Berlin (ots) -
Wie sehr uns in krisengeschüttelten Zeiten der Kompass abhandengekommen ist, zeigt ein Blick auf die Nachrichten. Am Dienstag lud die Bundesregierung zum Wirtschaftsgipfel. Kanzler Friedrich Merz (CDU) und sechs Minister warben um Investitionen. Unternehmen sagten 228 Milliarden Euro zu. Die Zufriedenheit war groß - Investitionen sichern schließlich den Wirtschaftsstandort. Vom Klimaschutz war an diesem Tag nicht die Rede.
Am Vorabend hatte Eintracht Frankfurt seine Mitgliederversammlung abgehalten. Dort erklärte Vorstandsvorsitzender Axel Hellmann, dass ein neues Stadion hermüsse. Das Waldstadion sei zu klein; eine Arena sei ohnehin nach 30 Jahren nicht mehr zeitgemäß. Hellmann plädiert für einen Neubau mit 80.000 Plätzen. Nicht wenige halten ihn für einen Visionär.
Nur anderthalb Tage später schlagen wenigstens die Vereinten Nationen Alarm: Die Erde steuert auf eine dramatische Erwärmung von 2,8 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Dabei hat sich die Weltgemeinschaft 2015 im Pariser Klimaabkommen darauf verständigt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dieses Ziel ist nicht mehr zu erreichen, weil die Weltgemeinschaft nur halbherzig agiert.
Hierzulande spielt der Klimaschutz bei der Entwicklung neuer Projekte nur dann eine Rolle, wenn er wirtschaftlichen Interessen nicht entgegensteht. Gerne weist man die Verantwortung von sich - Deutschland sei schließlich ein vergleichsweise kleines Land. Wenn andere Staaten nicht mitziehen, bringe auch der eigene Einsatz wenig. Eine solche Haltung zeigt, wie wenig die auf Weltklimakonferenzen vereinbarten Verpflichtungen tatsächlich im Alltag greifen. Dabei bedroht die Klimakrise die Lebensgrundlagen künftiger Generationen. Klimaforschende warnen längst vor dystopischen Szenarien.
Die Vereinten Nationen betonen in ihrem eindringlichen Appell, dass politische Entscheidungen einer der wirksamsten Hebel für mehr Klimaschutz sind. Umso nötiger wäre es, den Klimanotstand auszurufen. Dann müsste bei jeder politischen Entscheidung der Klimaschutz von Anfang an mitgedacht werden. Nicht mehr jede Unternehmensansiedlung wäre willkommen. Das Geschäftsmodell von Fast Fashion etwa käme auf den Prüfstand, wenn Nachhaltigkeit zur Bedingung würde. Und auch Eintracht Frankfurt müsste beim Stadionbau prüfen, wie sich das Waldstadion durch einen Ausbau des Bestands vergrößern ließe, statt einen Neubau anzustreben.
Würde der Klimaschutz ernst genommen werden, ginge es nicht mehr darum, um jeden Preis zu wachsen. Wohlstand müsste neu definiert werden, und als Gesellschaft müssten wir einen Weg finden, mit unseren begrenzten Ressourcen zu leben. Das wäre kein Verlust der Zukunft, sondern die Voraussetzung dafür, eine zu haben.
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Wie sehr uns in krisengeschüttelten Zeiten der Kompass abhandengekommen ist, zeigt ein Blick auf die Nachrichten. Am Dienstag lud die Bundesregierung zum Wirtschaftsgipfel. Kanzler Friedrich Merz (CDU) und sechs Minister warben um Investitionen. Unternehmen sagten 228 Milliarden Euro zu. Die Zufriedenheit war groß - Investitionen sichern schließlich den Wirtschaftsstandort. Vom Klimaschutz war an diesem Tag nicht die Rede.
Am Vorabend hatte Eintracht Frankfurt seine Mitgliederversammlung abgehalten. Dort erklärte Vorstandsvorsitzender Axel Hellmann, dass ein neues Stadion hermüsse. Das Waldstadion sei zu klein; eine Arena sei ohnehin nach 30 Jahren nicht mehr zeitgemäß. Hellmann plädiert für einen Neubau mit 80.000 Plätzen. Nicht wenige halten ihn für einen Visionär.
Nur anderthalb Tage später schlagen wenigstens die Vereinten Nationen Alarm: Die Erde steuert auf eine dramatische Erwärmung von 2,8 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Dabei hat sich die Weltgemeinschaft 2015 im Pariser Klimaabkommen darauf verständigt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dieses Ziel ist nicht mehr zu erreichen, weil die Weltgemeinschaft nur halbherzig agiert.
Hierzulande spielt der Klimaschutz bei der Entwicklung neuer Projekte nur dann eine Rolle, wenn er wirtschaftlichen Interessen nicht entgegensteht. Gerne weist man die Verantwortung von sich - Deutschland sei schließlich ein vergleichsweise kleines Land. Wenn andere Staaten nicht mitziehen, bringe auch der eigene Einsatz wenig. Eine solche Haltung zeigt, wie wenig die auf Weltklimakonferenzen vereinbarten Verpflichtungen tatsächlich im Alltag greifen. Dabei bedroht die Klimakrise die Lebensgrundlagen künftiger Generationen. Klimaforschende warnen längst vor dystopischen Szenarien.
Die Vereinten Nationen betonen in ihrem eindringlichen Appell, dass politische Entscheidungen einer der wirksamsten Hebel für mehr Klimaschutz sind. Umso nötiger wäre es, den Klimanotstand auszurufen. Dann müsste bei jeder politischen Entscheidung der Klimaschutz von Anfang an mitgedacht werden. Nicht mehr jede Unternehmensansiedlung wäre willkommen. Das Geschäftsmodell von Fast Fashion etwa käme auf den Prüfstand, wenn Nachhaltigkeit zur Bedingung würde. Und auch Eintracht Frankfurt müsste beim Stadionbau prüfen, wie sich das Waldstadion durch einen Ausbau des Bestands vergrößern ließe, statt einen Neubau anzustreben.
Würde der Klimaschutz ernst genommen werden, ginge es nicht mehr darum, um jeden Preis zu wachsen. Wohlstand müsste neu definiert werden, und als Gesellschaft müssten wir einen Weg finden, mit unseren begrenzten Ressourcen zu leben. Das wäre kein Verlust der Zukunft, sondern die Voraussetzung dafür, eine zu haben.
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