
© Foto: Jason Dent auf Unsplash (Symbolbild)
Rund 40 Prozent Minus in einem Jahr. Die Schlagzeilen aus Berlin sind düster. Die Stimmung unter Anlegern ist im Keller. Hoffnung kaum zu finden! Doch genau das macht die Lage so spannend, denn der Chart sendet ein Signal, das man häufiger bei Reboundaktien sieht. Der RSI liegt bei etwa 20 Punkten, was schon extrem überverkauft ist. Gleichzeitig läuft das Geschäft weiter, die Prognose steht, und die Dividendenrendite lockt mit über 7 Prozent. Könnte die Aktie bei 16 Euro tatsächlich drehen und wie weit könnte der Rebound die Aktie dann nach oben hieven? Lesen Sie nachfolgend, warum die Suppe oft nicht so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wird.
Mehr Substanz als Schlagzeilen
Vonovia steht unter Druck. Diese Aussage und auch Tatsache lässt sich nicht einfach so mal wegreden. Rund 40 Prozent hat die Aktie binnen eines Jahres verloren, zuletzt pendelte sie um 16 Euro, bzw. 16,50 Euro. Doch genau hier lohnt schon der zweite Blick. Denn vieles Schlechte ist längst im Kurs eingepreist. Das Geschäft selbst läuft einfach weiter. Die Prognose für 2026 steht, die Mieten fließen, und Wohnungen bleiben in Deutschland ein knappes Gut. Natürlich sorgt Berlin für Schlagzeilen. Linke, Grüne und SPD wollen große Wohnungsbestände vergesellschaften. Aber ein Gesetz soll erst Mitte 2028 kommen. Das ist noch lange hin. Zwar nimmt die Börse vieles vorweg. Die Bundesregierung will solche Landespläne zudem per Bundesgesetz stoppen. Vonovia hält das Vorhaben für verfassungswidrig und setzt auf die Gerichte. Gut für Vonovia ist, dass zwischen politischer Absicht und echter Umsetzung oft ein weiter Weg liegt. Auch bei den Finanzen bleibt der Konzern gelassen. Im ersten Halbjahr holte er sich 4,4 Milliarden Euro frisches Geld, im Schnitt für acht Jahre und zu rund 3,2 Prozent. Der Durchschnittszins liegt weiter unter 2,2 Prozent. CFO Philip Grosse nennt die Kapitalstruktur solide. Die Verkäufe rücken eher Richtung Jahresende. Das klingt nach Plan, nicht nach Panik.

Charttechnik
Der Chart zeigt Erschöpfung, gut zu sehen daran, dass sich die Aktie in den vergangenen Wochen Stück für Stück "nach unten gearbeitet" hat. Das Jahrestief liegt bei rund 16 Euro. Dort griffen zuletzt wieder Mutige zu. Der RSI steht bei 20 Punkten, was klar überverkauft ist. Solche Werte sieht man häufiger, wenn Rebounds bevorstehen. Es ist zwar keine Garantie, dass er jetzt schon kommt, aber auch ist klar, dass Kurse immer eine Gegenbewegung zeigen und je tiefer sie fallen, desto wahrscheinlicher wird eine Gegenreaktion. Der Kurs wirkt wie ein Gummiband, das zu weit gedehnt wurde. Meist folgt dann ein Rebound. Hält die 16-Euro-Marke, könnte hier ein Boden entstehen. Von dort wäre ein Anstieg in Richtung 20 Euro denkbar. Das wären gut 20 Prozent Plus. Was das Thema Enteignung betrifft: Meistens wird die Suppe nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Ein Selbstläufer ist das alles zwar nicht, aber die Chancen stehen für besonders mutige Anleger besser als noch vor ein paar Wochen.
Was tun?
Fundamental sieht die Aktie günstig aus. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt bei rund 7, die Dividendenrendite bei über 7 Prozent. J.P. Morgan, Jefferies und Berenberg raten weiter zum Kauf. Laut Bloomberg empfehlen zwölf von 22 Analysten die Aktie. Morgan Stanley und Goldman sind dagegen vorsichtig. Wichtig sind nun die Zahlen am 4. November. Wer einsteigen will, könnte am besten in Etappen vorgehen. Ein erster Teil bei 16 bis 16,50 Euro, der Rest nach den Quartalszahlen. Vorher stehen Fed, EZB und der Linken-Parteitag an, das kann noch für Schwankungen sorgen. Ein Not-Stopp sollte dennoch im Hinterkopf sein und das Risiko begrenzen. Unterm Strich spricht vieles für eine Erholung. Die Politik bleibt aber ein Unsicherheitsfaktor.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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