DJ MÄRKTE EUROPA/Leichter - Konjunktursorgen kommen zur KI-Angst
DOW JONES--Leichter zeigen sich die europäischen Börsen am Dienstagmittag und knüpfen damit nahtlos an die Vortagesverluste an. Die Gemengelage an Nachrichten wird als ausschließlich negativ bezeichnet. Ölpreise und Renditen steigen, vor allem Sorgen um die Konjunktur sind nun in Mittelpunkt gerückt. In Deutschland entsetzt vor allem die Explosion der Erzeugerpreise, entsprechend sendet auch der ZEW-Konjunkturindex schwache Signale. Der DAX fällt um 0,7 Prozent auf 25.148 Punkte, der Euro-Stoxx-50 sinkt um 0,9 Prozent auf 6.089 Zähler.
Der Inflationsdruck in Deutschland hat sich im September massiv verschärft: Die Erzeugerpreise (PPI) sprangen allein zum Vormonat schon um 1,9 Prozent - gegenüber dem Vorjahr wurde der Einkauf um 6,7 Prozent teurer. "Gerade eine Woche vor EZB- und US-Notenbank-Entscheidung ist der Markt sehr sensibel gegenüber Inflationszeichen", sagt ein Händler. Denn allein die Richtung der Erzeugerpreise zeige, dass auch die Verbraucherpreise noch weiter steigen werden.
Die Konjunktur dürfte dies abwürgen, der ZEW-Konjunkturindex fiel um 6,6 auf 28,1 Punkte zurück. Vor allem die Aussichten für den privaten Konsum verschlechtern sich noch weiter. Verschlimmert wird die Lage durch den Ölpreis, die Sorte Brent steigt auf über 111 Dollar das Fass. Leichte Entwarnung gibt es nur von der Ölsorte WTI, die mit einem Preissprung von über 5 Prozent auf fast 110 Dollar aufmerksam macht. Hintergrund seien hier nur Eindeckungen von Spekulanten, die vor physischen Lieferproblemen stehen. Denn am Berichtstag ist Verfalltag der November-Kontrakte an der CME.
Laut CMC stehen die Börsen damit vor einer Bewährungsprobe: Solange die Unternehmensgewinne überzeugten und die Inflation nicht erneut außer Kontrolle gerate, bleibe das Marktgefüge einigermaßen stabil. "Sollte jedoch eine dieser beiden Stützen wegbrechen, könnte aus der aktuellen Nervosität schnell eine deutlich umfassendere Korrektur werden. Die größte Gefahr für die Aktienmärkte ist derzeit nicht ein einzelner Krisenherd, sondern das gleichzeitige Zusammentreffen mehrerer Belastungsfaktoren", heißt es.
Weiter nicht rund läuft es für alle KI-verwandten Aktien: "Die Sorgen um die hohen Bewertungen und die Finanzierung des KI-Booms nehmen weiter zu", so CMC. Besonders deutlich zeigen das ABB mit minus 5,3 Prozent. Trotz eines sehr starken Auftragseingangs wurden beim Gewinn je Aktie die Erwartungen deutlich verfehlt. Schneider Electric geben ebenfalls klar um 3,5 Prozent nach, Siemens verlieren 3,6 Prozent und führen die Verliererliste im DAX an. Für Chipwerte wie Infineon, STMicro, ASML und BE Semiconductor geht es im Schnitt um rund 3 Prozent nach unten.
Ähnlich sieht es beim Maschinenbau aus, die Konjunkturängste überschatten alles: Vor allem für Motorenhersteller geht es europaweit abwärts. Schon bei Steyr Motors hatte am Vortag verwundert, dass die Aktien deutlich unter dem Übernahmegebot von 39 Euro geblieben waren. Aktuell notieren sie mit 36,40 Euro weit darunter.
Bei Deutz geht es 5,6 Prozent tiefer, bei der finnischen Wartsila um 3,9 Prozent. "Es sieht wie ein perfekter Sturm für das Produkt aus", sagt ein Händler: "Rüstung läuft nicht mehr, die Ausrüstung von KI-Datenzentren auch nicht und Öl und Zinsen erdrücken die Konjunkturaussichten".
Das beendet auch die Rally der Metallwerte. Der Sektor der Basic-Resources ist mit 2,2 Prozent Minus schwächster in Europa. Antofagasta fallen 4,2 Prozent, in Deutschland leidet die Aktie des Kupferkonzerns Aurubis mit 6,4 Prozent Minus. Alle Stahlwerte von Arcelormittal über Thyssenkrupp bis Salzgitter notieren mit über 2 Prozent Verlusten.
Gewinner sind Versorgertitel wie Eon mit 1,3 Prozent Plus. Das Unternehmen plant laut Manager Magazin ein umfassendes Sparprogramm. Auch Deutsche Börse steigen - um 0,3 Prozent. Der Konzern legt nachbörslich Geschäftszahlen für das dritte Quartal vor. Diese dürften solide ausgefallen sein, eine Erhöhung der Prognose für das laufende Jahr wäre keine Überraschung.
=== Index zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 6.088,67 -0,9 -56,14 6.144,81 5,1 Stoxx-50 5.331,66 -0,5 -29,08 5.360,74 8,4 DAX 25.147,94 -0,7 -171,83 25.319,77 2,7 MDAX 30.030,18 -1,6 -483,08 27.039,42 -1,9 TecDAX 3.978,43 -0,8 -32,47 3.091,28 9,9 SDAX 17.955,89 -1,4 -254,33 13.062,07 4,5 FTSE 10.705,92 -0,6 -58,77 10.764,69 7,8 CAC 7.805,96 -0,8 -62,09 7.868,05 -4,2 SMI 14.391,33 +0,2 22,55 14.368,78 8,5 ATX 6.420,21 -1,3 -86,33 6.506,54 20,5 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Mo, 18:04 EUR/USD 1,1209 -0,0 -0,0001 1,1210 1,1204 EUR/JPY 177,35 -0,2 -0,3600 177,71 177,6100 EUR/CHF 0,9239 -0,3 -0,0029 0,9268 0,9264 EUR/GBP 0,8402 -0,3 -0,0024 0,8426 0,8423 USD/JPY 158,2 -0,2 -0,2800 158,48 158,5100 GBP/USD 1,3339 +0,3 0,0037 1,3302 1,3300 USD/CNY 6,6779 -0,0 -0,0027 6,6806 6,6806 USD/CNH 6,6768 -0,1 -0,0051 6,6819 6,6832 AUS/USD 0,6988 +0,1 0,0010 0,6978 0,6975 Bitcoin/USD 81.473,61 -0,6 -462,41 81.936,02 81.699,41 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 110,06 +6,2 6,40 103,66 Brent/ICE 111,51 +1,8 1,96 109,55 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.124,38 -0,4 -15,29 4.139,67 Silber 57,22 +0,2 0,14 57,09 Platin 1.637,09 -0,2 -3,16 1.640,25 (Angaben ohne Gewähr) ===
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