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Der US-Rüstungs- und Technologiekonzern RTX hat am Dienstag überzeugende Quartalszahlen vorgelegt. Nach einer Korrektur in den Wochen zuvor sind die Weichen für eine Erholung damit gestellt!
Höhepunkt der Quartalssaison für US-Rüstungswerte
Nicht nur deutsche, sondern auch US-Rüstungswerte befinden sich in einer inzwischen monatelangen Korrektur. Die Branche kämpft mit steigenden Anleiherenditen, sorgen um die finanzielle Nachhaltigkeit wachsender Rüstungsausgaben im Angesicht hoher Staatschulden sowie mit zeitweise aus dem Ruder gelaufenen Unternehmensbewertungen. Die haben sich inzwischen aber überwiegend relativiert.
Dass der Abverkauf in der Branche übertrieben sein könnte, darauf deutet der jüngste Schwung an Quartalsberichten hin. Mit GE Aerospace, Northrop Grumman und RTX haben am Dienstag gleich drei Rüstungs- oder rüstungsnahe Konzerne ihre Geschäftszahlen präsentiert - und positiv zu überraschen gewusst! Während das bei Northrop Grumman mit kräftigen Kursaufschlägen quittiert wurde, zeigte sich die Aktie von RTX unbeeindruckt. Das sorgt dafür, dass hier jetzt noch die Chance auf einen aussichtsreichen Einstieg besteht, zumal die Aktie auch charttechnisch Verbesserungen zeigt.
RTX überzeugt, Umsatz und Gewinn deutlich über den Erwartungen
Gegenüber dem Vorjahresquartal steigerte RTX seine Erlöse um 11,1 Prozent auf 24,97 Milliarden US-Dollar. Damit konnten die Erwartungen der Analystinnen und Analysten um stolze 860 Millionen US-Dollar geschlagen werden. Während sich die Flugzeugtöchter Collins Aerospace und Pratt & Whitney dank einer hohen Nachfrage nach Flugzeugbauteilen, Turbinen und Wartungsdienstleistungen um jeweils 10 Prozent steigerten, legten die Erlöse in der Rüstungssparte Raytheon um 14 Prozent zu. Das zeigt die anhaltend hohe Nachfrage nach Verteidigungsgütern.
Beim Gewinn präsentierte das Unternehmen auf bereinigter Basis (Non-GAAP) ein Ergebnis von 2,26 US-Dollar pro Aktie. Damit konnten die Erwartungen um 0,48 US-Dollar übertroffen werden, davon entfielen 0,25 US-Dollar auf Zollrückerstattungen. Ohne diese hat sich RTX gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 31 Cent je Anteilsschein steigern können. Insgesamt erzielte der Konzern einen auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallenden Nettogewinn in Höhe von 2,583 Milliarden US-Dollar nach 1,918 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal.
Auftragsbücher prall gefüllt, Jahresprognose angehoben
Auch die Auftragseingänge fielen mit einem Plus von 81 Milliarden US-Dollar erneut stark aus - sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich. Insgesamt verfügt RTX jetzt über einen Auftragsbestand von 340 Milliarden US-Dollar, wovon 176 Milliarden US-Dollar auf privatwirtschaftliche und 164 Milliarden US-Dollar auf Verteidigungsverträge entfallen. Damit ist der Konzern gut für weiteres Wachstum aufgestellt.
Angesichts der anhaltend starken Geschäfte hat das Management seine Gesamtjahresprognose erneut angehoben. RTX rechnet jetzt mit einem Umsatzergebnis in Höhe von 97,0 bis 97,5 Milliarden US-Dollar nach zuvor 95,0 bis 96,0 Milliarden US-Dollar. Expertinnen und Experten hatten vorab auf 96,2 Milliarden US-Dollar getippt. Für das Wachstum bedeutet das einen Anstieg von 10 bis 11 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr.
Auch die Gewinn- und Cashflow-Prognose wurde nach oben korrigiert. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll sich auf 7,65 bis 7,75 US-Dollar belaufen, was deutlich über den Analystenschätzungen von 7,25 US-Dollar sowie der bisherigen Prognose von 7,10 bis 7,25 US-Dollar je Anteil liegt. Die Barmittelzuflüsse könnten sich auf bis zu 9,2 Milliarden US-Dollar belaufen. Hier hatte RTX bislang 8,5 bis 8,75 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt.

Aktie reagiert bislang mit Schulterzucken
Die Aktie reagierte auf die starken Zahlen kaum, am Dienstagvormittag US-amerikanischer Zeit rutschte RTX sogar zeitweise in Minus. Bis zum Nachmittag konnten sich die Käuferinnen und Käufern jedoch berappeln, sodass am Ende ein Plus von 0,6 Prozent zu Buche stand. Damit konnte das Plus von 5,4 Prozent gegenüber dem Jahreswechsel verteidigt und ausgebaut werden. Gegenüber dem Mitte August bei 226,88 US-Dollar erzielten Rekordhoch besteht jedoch noch immer ein Abschlag von fast 15 Prozent.
Charttechnisch beginnt sich die Situation nach den Verlusten in den vergangenen Wochen, die vor allem einer (überfälligen) Bewertungskorrektur geschuldet waren, zu stabilisieren. Im Bereich von 180 US-Dollar ist RTX auf eine Horizontalunterstützung getroffen. Seither geht es unterstützt von den gleitenden Durchschnitten moderat bergauf. Der Trendstärkeindikator MACD notiert zwar noch unter der Nulllinie, womit er einen intakten Abwärtstrend anzeigt, der Vorzeichenwechsel ist aber zum Greifen nah. Unterdessen steht die Aktie vor dem Sprung über ihre gleitenden Durchschnitte. Deren Überwinden würde für neue prozyklische Kaufsignale sorgen. Der hierfür nötige Rückenwind liegt im Relative-Stärke-Index (RSI) bereits vor.
Sollte sich das Gesamtmarktumfeld oder die Stimmung gegenüber Rüstungswerten hingegen wieder eintrüben, stünde im Bereich von 170 US-Dollar noch eine starke Unterstützung bereit. Erst für Kurse nachhaltig (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) darunter würde sich das Bild dauerhaft eintrüben.
Fazit: Premiumbewertung mit frischem Aufwärtspotenzial
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung ist RTX kein günstiges Papier. Auf Basis der angehobenen Jahresprognose liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 25,1 und damit deutlich sowohl über dem Branchendurchschnitt von 19,1 als auch dem 5-Jahres-Mittel von 21,8. Dafür bietet der gegenwärtig höchste Backlog in der Branche eine Sicherheit bzw. eine Book-to-Bill-Rate, die mittel- und langfristig für eine besonders hohe finanzielle Sichtbarkeit sorgt. Das rechtfertigt einen Bewertungsaufschlag gegenüber der Konkurrenz.
Von Analystinnen und Analysten, welche RTX mit breiter Mehrheit entweder zum Kaufen oder Übergewichten empfehlen, wird der faire Wert auf 228,78 US-Dollar veranschlagt. Das impliziert eine Upside von 18,3 Prozent. Damit dürfte die Aktie nach der bislang verhaltenen Earnings-Reaktion noch über ausreichend Aufwärtspotenzial verfügen, an dem Anlegerinnen und Anleger mit Long-Positionen teilhaben können.
Gastautor: Max Gross
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