DJ MARKT-AUSBLICK/Der DAX und der Tanz auf dem KI-Vulkan
Von Manuel Priego Thimmel
DOW JONES--Der Oktober bleibt ein schwieriger Börsenmonat. Leicht gestiegene Zinserhöhungsfantasien wurden zum Anlass für einen Abverkauf bei Chip-Aktien genommen. Der KI-Boom hat blasenhafte Züge angenommen. Dass die Blase platzen wird, ist klar. Die Frage ist nur wann, unter welchen Umständen und in welchem Ausmaß. Die Mischung aus Gier und Angst sorgt für höhere Volatilitäten an der Börse. Der KI-arme DAX ist hier im Vorteil, einem Platzen der Blase könnte er sich aber auch nicht entziehen.
Die KI-Blase bekommt langsam Risse. Broadcom-CEO Hock Tan hat die Stimmung im Sektor jüngst mit einer "Casino"-Mentalität verglichen. Auch mehren sich die Berichte zunehmender Konkurrenz durch chinesische DRAM-Produzenten. Warnsignale sendet der Kreditmarkt aus. Die CDS-Versicherungsprämien gegen einen Ausfall der Anleihen von Coreweave, einem Cloud- und KI-Ausstatter, sind in den vergangenen Tagen geradezu explodiert.
Auch die Anleihen anderer KI-Ausstatter werden in der Zwischenzeit unter pari gehandelt. Zur Erinnerung: Auch die Subprime-Krise am US-Immobilienmarkt begann mit Erschütterungen an den Kreditmärkten. Es dauerte, bis die Börsen davon Kenntnis nahmen. Der KI-arme DAX hat hier relative Vorteile. Ein KI-Crash zöge aber die Börsen weltweit nach unten, schon allein deshalb, weil KI-Investitionen für das globale Wirtschaftswachstum in der Zwischenzeit eine herausragende Bedeutung angenommen haben.
IWF sieht Gefahr einer kaskadenartigen Marktkorrektur
Nach Einschätzung des IWF könnten erhebliche Umsatz- oder Gewinneinbußen bei KI-Entwicklern die Erwartungen an die künftige Rentabilität untergraben. Auch "beunruhigende Vorfälle" mit KI-Spitzenmodellen oder Cyberangriffen haben das Zeug, das Vertrauen zu erschüttern und die Risiken für die Finanzstabilität zu erhöhen. "In einem schweren Szenario könnte es zu einer Marktkorrektur kommen, die sich kaskadenartig durch das stark fremdfinanzierte und zirkuläre KI-Ökosystem zieht", heißt es. Und zwar weltweit.
Soweit sind wir noch nicht. Im Gegenteil, es wird erwartet, dass gerade starke Geschäftszahlen aus dem Technologiesektor die Unternehmensgewinne in der gerade beginnenden Berichtssaison für das dritte Quartal stützen werden. Die robuste Weltwirtschaft, die den Energiepreisschock durch den Iran-Krieg bislang erstaunlich gut weggesteckt hat, sowie die exzellente Geschäftssituation der Unternehmen ist einer der Hauptgründe, warum die Börsen weiterhin in luftigen Höhen notieren.
Die Berichtssaison startet mit außergewöhnlich hohen Gewinnerwartungen. Laut Quintet Private Bank rechnen Analysten für den S&P-500 mit einem Gewinnwachstum von rund 27 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Einen ersten Hinweis auf die Verfassung der US-Wirtschaft haben (...) die großen Banken geliefert, die traditionell den Auftakt der Berichtssaison markieren. Die Zahlen fielen insgesamt robust aus - und deuten bislang nicht auf eine ausgeprägte Abschwächung der US-Konjunktur hin", so Marktstratege Marc Decker.
Gewinnerwartungen zu erreichen reicht nicht aus
Besonders im Fokus stehen die Hyperscaler. "Bei ihnen reicht es nicht mehr, die Gewinnerwartungen lediglich zu übertreffen. Entscheidender ist, ob sich die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur auch in dauerhaft höheren Erträgen und Cashflows niederschlagen", so Decker. Auch mit Blick auf Europa seien die Erwartungen hoch: hier sollen die Gewinne um 21 bis 23 Prozent steigen, Treiber seien hier vor allem der Energie- und Rohstoffsektor, aber auch das Technologiesegment.
Sollten die Unternehmen liefern, hat der DAX gute Chancen, sein Niveau zu halten, oder sogar auszubauen. Allerdings kann jeder Hinweis, der nahelegt, dass die Unternehmensgewinne ihr Hoch gesehen haben, Korrekturen auslösen. Potenziell Belastendes kann nicht nur der KI-Sektor liefern, sondern auch der Iran-Krieg. Hier kann von einer Entspannung keine Rede sein; immerhin ist zuletzt wieder mehr Öl durch die Straße von Hormus geflossen, wenngleich sich dies bislang im Ölpreis nicht widerspiegelt.
Politische Risiken machen Analysten auch mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen in den USA im November aus. Eine Übernahme der Demokraten des Repräsentantenhauses gilt als ausgemacht. Sollten die Demokraten in beiden Häusern die Mehrheit stellen, befürchten einige Investoren deutliche Kursrückgänge am US-Aktienmarkt. Hintergrund ist die Sorge, die Demokraten könnten den Ausbau der in der Bevölkerung wenig populären KI-Rechenzentren bremsen.
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October 16, 2026 06:41 ET (10:41 GMT)
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