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Die Abhängigkeit von SpaceX wird für Europa zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko. Der Aufbau eigener Satellitennetzwerke dürfte vor allem OHB zugutekommen.
Aus eigenem Interesse: Trump legt ukrainische Drohnen lahm
Um zwei Wochen vor den Midterm-Wahlen in den USA von seinem eigenen Versagen im Iran abzulenken, erhöht US-Präsident Donald Trump den Druck auf die Ukraine. Deren Angriffe auf russische Raffinerie- und Exportanlagen macht er für die rekordhohen Benzin- und Dieselpreise im eigenen Land verantwortlich. Gleichzeitig enthält er der Ukraine kriegswichtige Infrastruktur vor, wie Geheimdienstinformationen und den Zugang zu Starshield, dem militärischen Zweig des von SpaceX betriebenen Satellitennetzwerks, um diese von weiteren Angriffen auf russische Energieinfrastruktur abzuhalten.
Starshield gilt für die ukrainischen Streitkräfte als unverzichtbar, um Drohnenangriffe auf bewegliche Ziele durchführen und russische Angriffe abwehren zu können. Hier war es zeitweise zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 160 km/h gekommen - versuchten ukrainische Drohnen schneller zu fliegen, riss die Funkverbindung automatisch ab. Das hat neben Angriffen auch die Abwehr russischer Drohnen und Raketen erschwert. Erst wurde für dieses Vorgehen Elon Musk verantwortlich gemacht, welcher die Starlink- und Starshield-Kapazitäten für die Ukraine schon einmal heruntergefahren hatte. Dieser verwies jedoch darauf, direkt auf eine Vorgabe der US-Regierung gehandelt zu haben.
Bedenkliche Abhängigkeit der EU von den USA
Dieser Vorgang zeigt nicht nur die strategische Abhängigkeit der Ukraine, sondern der gesamten NATO ex USA sowie der EU, wenn es um Satellitenkapazitäten im Verteidigungsbereich geht. Zwar übernimmt Frankreich seit geraumer Zeit einen Teil der nachrichtendienstlichen Aufklärung zur Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte, doch ein Starlink vergleichbares System fehlt den Europäern bislang. Angesichts der wachsenden Unzuverlässigkeit der USA stellt das eine relevante Sicherheitslücke im europäischen Verteidigungssystem dar.
In den kommenden Jahren dürften europäische Sicherheitspartner daher um den Aufbau und die Verstärkung ihrer eigenen Satellitennetzwerke bemüht sein. Auch die Bundeswehr arbeitet daran, eigene Kapazitäten auszuweiten - dabei mithelfen soll unter anderem das Joint Venture OHB Rheinmetall Space Networks, bei dem die beiden Verteidigungsspezialisten OHB und Rheinmetall zusammenarbeiten. Von dieser Partnerschaft sowie von den europäischen Autonomiebestrebungen im Verteidigungsbereich insgesamt dürfte vor allem OHB profitieren. Das deutsche SpaceX-Pendant könnte vor einer Phase steilen Wachstums stehen. Im Unterschied zu dem von Elon Musk gegründeten Raumfahrtunternehmen sind die Bremer außerdem schon jetzt profitabel.
Eigene Satellitennetzwerke? OHB dürfte profitieren!
OHB ist mit rund 4.000 Mitarbeitenden einer der größten europäischen Pure-Play-Anbieter von Satellitentechnologie. Das Unternehmen entwickelt, fertigt und betreibt Satellitensysteme. Außerdem agiert OHB als Zulieferer von Komponenten, darunter nicht zuletzt für Trägerraketen, und stellt Software für Wartung, Überwachung und Betrieb bereit. Dabei bedient der Konzern die gesamte Palette von Satelliten für zivile Anwendungen bis hin zu militärischen Missionen.
Die Bremer sind wirtschaftlich erfolgreich. Die Erlöse konnten in den vergangenen Jahren zwar nicht ununterbrochen, aber unter dem Strich auf zuletzt 1,216 Milliarden Euro gesteigert werden. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 sind 1,417 Milliarden Euro vorgesehen. Noch sind die Unternehmensmargen zwar schwach, in den zurückliegenden Jahren bewegte sich der Nettogewinn überwiegend im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, doch auch hier zeigen sich angesichts der wachsenden Bedeutung des militärischen Zweigs Verbesserungen. 2027 könnte der Nettoertrag erstmals über 100 Millionen Euro liegen.
Dabei legt das Unternehmen großen Wert auf finanzielle Nachhaltigkeit. Gegenwärtig ist OHB mit überschaubaren knapp 60 Millionen Euro oder dem 0,5-Fachen des EBITDA verschuldet - SpaceX verfügt zwar dank des erfolgreichen Börsengangs über Barmittel von 100 Milliarden US-Dollar, die Gesamtverbindlichkeiten belaufen sich aber bereits auf 65,55 Milliarden US-Dollar und dürften außerdem weiter steigen, während das EBITDA in den zurückliegenden 12 Monaten bei -8,22 Milliarden US-Dollar lag. Das zeigt, wie gesund das Wachstum von OHB erfolgt.

Nach Crash der Aktie: Erholung läuft an!
Langfristig spiegelt der Aktienkurs genau das wider. Nachdem sich OHB jahrelang kaum bewegt hat und um 35 Euro je Anteil pendelte, beschleunigte sich das Kursgeschehen zuletzt deutlich. Dabei ist allerdings im Rahmen der Begeisterung um den SpaceX-IPO zu einer massiven Übertreibung und einem Short-Squeeze gekommen - die Anteile vervielfachten sich zeitweise und erreichten Ende Mai im XETRA-Handel ein Allzeithoch bei 685,00 Euro. Anschließend setzte ein crashartiger Abverkauf mit Verlusten von fast 80 Prozent ein.
Von diesem konnte sich OHB in den vergangenen zwei Wochen etwas erholen, jetzt allerdings beginnt die Erholung an Fahrt aufzunehmen - eine unmittelbare Reaktion auf das Vorgehen der USA in der Ukraine, welches die sicherheitspolitische Abhängigkeit der europäischen Ukraine-Verbündeten schonungslos offengelegt hat. Zum Wochenauftakt ist die Aktie über die 50-Tage-Linie geklettert, womit ein erstes prozyklisches Kaufsignal vorliegt.
Dieses wird unterstützt durch den Vorzeichenwechsel im Trendstärkeindikator MACD, welcher nun einen neuen (kurzfristigen) Aufwärtstrend der Anteile anzeigt. Damit könnte OHB die Unterstützung bei 200 Euro dauerhaft zurückerobern und sich auf den Weg in Richtung der 200-Tage-Linie bei rund 264 Euro begeben. Kurzfristig ist die Aktie mit Blick auf den RSI zwar überverkauft, schon nach einer vorübergehenden Seitwärtskonsolidierung könnte die Erholung jedoch weitergehen. Nur die jüngsten Tiefs sollten jetzt nicht mehr unterschritten werden.
Fazit: Noch immer spekulativ, aber aussichtsreich
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung hat OHB vom Crash der vergangenen Monate profitiert. Das KGVe 2026 liegt jetzt bei rund 68, was noch immer äußerst teuer ist, doch bereits für 2027 und 2028 hellt sich das Bild auf. Hier sind Gewinnvielfache von 38,3 und 25,7 veranschlagt, was meilenweit vor SpaceX liegt, das für 2026 mit einem KGVe von 5.054 und für 2027 mit 71,4 bewertet ist. Darüber hinaus zahlt OHB sogar bereits eine kleine Dividende. Das lässt auf ein anlegerfreundliches Management schließen.
Damit bietet die OHB-Aktie auf dem aktuellen Kurs- und Bewertungsniveau zwar eine nach wie vor spekulative, nichtsdestoweniger aber aussichtsreiche Wette auf ein eigenes, unabhängiges Satellitennetzwerk europäischer Sicherheitspartner, das geopolitische Interesse auch unabhängig von den Launen der USA verteidigen kann.
Gastautor: Max Gross
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