
© Foto: KI generiertes Symbolbild
Bei Deutz wird es eng. Der Kurs liegt gerade noch so über dem 200er SMA, aber auch nur wenige Cent. Das kann auch schnell vorbei sein und der Kurs rutscht drunter. Der Anfang-Septemberausbruch ist komplett weg. Gleichzeitig loben Analysten die Aktie in den höchsten Tönen, ein Aufsichtsrat kauft und die nächsten Zahlen stehen schon vor der Tür. Hält die Marke von 10 Euro, ist der Weg Richtung 13 oder 14 Euro wieder frei. Bricht sie, wird es ungemütlich. Was bei dem Kölner Motorenbauer gerade wirklich passiert und worauf Anleger jetzt achten sollten, lesen Sie im nachfolgenden Artikel.
Hoffnung und Spardruck
Deutz hat ein aufregendes Jahr hinter sich. Im ersten Halbjahr stieg der Auftragseingang um rund 29 Prozent, der Umsatz legte um 11 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro zu. Dann kam die große Nachricht, dass der Kölner Motorenbauer die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft für rund 1,6 Milliarden Euro übernehmen möchte. Damit soll das Verteidigungsgeschäft kräftig wachsen. Noch fehlen allerdings Genehmigungen. Die Kehrseite bleibt ebenso nicht verborgen, denn im September holte sich Deutz mit einer Kapitalerhöhung rund 179 Millionen Euro, die neuen Aktien gingen zu 11,70 Euro raus. Das verwässert die Altaktionäre. Dazu kommen Berichte über bis zu 400 wegfallende Stellen, vor allem beim Bau der kleinen Motoren. Analysten erwarten zwar mehr Aufträge, sehen die Produktion aber weiter schwach. Die Experten hingegen bleiben trotzdem meist, auf den aktuellen Kurs bezogen, positiv gestimmt. Berenberg hob das Kursziel auf 16,50 Euro, MPCM nennt sogar 19 Euro, Bernstein bleibt bei 12,40 Euro. Auch intern greift man zu. So hat Aufsichtsrat Dr. Dietmar Voggenreiter 5.000 Aktien zu 10,68 Euro gekauft. Zuletzt rutschte die Aktie dennoch um einige Prozent auf zeitweise knapp unter 10 Euro. Eine eigene Nachricht gab es dafür nicht, der ganze Markt war ebenfalls schwach.

Charttechnik
Jetzt wird es spannend. Der Kurs liegt gerade noch so über dem 200er SMA. Der RSI steht nur noch bei 41 Punkten und damit schon in der unteren Hälfte. Der Ausbruch von Ende August bzw. Anfang September ist vollständig auskorrigiert. Vom Hoch bei 13,39 Euro ging es über 20 Prozent nach unten. Die Käufer zeigen bisher wenig Schwung, die Verkäufer dominieren. Wenn das so weitergeht, kann das ganze Gebilde auch nach hinten losgehen. Dann wäre es eine klassische Topbildung und der Kurs rutscht nachhaltig unter die 10 Euro. Als nächste Halte gelten etwa 9 und 8,30 Euro. Die Zone um 9,90 Euro ist deshalb so wichtig. Dort treffen horizontale Unterstützung und Aufwärtstrendlinie zusammen. An dieser Linie entscheidet sich wohl der weitere Verlauf. Es gibt aber auch die freundliche Variante des aktuellen Gebildes. Halten die 10 Euro, kann es wieder nach oben gehen. Zuerst warten Hürden bei rund 11,25 Euro, danach die Zone um 11,80 bis 12 Euro. Gelingt der Sprung darüber, rücken 13 bis 14 Euro wieder in Reichweite.
Was tun?
Die Lage ist derzeit noch komplett offen. Für Deutz sprechen der starke Auftragseingang, die FFG-Pläne und die hohen Analystenziele. Dagegen stehen die letzte Verwässerung, der Stellenabbau und eine noch schwache Produktion. Charttechnisch entscheidet die 10 Euro-Marke. Wer schon investiert ist, behält diese sehr genau im Blick. Wer noch einsteigen möchte, sollte dieses ebenfalls im Blick behalten und vielleicht auch erst noch die Zahlen am 5. November abwarten. Es gilt: beobachten, geduldig bleiben, Risiken im Auge behalten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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