
© Foto: Tierra Mallorca auf Unsplash.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Aktie von TAG Immobilien zum Kauf empfohlen - das Unternehmen sei das derzeit einzige mit Wachstumschancen!
Deutsche Immobilienwerte im freien Fall
Die stark steigenden Anleiherenditen sowie die Diskussionen um Enteignungs- und Vergesellschaftungsbemühungen haben deutsche Immobilienwerte kräftig durcheinandergewirbelt. Schon seit Monaten befinden sich die Anteile von Vonovia & Co. auf Talfahrt und ein Ende der Verluste ist noch nicht in Sicht. Daran sind die Konzerne nicht zuletzt aber auch selbst schuld. Sie haben sich während der Niedrigzinsjahre stark verschuldet und den Abbau der Verschuldung zu spät priorisiert, was sich jetzt in steigenden Zins- und Refinanzierungskosten niederschlägt.
Trotzdem nimmt das Interesse an der Branche zu. Viele Anlegerinnen und Anleger wittern Einstiegschancen und hoffen auf einen Turnaround der Unternehmensanteile. Der allerdings könnte sehr ungleich und in Abhängigkeit von der "Berlin-Exposure" zum einen und dem Grad der Verschuldung zum anderen verlaufen. Auch Wachstumsaussichten dürften verstärkt eine Rolle spielen, da steigende Funds from Operations (FFO) höheren Finanzierungskosten wirksam entgegentreten könnten. Hier sieht die US-Investmentbank Goldman Sachs gegenwärtig aber nur ein Unternehmen aussichtsreich positioniert.
Goldman Sachs empfiehlt TAG Immobilien zum Kauf
Während Goldman Sachs seine Einschätzung für den deutschen Branchenprimus Vonovia erst vor wenigen Wochen nach unten korrigiert, die Kaufempfehlung gestrichen und das Kursziel von 29,50 auf 21,20 Euro herabgesetzt hat, sprach Analyst Jonathan Kownator am Dienstagmorgen eine Kaufempfehlung für die Aktie von Mitbewerber TAG Immobilien aus.
Kownator, der laut dem Vergleichsportal für Wall-Street-Analystinnen und -Analysten TipRanks als überdurchschnittlich zuverlässiger Experte gilt, verweist vor allem auf die Wachstumsaussichten in Polen - ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der deutschen Immobilienbranche, das TAG Immobilien zu einer "branchenführenden Gewinndynamik" verhelfen könnte.
Der Immobilienmarkt in Polen weist seiner Einschätzung nach ein besseres Gesamtumfeld auf, da die makroökonomische Dynamik höher sei und gleichzeitig weniger reguliert werde. TAG Immobilien verfügt in Polen über zwei Standbeine: Das Unternehmen tritt dort einerseits als Projektierer und Entwickler (Build-to-Sell) und andererseits als Vermieter (Build-to-Hold) mit rund 3.500 Wohneinheiten auf.
Weitere Kaufargumente liefern laut Goldman-Sachs-Analyst Kownator eine niedrige Leerstandsquote, überdurchschnittlich hohe Kapitalrenditen sowie die gegenüber der Konkurrenz solidere Bilanz mit überschaubaren Fremdkapitalkosten. Er rechnet für das laufende Geschäftsjahr sogar mit einer Dividendenerhöhung und einer Anhebung der Ausschüttungsquote auf 50 Prozent des FFO - ein Luxus, den sich Vonovia kaum leisten kann.

Aktie legt gegen den Trend zu, neue Mehrjahrestiefs bei Vonovia
Anlegerinnen und Anleger zeigen sich von den von Goldman Sachs vorgelegten Argumenten und der Investmentthese von Kownator überzeugt und schlagen am Dienstag zu. In einem nach dem Montag erneut schwachen Gesamtmarktumfeld verzeichnete TAG Immobilien zeitweise Gewinne von mehr als 2 Prozent, während auf der anderen Seite des Spektrums Vonovia erneut einbrach und angesichts von Verlusten von über 3 Prozent auf neue Mehrjahrestiefs fiel.
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr performt zwar auch TAG Immobilien mit einem Minus von knapp 31 Prozent bislang äußerst schwach, allerdings sind die Verluste bei Vonovia um 11 Prozentpunkte höher - die Anteile steuern inzwischen auf eine (weitere) Halbierung zu. Zwar zeigt TAG Immobilien am Dienstag relative Stärke, doch ein Einstiegssignal lässt sich daraus noch nicht ableiten. Im Chart fehlt eine klar erkennbare Bodenbildung, auch wenn diese zumindest in den technischen Indikatoren RSI und MACD, die bullishe Divergenzen aber noch vermissen lassen, bereits stattgefunden hat.
Fazit: In der Branche gibt es einen klaren Favoriten
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung ist TAG Immobilien gegenüber Vonovia deutlich attraktiver. Das KGVe 2026 liegt bei 5,8, während Vonovia auf ein Gewinnvielfaches von 6,8 kommt. Zwar ist die Dividendenrendite mit erwarteten 4,95 Prozent niedriger als die von Vonovia gebotenen 7,6 Prozent, bis zu den Hauptversammlungen im kommenden Jahr könnte es allerdings noch zu deutlichen Veränderungen zugunsten von TAG Immobilien kommen.
Auch beim Verhältnis aus operativen Gewinnen und Unternehmenswert hat TAG Immobilien die Nase vorn, während der Verschuldungsgrad gemessen am EBIT sowie am Nettoertrag deutlich geringer ist als bei Vonovia. Wer daher auf eine Trendwende in der deutschen Immobilienbranche setzen möchte, sollte dem Urteil von Goldman Sachs folgen und nicht auf Vonovia, sondern auf TAG Immobilien setzen.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




