Osnabrück (ots) -
Vor der Neuwahl der SPD-Spitze im Januar hat Juso-Chef Philipp Türmer eine erneute Kandidatur von Lars Klingbeil für den Parteivorsitz abgelehnt und einen neuen Kurs seiner Partei gefordert. "Wenn Lars Klingbeil Finanzminister und Vizekanzler bleiben will, sollte er nicht wieder als Vorsitzender kandidieren", sagte Türmer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz). "In den vergangenen knapp zehn Jahren, in denen er als Generalsekretär und Vorsitzender Verantwortung für die SPD getragen hat, habe ich keine klare Strategie erkannt, wie es mit der Partei wieder aufwärts gehen soll."
In der Doppelrolle als Minister und Parteivorsitzender sei das kaum möglich, sagte Türmer. "Aus meiner Sicht spricht alles dafür, hier eine Veränderung zu schaffen."
Als mögliche Alternative nannte der Juso-Chef den früheren Arbeitsminister Hubertus Heil. "Er steht für Arbeit und Soziales. Es spricht viel dafür, die SPD gerade bei diesen Themen deutlicher zu profilieren", so Türmer zu noz.
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hält Türmer für eine mögliche Kandidatin: "Manuela Schwesig hat einen hervorragenden Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern geführt, von dem wir alle lernen können. Sie steht glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit und Wachstum und kommt letztlich für alles infrage. Ob sie kandidieren möchte, muss sie für sich entscheiden."
Ob er eine oder beide Kandidaturen unterstützen werde, ließ Türmer offen: "Ich lege mich nicht auf Personen fest, bevor die inhaltlichen und strategischen Fragen geklärt sind."
Eine mögliche Rückkehr Sigmar Gabriels an die SPD-Spitze lehnt Türmer dagegen ab. "Meiner Erkenntnis nach hat er so viele Aufsichtsratsposten und andere hochlukrative Jobs, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass er noch Zeit für die SPD findet", so Türmer zu noz. Und weiter: "Außerdem halte ich ihn nicht für die Zukunft der Sozialdemokratie."
Für eine Neuordnung der SPD forderte Türmer neben personellen Wechseln auch inhaltliche Veränderungen. "Wir haben Wähler in alle Richtungen verloren, weil wir zu einer Partei des Status quo geworden sind. Wir müssen wieder glaubwürdig für mehr Gerechtigkeit stehen." Der Kampf gegen Ungleichheit müsse in den Mittelpunkt gerückt werden. "Wir müssen dafür einstehen, Vermögen gerechter zu verteilen, und dafür sorgen, dass sich Arbeit mehr lohnt als leistungsfreies Erben."
+++
mage
Die von Philipp Türmer autorisierten Zitate:
Im Januar wird die gesamte SPD-Spitze neu gewählt. Sie haben das als "große Chance" bezeichnet. Lars Klingbeil sollte Platz machen?
Ja. Wenn Lars Klingbeil Finanzminister und Vizekanzler bleiben will, sollte er nicht wieder als Vorsitzender kandidieren. In den vergangenen knapp zehn Jahren, in denen er als Generalsekretär und Vorsitzender Verantwortung für die SPD getragen hat, habe ich keine klare Strategie erkannt, wie es mit der Partei wieder aufwärts gehen soll. In der Doppelrolle als Minister und Parteivorsitzender ist das auch kaum möglich. Aus meiner Sicht spricht alles dafür, hier eine Veränderung zu schaffen.
Hubertus Heil als möglichen Nachfolger haben Sie ein "spannendes Angebot" genannt. Er war lange Arbeitsminister und im Parteivorstand. Klingt das nach Neuanfang?
Hubertus Heil steht für Arbeit und Soziales. Es spricht viel dafür, die SPD gerade bei diesen Themen deutlicher zu profilieren. Ich lege mich aber nicht auf Personen fest, bevor die inhaltlichen und strategischen Fragen geklärt sind.
Und Sigmar Gabriel? Auch sein Name geistert durch die Hauptstadt.
Sigmar Gabriel? Meiner Erkenntnis nach hat er so viele Aufsichtsratsposten und andere hochlukrative Jobs, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass er noch Zeit für die SPD findet. Außerdem halte ich ihn nicht für die Zukunft der Sozialdemokratie.
Also Hubertus Heil und Manuela Schwesig als nächstes Spitzenduo?
Manuela Schwesig hat einen hervorragenden Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern geführt, von dem wir alle lernen können. Sie steht glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit und Wachstum und kommt letztlich für alles infrage. Ob sie kandidieren möchte, muss sie für sich entscheiden.
Neu ordnen kann man eine Partei nicht nur beim Personal, sondern auch im Programm. Wie muss sich die SPD inhaltlich verändern, um nicht weiter zu schrumpfen?
Wir haben Wähler in alle Richtungen verloren, weil wir zu einer Partei des Status quo geworden sind. Wir müssen wieder glaubwürdig für mehr Gerechtigkeit stehen. Der Kampf gegen Ungleichheit muss dabei im Mittelpunkt stehen. Wir müssen dafür einstehen, Vermögen gerechter zu verteilen, und dafür sorgen, dass sich Arbeit mehr lohnt als leistungsfreies Erben.
Also weiter nach links?
Wenn links bedeutet, für Teilhabe aller Menschen zu kämpfen und Freiheit nicht nur für diejenigen verwirklichen zu wollen, die Millionen erben: Ja.
Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: +49(0)541/310 207
Original-Content von: Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/58964/6377002
Vor der Neuwahl der SPD-Spitze im Januar hat Juso-Chef Philipp Türmer eine erneute Kandidatur von Lars Klingbeil für den Parteivorsitz abgelehnt und einen neuen Kurs seiner Partei gefordert. "Wenn Lars Klingbeil Finanzminister und Vizekanzler bleiben will, sollte er nicht wieder als Vorsitzender kandidieren", sagte Türmer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz). "In den vergangenen knapp zehn Jahren, in denen er als Generalsekretär und Vorsitzender Verantwortung für die SPD getragen hat, habe ich keine klare Strategie erkannt, wie es mit der Partei wieder aufwärts gehen soll."
In der Doppelrolle als Minister und Parteivorsitzender sei das kaum möglich, sagte Türmer. "Aus meiner Sicht spricht alles dafür, hier eine Veränderung zu schaffen."
Als mögliche Alternative nannte der Juso-Chef den früheren Arbeitsminister Hubertus Heil. "Er steht für Arbeit und Soziales. Es spricht viel dafür, die SPD gerade bei diesen Themen deutlicher zu profilieren", so Türmer zu noz.
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hält Türmer für eine mögliche Kandidatin: "Manuela Schwesig hat einen hervorragenden Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern geführt, von dem wir alle lernen können. Sie steht glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit und Wachstum und kommt letztlich für alles infrage. Ob sie kandidieren möchte, muss sie für sich entscheiden."
Ob er eine oder beide Kandidaturen unterstützen werde, ließ Türmer offen: "Ich lege mich nicht auf Personen fest, bevor die inhaltlichen und strategischen Fragen geklärt sind."
Eine mögliche Rückkehr Sigmar Gabriels an die SPD-Spitze lehnt Türmer dagegen ab. "Meiner Erkenntnis nach hat er so viele Aufsichtsratsposten und andere hochlukrative Jobs, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass er noch Zeit für die SPD findet", so Türmer zu noz. Und weiter: "Außerdem halte ich ihn nicht für die Zukunft der Sozialdemokratie."
Für eine Neuordnung der SPD forderte Türmer neben personellen Wechseln auch inhaltliche Veränderungen. "Wir haben Wähler in alle Richtungen verloren, weil wir zu einer Partei des Status quo geworden sind. Wir müssen wieder glaubwürdig für mehr Gerechtigkeit stehen." Der Kampf gegen Ungleichheit müsse in den Mittelpunkt gerückt werden. "Wir müssen dafür einstehen, Vermögen gerechter zu verteilen, und dafür sorgen, dass sich Arbeit mehr lohnt als leistungsfreies Erben."
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mage
Die von Philipp Türmer autorisierten Zitate:
Im Januar wird die gesamte SPD-Spitze neu gewählt. Sie haben das als "große Chance" bezeichnet. Lars Klingbeil sollte Platz machen?
Ja. Wenn Lars Klingbeil Finanzminister und Vizekanzler bleiben will, sollte er nicht wieder als Vorsitzender kandidieren. In den vergangenen knapp zehn Jahren, in denen er als Generalsekretär und Vorsitzender Verantwortung für die SPD getragen hat, habe ich keine klare Strategie erkannt, wie es mit der Partei wieder aufwärts gehen soll. In der Doppelrolle als Minister und Parteivorsitzender ist das auch kaum möglich. Aus meiner Sicht spricht alles dafür, hier eine Veränderung zu schaffen.
Hubertus Heil als möglichen Nachfolger haben Sie ein "spannendes Angebot" genannt. Er war lange Arbeitsminister und im Parteivorstand. Klingt das nach Neuanfang?
Hubertus Heil steht für Arbeit und Soziales. Es spricht viel dafür, die SPD gerade bei diesen Themen deutlicher zu profilieren. Ich lege mich aber nicht auf Personen fest, bevor die inhaltlichen und strategischen Fragen geklärt sind.
Und Sigmar Gabriel? Auch sein Name geistert durch die Hauptstadt.
Sigmar Gabriel? Meiner Erkenntnis nach hat er so viele Aufsichtsratsposten und andere hochlukrative Jobs, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass er noch Zeit für die SPD findet. Außerdem halte ich ihn nicht für die Zukunft der Sozialdemokratie.
Also Hubertus Heil und Manuela Schwesig als nächstes Spitzenduo?
Manuela Schwesig hat einen hervorragenden Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern geführt, von dem wir alle lernen können. Sie steht glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit und Wachstum und kommt letztlich für alles infrage. Ob sie kandidieren möchte, muss sie für sich entscheiden.
Neu ordnen kann man eine Partei nicht nur beim Personal, sondern auch im Programm. Wie muss sich die SPD inhaltlich verändern, um nicht weiter zu schrumpfen?
Wir haben Wähler in alle Richtungen verloren, weil wir zu einer Partei des Status quo geworden sind. Wir müssen wieder glaubwürdig für mehr Gerechtigkeit stehen. Der Kampf gegen Ungleichheit muss dabei im Mittelpunkt stehen. Wir müssen dafür einstehen, Vermögen gerechter zu verteilen, und dafür sorgen, dass sich Arbeit mehr lohnt als leistungsfreies Erben.
Also weiter nach links?
Wenn links bedeutet, für Teilhabe aller Menschen zu kämpfen und Freiheit nicht nur für diejenigen verwirklichen zu wollen, die Millionen erben: Ja.
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