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Seyit Binbir
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SAPs Weg zum Autonomous Enterprise: Was das für Bestandskunden bedeutet

Neue KI-Funktionen stellen SAP-Kunden vor technische und organisatorische Aufgaben. Entscheidend sind dabei vor allem Datenqualität, standardisierte Prozesse und eine zukunftsfähige Cloud-Architektur.

Mit der auf der SAP Sapphire 2026 vorgestellten Autonomous Enterprise-Strategie hat der Konzern seinen Kurs für die kommenden Jahre skizziert. Geschäftsprozesse sollen künftig zunehmend eigenständig von KI-Agenten ausgeführt oder zumindest unterstützt werden, angefangen bei der Finanzbuchhaltung über den Einkauf bis hin zur Lieferkette. Für Unternehmen, die bereits SAP-Kunden sind oder gerade mitten in einer S/4HANA-Transformation stecken, stellt sich damit eine konkrete Frage: Bedeutet das eine Änderung der bisherigen Pläne, oder lässt sich der neue Ansatz in laufende Projekte integrieren?

Die innovative Strategie im Überblick

Kern der Ankündigung ist eine neuartige, einheitliche SAP Business AI Plattform, die bestehende Bausteine wie die Business Technology Platform, die Business Data Cloud und KI-Grundlagen von SAP zusammenführt. Ergänzt wird sie durch aktuell mehr als 200 spezialisierte KI-Agenten und über 50 sogenannte Joule Assistants, eingebettet in Kernbereiche wie Finanzwesen, Beschaffung, Personalwesen und Kundenservice. Anders als frühere Ausbaustufen geht es nun um Systeme, die mehrere Prozessschritte eigenständig koordinieren und umsetzen, während Menschen an entscheidenden Punkten weiterhin die Kontrolle behalten.

Wie sich die neue Strategie in die bisherige Cloud- und KI-Ausrichtung von SAP einfügt, zeigt ein Blick auf die vergangenen Jahre. Bereits mit der Umstellung auf Suite-as-a-Service-Modelle und dem Ausbau des KI-Assistenten Joule hatte SAP den Weg in Richtung stärker automatisierter Prozesse eingeschlagen. Mit der Autonomous Enterprise-Strategie setzt sich diese Entwicklung fort und bündelt sie unter einem gemeinsamen Rahmen. Dass SAP diesen Schritt jetzt verstärkt vorantreibt, hat vor allem mit dem Wettbewerbsdruck im ERP- und KI-Umfeld zu tun, in dem mehrere große Anbieter parallel an vergleichbaren Lösungen arbeiten.

Das ändert sich konkret für Bestandskunden

Bei Unternehmen mit laufenden oder geplanten SAP-Projekten hat die neue Strategie durchaus praktische Konsequenzen. KI wird im Rahmen der Roadmap fester Bestandteil anstatt der bisher üblichen nachträglichen Erweiterung. Voraussetzung bildet eine saubere Stammdatenbasis, denn autonome Prozesse setzen konsistente, korrekte Daten voraus. Ebenfalls rückt die Systemarchitektur in den Fokus: Viele der neuen Funktionen sind auf eine Cloud-Umgebung ausgelegt, was für Betriebe mit älteren, stark angepassten Systemen zusätzlichen Planungsaufwand bedeuten kann.

In der Praxis zeigen sich die ersten Effekte bei laufenden S/4HANA-Transformationen. Hier kommt es darauf an, bestehende Projektpläne um zusätzliche Prüfschritte zu ergänzen, etwa zur Datenqualität oder zur Cloud-Kompatibilität einzelner Module, ohne den ursprünglichen Zeitplan komplett neu aufzusetzen. Andreas Krieg, Gründer von SaphirACon und mit über 20 Jahren SAP-Erfahrung, ordnet dies so ein: "Die neuen KI-Funktionen bauen auf dem auf, was ohnehin schon Teil der Roadmap sein sollte. Genauer gesagt, einer sauberen Datenbasis, standardisierten und harmonisierten Prozessen und einer Cloud-Architektur. Konnte das bereits bedacht werden, ist eine Neustrukturierung der Planung überflüssig. Es entsteht eher eine Erweiterung."

Zwischen Chance und Verwirklichungshürde

Technische Verfügbarkeit steht dabei organisatorischer Bereitschaft gegenüber. An dieser Stelle zeigt sich in vielen Firmen eine Lücke. Pilotprojekte mit KI-Agenten laufen häufig erfolgreich. Sobald die Prozesse jedoch unternehmensweit ausgerollt werden, treten Komplikationen auf.

Diese Beobachtung deckt sich mit der Erfahrung von Andreas Krieg: "Zahlreiche Betriebe arbeiten in der Pilotphase nur mit einem überschaubaren Team mit klarem Fokus. Sobald das System auf die gesamte Struktur übergreift, müssen aber alle Beteiligten verstehen, wie und warum sie damit arbeiten."

Change Management und die frühzeitige Einbindung der Belegschaft gelten in diesem Zusammenhang als unterschätzte Erfolgsfaktoren. Sofern Mitarbeitende schon frühzeitig nachvollziehen können, welchen Nutzen neue Prozesse bringen, fällt die Umsetzung in der Breite deutlich leichter als bei rein technisch getriebenen Projekten.

Handlungsoptionen für Unternehmen

Aus diesen Beobachtungen lassen sich konkrete Ansatzpunkte für Unternehmen ableiten, die eine SAP-Transformation planen oder bereits durchführen:

1. Bestehende Roadmaps systematisch auf ihre KI-Kompatibilität prüfen: KI darf kein Zusatzprojekt sein.

2. Datenqualität als strategisches Thema verankern: Falls nur als IT-Aufgabe delegiert, treten Komplikationen auf.

3. Frühzeitige Einbindung der Fachbereiche: Hieraus entstehen alltagsbeständige Prozesse, die bei den Mitarbeitenden auf Akzeptanz stoßen.

"Beginnt die Planung der SAP-Transformation gerade, muss KI eine wichtige Rolle spielen. Das erfordert am Anfang etwas mehr Sorgfalt bei der Planung, zahlt sich aber aus, sobald die ersten Prozesse tatsächlich eigenständig laufen sollen", fasst Experte Krieg zusammen.

Basierend auf stabiler Planung bietet die aktuelle strategische Neuausrichtung von SAP große Chancen, anstatt unüberwindbarer Hürden.

Die frische Ausgangslage für das Autonomous Enterprise

Der Ausgangspunkt für Bestandskunden hat eine Modifikation erfahren. Dennoch ändert sich dadurch nichts an den Grundprinzipien einer erfolgreichen Transformation. Sorgfältige Planung, verlässliche Daten sowie eine Organisation, die den Wandel mitträgt, bleiben ausschlaggebend, unabhängig davon, wie weit die Automatisierung einzelner Prozesse künftig reicht.

Für Marktbeobachter ist die Entwicklung insbesondere deshalb interessant, weil sie zeigt, wie SAP sich im Wettbewerb um Unternehmenssoftware und KI-Plattformen positionieren will. In den kommenden Monaten werden erste Trends erkennbar, wie viele der angekündigten Funktionen tatsächlich breiten Einsatz finden. Bestandskunden sind angehalten, diese Entwicklung in ihre laufenden Planungen einzubeziehen, ohne überstürzt zu handeln.

Enthaltene Werte: DE0009653XXX

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