Brüssel (ots) -
Der Industrie- und der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments haben dem Kompromiss von EVP, S&D und Renew Europe zur Änderung der CO2-Emissionsnormen für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zugestimmt. Die Interessengemeinschaft European Automobile Clubs (EAC) begrüßt die ersten Abstimmungen gegen das Verbrenner-Aus als wichtiges Signal für mehr Technologieoffenheit. Weiteren Handlungsbedarf sieht der EAC beim Fahrzeugbestand: Wer heute ein Auto mit Verbrennungsmotor fährt, soll mit erneuerbaren Kraftstoffen einfacher und günstiger zum Klimaschutz beitragen können.
Der Kompromiss sieht vor, dass Hersteller die durchschnittlichen CO2-Emissionen ihrer Neuwagen ab 2035 um 87,5 statt um 100 Prozent senken müssen. Voraussetzung ist, dass sie weitere 7,5 Prozentpunkte über klimafreundlich erzeugten Stahl aus Europa ausgleichen, sodass insgesamt eine Minderung um 95 Prozent erreicht wird. Damit könnten Autos mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybride auch nach 2035 neu zugelassen werden.
"Ob Elektroauto, Plug-in-Hybrid oder Verbrenner: Die Menschen sollen selbst entscheiden können, welcher Antrieb zu ihrem Alltag und ihrem Budget passt. Die Abstimmungen im Europäischen Parlament sind dafür ein wichtiger erster Schritt", erklärt EAC-Präsident Holger Küster.
Neu ist eine eigene Fahrzeugkategorie: Autos, die über ihre gesamte Lebensdauer ausschließlich mit zugelassenen erneuerbaren Kraftstoffen fahren, sollen ab 2030 bei der Berechnung der CO2-Flottengrenzwerte als emissionsfrei gelten. Ob das eingehalten wird, soll bei jedem Tankvorgang digital überprüft werden. Ab 2033 werden die zulässigen Kraftstoffe auf E-Fuels sowie bestimmte Biokraftstoffe und Biogas begrenzt. Diese Vorgaben gelten auch für Fahrzeuge, die bereits zuvor gekauft wurden.
Um neue Unsicherheit bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu verhindern, fordert der EAC die EU-Kommission auf, die noch offenen Einzelheiten verbindlich und verständlich zu regeln, bevor die ersten Fahrzeuge verkauft werden. Zugleich müssen zugelassene erneuerbare Kraftstoffe in ausreichender Menge, zu bezahlbaren Preisen und europaweit an Tankstellen verfügbar sein. Die Kontrolle über die bei jedem Tankvorgang erfassten Daten muss bei den Fahrzeughaltern liegen.
Mehr Klarheit schafft der Kompromiss beim Kauf gebrauchter Elektroautos und Plug-in-Hybride. Händler sollen künftig den aktuellen Zustand der Batterie gut sichtbar neben dem Fahrzeuglabel angeben. Der EAC begrüßt das, denn Reichweite und Restwert hängen stark vom Batteriezustand ab. Damit Käuferinnen und Käufer Angebote verlässlich vergleichen können, braucht es einheitliche europäische Standards zur Bestimmung und zum Nachweis des Batteriezustands.
Für den Fahrzeugbestand bietet der Kompromiss beim Klimaschutz keine Antwort. Im Jahr 2024 waren rund 256 Millionen Pkw mit einem Durchschnittsalter von 12,7 Jahren unterwegs, fast 98 Prozent davon mit Verbrennungsmotor. Selbst wenn ab sofort nur noch Elektroautos verkauft würden, bräuchte es mehr als zwei Jahrzehnte, um den Bestand vollständig zu ersetzen. Damit bereits zugelassene Autos mit Verbrennungsmotor künftig klimafreundlicher fahren, braucht es deshalb erneuerbare Kraftstoffe. Für den Fahrzeugbestand setzt der EAC daher heute vor allem auf nachhaltige Biokraftstoffe, wie E10 und HV100. Langfristig können auch E-Fuels eine Rolle spielen, wenn sie in ausreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen verfügbar sind. Zugleich müssen die Mitgliedstaaten die verbindlichen EU-Vorgaben für mehr erneuerbare Energie im Verkehr unverzüglich und vollständig umsetzen. So können auch Menschen zum Klimaschutz beitragen, die ihr heutiges Auto weiterfahren.
Deutschland und Frankreich schlagen für 2035 ebenfalls mehr Flexibilität vor: Die CO2-Emissionen neuer Pkw sollen um 90 Prozent sinken, ohne dass die verbleibenden zehn Prozent zusätzlich ausgeglichen werden müssen. Damit treffen in den Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten unterschiedliche Modelle aufeinander. Aus Sicht des EAC muss die EU die Debatte nun zügig zu einem verlässlichen Ergebnis führen.
"Die wechselnde politische und öffentliche Debatte verunsichert viele Verbraucherinnen und Verbraucher. Für ihre Kaufentscheidungen brauchen sie ebenso verlässliche, langfristige Rahmenbedingungen wie Automobilhersteller und Zulieferer für ihre Investitionen", fordert EAC-Präsident Holger Küster.
Pressekontakt:
European Automobile Clubs asbl
Martin Filzen
+49 152 346 375 61
filzen@eaclubs.org
Original-Content von: EAC European Automobile Clubs, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/160766/6376678
Der Industrie- und der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments haben dem Kompromiss von EVP, S&D und Renew Europe zur Änderung der CO2-Emissionsnormen für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zugestimmt. Die Interessengemeinschaft European Automobile Clubs (EAC) begrüßt die ersten Abstimmungen gegen das Verbrenner-Aus als wichtiges Signal für mehr Technologieoffenheit. Weiteren Handlungsbedarf sieht der EAC beim Fahrzeugbestand: Wer heute ein Auto mit Verbrennungsmotor fährt, soll mit erneuerbaren Kraftstoffen einfacher und günstiger zum Klimaschutz beitragen können.
Der Kompromiss sieht vor, dass Hersteller die durchschnittlichen CO2-Emissionen ihrer Neuwagen ab 2035 um 87,5 statt um 100 Prozent senken müssen. Voraussetzung ist, dass sie weitere 7,5 Prozentpunkte über klimafreundlich erzeugten Stahl aus Europa ausgleichen, sodass insgesamt eine Minderung um 95 Prozent erreicht wird. Damit könnten Autos mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybride auch nach 2035 neu zugelassen werden.
"Ob Elektroauto, Plug-in-Hybrid oder Verbrenner: Die Menschen sollen selbst entscheiden können, welcher Antrieb zu ihrem Alltag und ihrem Budget passt. Die Abstimmungen im Europäischen Parlament sind dafür ein wichtiger erster Schritt", erklärt EAC-Präsident Holger Küster.
Neu ist eine eigene Fahrzeugkategorie: Autos, die über ihre gesamte Lebensdauer ausschließlich mit zugelassenen erneuerbaren Kraftstoffen fahren, sollen ab 2030 bei der Berechnung der CO2-Flottengrenzwerte als emissionsfrei gelten. Ob das eingehalten wird, soll bei jedem Tankvorgang digital überprüft werden. Ab 2033 werden die zulässigen Kraftstoffe auf E-Fuels sowie bestimmte Biokraftstoffe und Biogas begrenzt. Diese Vorgaben gelten auch für Fahrzeuge, die bereits zuvor gekauft wurden.
Um neue Unsicherheit bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu verhindern, fordert der EAC die EU-Kommission auf, die noch offenen Einzelheiten verbindlich und verständlich zu regeln, bevor die ersten Fahrzeuge verkauft werden. Zugleich müssen zugelassene erneuerbare Kraftstoffe in ausreichender Menge, zu bezahlbaren Preisen und europaweit an Tankstellen verfügbar sein. Die Kontrolle über die bei jedem Tankvorgang erfassten Daten muss bei den Fahrzeughaltern liegen.
Mehr Klarheit schafft der Kompromiss beim Kauf gebrauchter Elektroautos und Plug-in-Hybride. Händler sollen künftig den aktuellen Zustand der Batterie gut sichtbar neben dem Fahrzeuglabel angeben. Der EAC begrüßt das, denn Reichweite und Restwert hängen stark vom Batteriezustand ab. Damit Käuferinnen und Käufer Angebote verlässlich vergleichen können, braucht es einheitliche europäische Standards zur Bestimmung und zum Nachweis des Batteriezustands.
Für den Fahrzeugbestand bietet der Kompromiss beim Klimaschutz keine Antwort. Im Jahr 2024 waren rund 256 Millionen Pkw mit einem Durchschnittsalter von 12,7 Jahren unterwegs, fast 98 Prozent davon mit Verbrennungsmotor. Selbst wenn ab sofort nur noch Elektroautos verkauft würden, bräuchte es mehr als zwei Jahrzehnte, um den Bestand vollständig zu ersetzen. Damit bereits zugelassene Autos mit Verbrennungsmotor künftig klimafreundlicher fahren, braucht es deshalb erneuerbare Kraftstoffe. Für den Fahrzeugbestand setzt der EAC daher heute vor allem auf nachhaltige Biokraftstoffe, wie E10 und HV100. Langfristig können auch E-Fuels eine Rolle spielen, wenn sie in ausreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen verfügbar sind. Zugleich müssen die Mitgliedstaaten die verbindlichen EU-Vorgaben für mehr erneuerbare Energie im Verkehr unverzüglich und vollständig umsetzen. So können auch Menschen zum Klimaschutz beitragen, die ihr heutiges Auto weiterfahren.
Deutschland und Frankreich schlagen für 2035 ebenfalls mehr Flexibilität vor: Die CO2-Emissionen neuer Pkw sollen um 90 Prozent sinken, ohne dass die verbleibenden zehn Prozent zusätzlich ausgeglichen werden müssen. Damit treffen in den Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten unterschiedliche Modelle aufeinander. Aus Sicht des EAC muss die EU die Debatte nun zügig zu einem verlässlichen Ergebnis führen.
"Die wechselnde politische und öffentliche Debatte verunsichert viele Verbraucherinnen und Verbraucher. Für ihre Kaufentscheidungen brauchen sie ebenso verlässliche, langfristige Rahmenbedingungen wie Automobilhersteller und Zulieferer für ihre Investitionen", fordert EAC-Präsident Holger Küster.
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