Berlin (ots) -
Bei der Implantation von künstlichen Schultergelenken wegen Gelenkverschleiß gibt es große Qualitätsunterschiede zwischen den Kliniken, die an der Versorgung beteiligt sind. Das zeigen Ergebnisse aus der Auswertung von knapp 13.000 Operationen bei AOK-Versicherten, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Rahmen des Verfahrens zur "Qualitätssicherung mit Routinedaten" (QSR) analysiert hat. Demnach lag die risikoadjustierte Komplikationsrate im Fünftel der am besten abschneidenden Kliniken bei 3,6 Prozent, während sie im Fünftel der am schlechtesten bewerteten Kliniken mit 14,5 Prozent vier Mal so hoch war. Seit heute sind die erstmals veröffentlichten Ergebnisse für die einzelnen Krankenhäuser im Gesundheitsnavigator der AOK abrufbar.
Die durchschnittliche Gesamt-Komplikationsrate über alle Kliniken lag bei 8,6 Prozent. Ausgewertet wurden dafür ungeplante Folge-Operationen innerhalb eines Jahres, die bei 4,5 Prozent der operierten Patientinnen und Patienten vorkamen. Sie werden beispielsweise erforderlich, wenn sich nach dem Eingriff das Operationsgebiet entzündet oder die Prothese lockert. Chirurgische Komplikationen wie Infektionen der Prothese, Verletzungen von Blutgefäßen, Knochenbrüche oder das Ausrenken des künstlichen Gelenks kamen bei 7,1 Prozent der ausgewerteten Fälle vor. In die Auswertung konnten insgesamt 12.844 Fälle von AOK-Versicherten einbezogen werden, die in den Jahren 2020 bis 2024 an insgesamt 178 Klinikstandorten operiert worden sind.
Reimann: Wichtige Orientierungshilfe bei der Klinikwahl
"Mit den Bewertungen zu den Schulteroperationen vervollständigen wir unser Informationsangebot zu Qualitätsunterschieden bei endoprothetischen Eingriffen", sagt die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann. "Diese Auswertungen auf Basis von Routinedaten sind nach wie vor einzigartig in Deutschland und können den Patientinnen und Patienten, aber auch einweisenden Ärztinnen und Ärzten eine wichtige Orientierungshilfe bei der Auswahl der besten Klinik bieten." Nach Eingabe der Indikation und der eigenen Postleitzahl im Gesundheitsnavigator der AOK werden den Nutzerinnen und Nutzern die Ergebnisse der einzelnen Kliniken in der Umgebung angezeigt - von einem "AOK-Lebensbaum" für unterdurchschnittliche Behandlungsqualität bis zu drei Bäumen für überdurchschnittliche Qualität.
Heller: Erfahrung und Fallzahl wichtig für gute Ergebnisse
Für gute Ergebnisse bei Schulter-OPs und bei anderen endoprothetischen Eingriffen seien "Erfahrung und Fallzahl von wesentlicher Bedeutung", betont Prof. Karl-Dieter Heller, Chefarzt der Orthopädischen Klinik des Stiftung Herzogin Elisabeth Hospitals in Braunschweig und Mitglied in den QSR-Expertenpanels Endoprothetik und Schulterchirurgie. "Die internationale Literatur, darunter auch Auswertungen auf Grundlage der QSR-Daten, zeigt, dass höhere Fallzahlen und größere Erfahrung mit besseren Ergebnissen und einer geringeren Komplikationsrate verbunden sind", so Heller. Neben der richtigen Indikationsstellung sei es deshalb ratsam, einen erfahrenen Operateur in einer Klinik aufzusuchen, in der der betreffende Eingriff regelmäßig - möglichst mehrfach pro Woche - durchgeführt werde.
Bei 10 Prozent der Fälle wären Komplikationen vermeidbar gewesen
Eine zusätzliche Modellrechnung des WIdO zu den Schulter-OPs zeigt: Wenn alle rund 3.200 Fälle, die in den unterdurchschnittlich bewerteten Krankenhäusern operiert wurden, in überdurchschnittlich abschneidenden Kliniken behandelt worden wären, hätten rund 320 Komplikationsfälle vermieden werden können. "Dieses Potenzial von vermeidbaren Komplikationen bei zehn Prozent der Fälle ist durchaus beeindruckend - vor allem, wenn man sich überlegt, wie viel vermeidbares Leid und unnötige Folgekosten für Nachbehandlungen dahinterstehen", betont AOK-Vorständin Carola Reimann.
Die Abnutzung des Schultergelenks führt bei vielen Menschen mit zunehmendem Alter zu schmerzhaften Beschwerden, die oft nur durch die Implantation eines künstlichen Schultergelenks verringert werden können. Bei diesem Eingriff wird das verschlissene Gelenk durch ein künstliches Gelenk ersetzt. Diese Operation wurde in Deutschland im vergangenen Jahr etwa 37.000 Mal durchgeführt - und kommt damit deutlich seltener vor als beispielsweise die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes (2025 rund 290.000 Mal durchgeführt). In den letzten Jahren sind aber deutlich wachsende Fallzahlen festzustellen.
Qualitätsinformationen inzwischen zu 14 Behandlungen
Die erstmals veröffentlichten Ergebnisse zu den Schulter-Implantationen ergänzen das bisherige Angebot von Qualitätsinformationen der AOK zu weiteren 13 Behandlungen. Dies sind Operationen bei gutartiger Prostatavergrößerung sowie zur vollständigen Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs, Hüftgelenks-Implantationen aufgrund von Arthrose, Operationen nach einem hüftgelenksnahen Oberschenkelbruch, Hüftprothesenwechsel, Implantationen eines künstlichen Kniegelenkes, Knieprothesenwechsel, Gallenblasenentfernungen bei Gallensteinen, Blinddarmentfernungen, Mandeloperationen, Leistenbruch-OPs, therapeutische Herzkatheter (PCI) bei Patienten ohne Herzinfarkt sowie kathetergestützte Aortenklappen-Implantationen (TAVI). Das Verfahren zur "Qualitätssicherung mit Routinedaten" wird in Expertenpanels mit klinisch tätigen Fachärztinnen und Fachärzten ständig weiterentwickelt. Für einen fairen Klinikvergleich werden im Rahmen einer Risikoadjustierung auch unterschiedliche Patienteneigenschaften wie Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen berücksichtigt. Die Ergebnisse der einzelnen Krankenhäuser werden im AOK-Gesundheitsnavigator angezeigt, wenn Nutzerinnen und Nutzer dort nach Informationen zu einer dieser Behandlungen suchen.
Informationen zum QSR-Verfahren: www.qualitaetssicherung-mit-routinedaten.de
Hinweis für die Redaktionen:
Auf https://www.aok.de/pp/bv finden Sie eine Liste der zehn Kliniken, die bei der Implantation von künstlichen Schultergelenken überdurchschnittlich (also mit drei "AOK-Lebensbäumen") bewertet worden sind und bundesweit die höchsten Fallzahlen vorweisen können. Die Ergebnisse aller 178 bewerteten Klinikstandorte sind im Gesundheitsnavigator der AOK zu finden: www.aok.de/gesundheitsnavigator
Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle:
Dr. Kai Behrens
Telefon: 030 / 34646-2309
Mobil: 01520 / 1563042
E-Mail: presse@bv.aok.de
Original-Content von: AOK-Bundesverband, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/8697/6377629
Bei der Implantation von künstlichen Schultergelenken wegen Gelenkverschleiß gibt es große Qualitätsunterschiede zwischen den Kliniken, die an der Versorgung beteiligt sind. Das zeigen Ergebnisse aus der Auswertung von knapp 13.000 Operationen bei AOK-Versicherten, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Rahmen des Verfahrens zur "Qualitätssicherung mit Routinedaten" (QSR) analysiert hat. Demnach lag die risikoadjustierte Komplikationsrate im Fünftel der am besten abschneidenden Kliniken bei 3,6 Prozent, während sie im Fünftel der am schlechtesten bewerteten Kliniken mit 14,5 Prozent vier Mal so hoch war. Seit heute sind die erstmals veröffentlichten Ergebnisse für die einzelnen Krankenhäuser im Gesundheitsnavigator der AOK abrufbar.
Die durchschnittliche Gesamt-Komplikationsrate über alle Kliniken lag bei 8,6 Prozent. Ausgewertet wurden dafür ungeplante Folge-Operationen innerhalb eines Jahres, die bei 4,5 Prozent der operierten Patientinnen und Patienten vorkamen. Sie werden beispielsweise erforderlich, wenn sich nach dem Eingriff das Operationsgebiet entzündet oder die Prothese lockert. Chirurgische Komplikationen wie Infektionen der Prothese, Verletzungen von Blutgefäßen, Knochenbrüche oder das Ausrenken des künstlichen Gelenks kamen bei 7,1 Prozent der ausgewerteten Fälle vor. In die Auswertung konnten insgesamt 12.844 Fälle von AOK-Versicherten einbezogen werden, die in den Jahren 2020 bis 2024 an insgesamt 178 Klinikstandorten operiert worden sind.
Reimann: Wichtige Orientierungshilfe bei der Klinikwahl
"Mit den Bewertungen zu den Schulteroperationen vervollständigen wir unser Informationsangebot zu Qualitätsunterschieden bei endoprothetischen Eingriffen", sagt die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann. "Diese Auswertungen auf Basis von Routinedaten sind nach wie vor einzigartig in Deutschland und können den Patientinnen und Patienten, aber auch einweisenden Ärztinnen und Ärzten eine wichtige Orientierungshilfe bei der Auswahl der besten Klinik bieten." Nach Eingabe der Indikation und der eigenen Postleitzahl im Gesundheitsnavigator der AOK werden den Nutzerinnen und Nutzern die Ergebnisse der einzelnen Kliniken in der Umgebung angezeigt - von einem "AOK-Lebensbaum" für unterdurchschnittliche Behandlungsqualität bis zu drei Bäumen für überdurchschnittliche Qualität.
Heller: Erfahrung und Fallzahl wichtig für gute Ergebnisse
Für gute Ergebnisse bei Schulter-OPs und bei anderen endoprothetischen Eingriffen seien "Erfahrung und Fallzahl von wesentlicher Bedeutung", betont Prof. Karl-Dieter Heller, Chefarzt der Orthopädischen Klinik des Stiftung Herzogin Elisabeth Hospitals in Braunschweig und Mitglied in den QSR-Expertenpanels Endoprothetik und Schulterchirurgie. "Die internationale Literatur, darunter auch Auswertungen auf Grundlage der QSR-Daten, zeigt, dass höhere Fallzahlen und größere Erfahrung mit besseren Ergebnissen und einer geringeren Komplikationsrate verbunden sind", so Heller. Neben der richtigen Indikationsstellung sei es deshalb ratsam, einen erfahrenen Operateur in einer Klinik aufzusuchen, in der der betreffende Eingriff regelmäßig - möglichst mehrfach pro Woche - durchgeführt werde.
Bei 10 Prozent der Fälle wären Komplikationen vermeidbar gewesen
Eine zusätzliche Modellrechnung des WIdO zu den Schulter-OPs zeigt: Wenn alle rund 3.200 Fälle, die in den unterdurchschnittlich bewerteten Krankenhäusern operiert wurden, in überdurchschnittlich abschneidenden Kliniken behandelt worden wären, hätten rund 320 Komplikationsfälle vermieden werden können. "Dieses Potenzial von vermeidbaren Komplikationen bei zehn Prozent der Fälle ist durchaus beeindruckend - vor allem, wenn man sich überlegt, wie viel vermeidbares Leid und unnötige Folgekosten für Nachbehandlungen dahinterstehen", betont AOK-Vorständin Carola Reimann.
Die Abnutzung des Schultergelenks führt bei vielen Menschen mit zunehmendem Alter zu schmerzhaften Beschwerden, die oft nur durch die Implantation eines künstlichen Schultergelenks verringert werden können. Bei diesem Eingriff wird das verschlissene Gelenk durch ein künstliches Gelenk ersetzt. Diese Operation wurde in Deutschland im vergangenen Jahr etwa 37.000 Mal durchgeführt - und kommt damit deutlich seltener vor als beispielsweise die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes (2025 rund 290.000 Mal durchgeführt). In den letzten Jahren sind aber deutlich wachsende Fallzahlen festzustellen.
Qualitätsinformationen inzwischen zu 14 Behandlungen
Die erstmals veröffentlichten Ergebnisse zu den Schulter-Implantationen ergänzen das bisherige Angebot von Qualitätsinformationen der AOK zu weiteren 13 Behandlungen. Dies sind Operationen bei gutartiger Prostatavergrößerung sowie zur vollständigen Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs, Hüftgelenks-Implantationen aufgrund von Arthrose, Operationen nach einem hüftgelenksnahen Oberschenkelbruch, Hüftprothesenwechsel, Implantationen eines künstlichen Kniegelenkes, Knieprothesenwechsel, Gallenblasenentfernungen bei Gallensteinen, Blinddarmentfernungen, Mandeloperationen, Leistenbruch-OPs, therapeutische Herzkatheter (PCI) bei Patienten ohne Herzinfarkt sowie kathetergestützte Aortenklappen-Implantationen (TAVI). Das Verfahren zur "Qualitätssicherung mit Routinedaten" wird in Expertenpanels mit klinisch tätigen Fachärztinnen und Fachärzten ständig weiterentwickelt. Für einen fairen Klinikvergleich werden im Rahmen einer Risikoadjustierung auch unterschiedliche Patienteneigenschaften wie Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen berücksichtigt. Die Ergebnisse der einzelnen Krankenhäuser werden im AOK-Gesundheitsnavigator angezeigt, wenn Nutzerinnen und Nutzer dort nach Informationen zu einer dieser Behandlungen suchen.
Informationen zum QSR-Verfahren: www.qualitaetssicherung-mit-routinedaten.de
Hinweis für die Redaktionen:
Auf https://www.aok.de/pp/bv finden Sie eine Liste der zehn Kliniken, die bei der Implantation von künstlichen Schultergelenken überdurchschnittlich (also mit drei "AOK-Lebensbäumen") bewertet worden sind und bundesweit die höchsten Fallzahlen vorweisen können. Die Ergebnisse aller 178 bewerteten Klinikstandorte sind im Gesundheitsnavigator der AOK zu finden: www.aok.de/gesundheitsnavigator
Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle:
Dr. Kai Behrens
Telefon: 030 / 34646-2309
Mobil: 01520 / 1563042
E-Mail: presse@bv.aok.de
Original-Content von: AOK-Bundesverband, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/8697/6377629
© 2026 news aktuell
