Die konjunkturellen Warnsignale nehmen auf beiden Seiten des Atlantiks zu. In Deutschland ist der ZEW-Index deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben und unterstreicht die wachsende Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die Hoffnungen auf eine nachhaltige Konjunkturerholung bekommen damit einen neuen Dämpfer. Gleichzeitig belasten die anhaltend hohen Energiepreise die Wachstumsaussichten und schüren neue Inflationsängste.
Auch aus den USA kommen wenig ermutigende Signale. Die schwächer als erwartet ausgefallenen ADP-Arbeitsmarktdaten deuten auf eine weitere Abkühlung der Beschäftigungsdynamik hin. Gleichzeitig verharrt der Immobiliensektor in einer hartnäckigen Stagnation. Für die Finanzmärkte zeichnet sich damit eine zunehmend unangenehme Kombination ab: Die Konjunktur verliert an Schwung, während die Inflationsrisiken wieder zunehmen. Schwächeres Wachstum wäre für sich genommen noch verkraftbar. Gefährlich wird es, wenn gleichzeitig die Preise weiter steigen und den Notenbanken damit die Hände gebunden bleiben.
Dabei lässt sich die Inflationsentwicklung längst nicht mehr isoliert nach Ländern betrachten. Hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie steigende Kosten für Waren und Dienstleistungen übertragen sich über internationale Lieferketten auf andere Volkswirtschaften. Die Inflation kennt keine Landesgrenzen. Was heute die Produktionskosten in einer Region nach oben treibt, kann morgen bereits die Verbraucherpreise auf einem anderen Kontinent belasten.
Umso größer ist die Bedeutung der anstehenden Quartalszahlen aus dem Technologiesektor. Vor allem die Ergebnisse und Ausblicke von Tesla, SpaceX und Meta dürften darüber entscheiden, ob die Anleger wieder Vertrauen in die hohen Wachstumserwartungen fassen. Nach den jüngsten Kursverlusten will der Markt jetzt handfeste Argumente für eine Stabilisierung. Die Berichtssaison kann die Zweifel am KI-Boom entweder zerstreuen oder den Verkaufsdruck weiter verstärken.
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