Köln (ots) -
- Neue Vorgaben erhöhen den finanziellen und organisatorischen Anpassungsdruck
- Frühzeitige Vorbereitung wird für Unternehmen zum entscheidenden Faktor
- Unternehmen befürchten interne Konflikte und Unruhe in der Belegschaft
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie wird für viele deutsche Unternehmen zum Kosten- und Umsetzungsrisiko: 52,5 Prozent rechnen mit steigenden Lohnkosten. Zugleich haben 41,8 Prozent noch nicht mit den Vorbereitungen begonnen. 70,2 Prozent befürchten zudem interne Konflikte und Unruhe in der Belegschaft. Das zeigt eine Umfrage des internationalen Kreditversicherers Atradius unter rund 300 Unternehmen in Deutschland. "Die Uhr tickt, doch viele der befragten Unternehmen haben das Thema noch nicht auf dem Schirm. Die Berichtspflichten werden kommen. Wer jetzt nicht handelt, gerät später unter erheblichen Zeitdruck", sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius.
Die Richtlinie soll den Grundsatz des gleichen Entgelts für gleiche oder gleichwertige Arbeit stärken und geschlechtsbedingte Entgeltunterschiede verringern. Sie sieht mehr Transparenz im Bewerbungsverfahren und erweiterte Informationsrechte für Beschäftigte vor. Zudem dürfen Beschäftigte nicht daran gehindert werden, ihr Entgelt offenzulegen, um den Gleichentgeltgrundsatz durchzusetzen. Deutschland hätte die EU-Vorgaben bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen müssen, ließ die Frist jedoch verstreichen. Mit der nationalen Umsetzung und ersten verpflichtenden Berichten wird ab 2027 gerechnet.
Viele Unternehmen kennen die Vorgaben kaum
Der Handlungsbedarf ist groß: 26,4 Prozent der befragten Unternehmen kennen die Richtlinie nicht, weitere 31,8 Prozent nur dem Namen nach. Lediglich 38,6 Prozent verfügen über grundlegende Kenntnisse. Gleichzeitig geben 69,7 Prozent an, Gehälter bislang nicht transparent zu kommunizieren; 28,1 Prozent erteilen nur auf Anfrage Auskunft. Nur 26 Prozent nennen Bewerbenden ein Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne. 59,5 Prozent tun dies nur teilweise oder auf Nachfrage, 14,5 Prozent nie. "In vielen Unternehmen beruhen Vergütungsentscheidungen auf gewachsenen Strukturen und werden bislang nur eingeschränkt transparent gemacht. Deshalb sollten Unternehmen ihre Vergütungssysteme frühzeitig anhand objektiver, geschlechtsneutraler und nachvollziehbarer Kriterien überprüfen und dokumentieren. Wer seine Gehaltsstrukturen nicht sachlich begründen kann, wird dies spätestens feststellen, wenn Beschäftigte Auskunft verlangen oder Bewerbende Gehaltsspannen vergleichen", betont Frank Liebold. 22,3 Prozent der Unternehmen sind derzeit nicht darauf vorbereitet, künftig verpflichtend Gehaltsinformationen im Bewerbungsprozess offenzulegen.
Auch die konkrete Umsetzung steht bei vielen Firmen noch am Anfang: 41,8 Prozent haben noch gar nicht mit der Vorbereitung begonnen, 36,6 Prozent befinden sich in der Planung. 17,2 Prozent setzen bereits Maßnahmen um, nur 4,5 Prozent haben ihre Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen.
Konflikte, Bürokratie und Rechtsunsicherheit bereiten Sorgen
Am stärksten fürchten die Unternehmen interne Konflikte und Unruhe in der Belegschaft: 70,2 Prozent nennen diese Sorge. Dahinter folgen der administrative Aufwand mit 49,5 Prozent, die Rechtsunsicherheit mit 49,4 Prozent sowie mögliche Nachforderungen und Klagen von Beschäftigten. Nur jedes zehnte Unternehmen (9,8 Prozent) macht sich keine besonderen Sorgen. 54,3 Prozent erwarten durch die neuen Regeln einen höheren Verwaltungsaufwand, 52,5 Prozent steigende Lohnkosten. Frank Liebold erklärt: "Die neuen Transparenzanforderungen können sachlich nicht erklärbare Entgeltunterschiede sichtbar machen. Unternehmen sollten ihre Vergütungsstrukturen daher frühzeitig anhand objektiver und geschlechtsneutraler Kriterien prüfen. Neben zusätzlichem Verwaltungsaufwand können auch Entgeltanpassungen erforderlich werden. Gerade für mittelständische Unternehmen können zusätzliche Verwaltungs- und Anpassungskosten die Liquidität spürbar belasten."
Für die im September dieses Jahres durchgeführte Umfrage wurden rund 300 Unternehmen befragt. Sie stammen unter anderem aus den Branchen Automotive, Bauwirtschaft und Baustoffhandel, Chemie, Dienstleistungen, Elektronik, Finanzen, IT und Software, Konsumgüter, Landwirtschaft, Lebensmittel, Maschinenbau, Metall, Papier, Textil sowie Transport. Die Jahresumsätze der befragten Unternehmen reichen von unter fünf Millionen bis über eine Milliarde Euro. Die Unternehmen beschäftigen zwischen weniger als 100 und mehr als 1.500 Personen.
Pressekontakt:
Atradius Kreditversicherung
Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y
Reaseguros
Astrid Goldberg
Pressesprecherin
Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2210
E-Mail: astrid.goldberg@atradius.com
Stefanie Heilken
Pressereferentin
Telefon: +49 (0) 221 2044 -1034
E-Mail: stefanie.heilken@atradius.com
Original-Content von: Atradius Kreditversicherung, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/52329/6378564
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- Frühzeitige Vorbereitung wird für Unternehmen zum entscheidenden Faktor
- Unternehmen befürchten interne Konflikte und Unruhe in der Belegschaft
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie wird für viele deutsche Unternehmen zum Kosten- und Umsetzungsrisiko: 52,5 Prozent rechnen mit steigenden Lohnkosten. Zugleich haben 41,8 Prozent noch nicht mit den Vorbereitungen begonnen. 70,2 Prozent befürchten zudem interne Konflikte und Unruhe in der Belegschaft. Das zeigt eine Umfrage des internationalen Kreditversicherers Atradius unter rund 300 Unternehmen in Deutschland. "Die Uhr tickt, doch viele der befragten Unternehmen haben das Thema noch nicht auf dem Schirm. Die Berichtspflichten werden kommen. Wer jetzt nicht handelt, gerät später unter erheblichen Zeitdruck", sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius.
Die Richtlinie soll den Grundsatz des gleichen Entgelts für gleiche oder gleichwertige Arbeit stärken und geschlechtsbedingte Entgeltunterschiede verringern. Sie sieht mehr Transparenz im Bewerbungsverfahren und erweiterte Informationsrechte für Beschäftigte vor. Zudem dürfen Beschäftigte nicht daran gehindert werden, ihr Entgelt offenzulegen, um den Gleichentgeltgrundsatz durchzusetzen. Deutschland hätte die EU-Vorgaben bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen müssen, ließ die Frist jedoch verstreichen. Mit der nationalen Umsetzung und ersten verpflichtenden Berichten wird ab 2027 gerechnet.
Viele Unternehmen kennen die Vorgaben kaum
Der Handlungsbedarf ist groß: 26,4 Prozent der befragten Unternehmen kennen die Richtlinie nicht, weitere 31,8 Prozent nur dem Namen nach. Lediglich 38,6 Prozent verfügen über grundlegende Kenntnisse. Gleichzeitig geben 69,7 Prozent an, Gehälter bislang nicht transparent zu kommunizieren; 28,1 Prozent erteilen nur auf Anfrage Auskunft. Nur 26 Prozent nennen Bewerbenden ein Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne. 59,5 Prozent tun dies nur teilweise oder auf Nachfrage, 14,5 Prozent nie. "In vielen Unternehmen beruhen Vergütungsentscheidungen auf gewachsenen Strukturen und werden bislang nur eingeschränkt transparent gemacht. Deshalb sollten Unternehmen ihre Vergütungssysteme frühzeitig anhand objektiver, geschlechtsneutraler und nachvollziehbarer Kriterien überprüfen und dokumentieren. Wer seine Gehaltsstrukturen nicht sachlich begründen kann, wird dies spätestens feststellen, wenn Beschäftigte Auskunft verlangen oder Bewerbende Gehaltsspannen vergleichen", betont Frank Liebold. 22,3 Prozent der Unternehmen sind derzeit nicht darauf vorbereitet, künftig verpflichtend Gehaltsinformationen im Bewerbungsprozess offenzulegen.
Auch die konkrete Umsetzung steht bei vielen Firmen noch am Anfang: 41,8 Prozent haben noch gar nicht mit der Vorbereitung begonnen, 36,6 Prozent befinden sich in der Planung. 17,2 Prozent setzen bereits Maßnahmen um, nur 4,5 Prozent haben ihre Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen.
Konflikte, Bürokratie und Rechtsunsicherheit bereiten Sorgen
Am stärksten fürchten die Unternehmen interne Konflikte und Unruhe in der Belegschaft: 70,2 Prozent nennen diese Sorge. Dahinter folgen der administrative Aufwand mit 49,5 Prozent, die Rechtsunsicherheit mit 49,4 Prozent sowie mögliche Nachforderungen und Klagen von Beschäftigten. Nur jedes zehnte Unternehmen (9,8 Prozent) macht sich keine besonderen Sorgen. 54,3 Prozent erwarten durch die neuen Regeln einen höheren Verwaltungsaufwand, 52,5 Prozent steigende Lohnkosten. Frank Liebold erklärt: "Die neuen Transparenzanforderungen können sachlich nicht erklärbare Entgeltunterschiede sichtbar machen. Unternehmen sollten ihre Vergütungsstrukturen daher frühzeitig anhand objektiver und geschlechtsneutraler Kriterien prüfen. Neben zusätzlichem Verwaltungsaufwand können auch Entgeltanpassungen erforderlich werden. Gerade für mittelständische Unternehmen können zusätzliche Verwaltungs- und Anpassungskosten die Liquidität spürbar belasten."
Für die im September dieses Jahres durchgeführte Umfrage wurden rund 300 Unternehmen befragt. Sie stammen unter anderem aus den Branchen Automotive, Bauwirtschaft und Baustoffhandel, Chemie, Dienstleistungen, Elektronik, Finanzen, IT und Software, Konsumgüter, Landwirtschaft, Lebensmittel, Maschinenbau, Metall, Papier, Textil sowie Transport. Die Jahresumsätze der befragten Unternehmen reichen von unter fünf Millionen bis über eine Milliarde Euro. Die Unternehmen beschäftigen zwischen weniger als 100 und mehr als 1.500 Personen.
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