ch vertritt den Standpunkt, dass in der Schweiz nie wieder ein Polio-Fall auftreten darf. Sie empfiehlt mit Nachdruck die Impfung und fordert eine bessere Überwachung der Polioviren in der Schweiz.
Hintergrundinformationen
Das Poliovirus ist hoch ansteckend und führt in rund 0,5 Prozent der Infektionen zu bleibenden Lähmungen und bis zum Tod. Bei weiteren 1,5 Prozent verursacht es vorübergehende Lähmungen und bei einem grossen Teil der Infizierten Jahrzehnte später wiederkehrende oder neu auftretende Lähmungen, Schmerzen und weitere Symptome, auch bei Menschen, die nie Lähmungen davongetragen hatten und bei der Infektion höchstens Grippesymptome verspürt hatten. Dabei handelt es sich um das so genannte Post-Polio-Syndrom.
Polio.ch (SIPS) ist eine Fachgruppe der seit 1939 unter demselben Namen bestehenden Schweizerischen Vereinigung der Gelähmten ASPr-SVG.
87 Jahre ASPr-SVG und seit 1990 zusätzlich die Schweiz. Interessengemeinschaft für das Post-Polio-Syndrom SIPS: Die Schweizerische Vereinigung der Gelähmten wurde 1939 gegründet, als die Kinderlähmung (Poliomyelitis) das Leben von vielen Kindern, Eltern und Geschwistern innerhalb von 24 Stunden auf den Kopf gestellt hat. Monate- bis jahrelange Spital- und Rehabilitationsaufenthalte, schmerzhafte Trennung von der Familie und längere Schulabwesenheit, aber auch Tausende von Todesfällen waren die Konsequenzen. Die ASPr-SVG | Polio.ch ist zusammen mit der Fachgruppe Polio.ch (SIPS) die Anlaufstelle für Menschen mit Polio und Post-Polio-Syndrom in der Schweiz.
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Christian Feldhausen Kommunikation ASPr-SVG I Polio.ch christian.feldhausen@aspr.ch 026 322 94 35
Mario Corpataux Zentralsekretär ASPr-SVG I Polio.ch mario.corpataux@aspr.ch
026 322 94 36
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