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Der Spezialglashersteller Corning gehört mit seinen optischen Übertragungslösungen zum Kreis der KI-Profiteure. Die am Dienstag vorgelegten Zahlen überzeugen!
KI-Branche: Die Panik greift um sich - und treibt Investoren aus den Aktien ...
Von KI-Werten haben Anlegerinnen und Anleger in den vergangenen Wochen lieber Abstand gehalten, denn inzwischen überwiegen Sorgen um die finanzielle Nachhaltigkeit des Booms die Wachstumsperspektiven. Gleichzeitig laufen bei einigen Werten schon seit Monaten schmerzhafte Bewertungs- und Kurskorrekturen, nachdem es zum Ende der ersten Jahreshälfte zu einer starken Übertreibung gekommen war.
Ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel dieser Belastungsfaktoren liefert der Spezialglashersteller Corning, dessen Aktie sich gegenüber dem Jahresauftakt zeitweise verdreifachen konnte - inzwischen hat das Papier gegenüber seinen Rekordnotierungen mehr als die Hälfte an Wert verloren. Doch dass das der Aktie zugrundeliegende Wachstum grundsätzlich stark ist, daran haben die am Dienstagmittag vorgelegten Quartalszahlen keinen Zweifel gelassen. Ist Corning damit einen Einstieg wert?
... doch die fundamentale und operative Grundlage bleibt stark
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse um 19,0 Prozent auf 5,08 Milliarden US-Dollar zu, womit die Analystenerwartungen um 50 Millionen US-Dollar geschlagen werden konnten. Damit verzeichnete Corning das höchste Wachstum seit 5 Jahren und bereits das achte Quartal mit einer zweistelligen Zuwachsrate in Folge. Getragen wurde das Wachstum vor allem durch die Glasfaser-Sparte, die sich um 44 Prozent auf 2,38 Milliarden US-Dollar steigern konnte - hier schlägt der Boom bei Rechenzentren voll durch. Auch bei Solarglas steigerte sich Corning mit einem Plus von 37 Prozent deutlich. Mit 436 Millionen US-Dollar liefert die Sparte aber noch einen überschaubaren Beitrag zum Gesamtumsatz. Im Automobilgeschäft sowie bei anderen Spezialgläsern, wie zum Beispiel für Smartphones und Tablets, stagnierten die Erlöse hingegen.
Operativ erfolgreich war Corning dank hoher Nachfrage und starker Preissetzungsmacht bei optischen Übertragungslösungen. Hier kletterte der Nettoertrag um 80 Prozent auf 532 Millionen US-Dollar. Insgesamt erzielte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn von 0,91 US-Dollar pro Aktie, womit die Erwartungen um 3 Cent überboten werden konnten, der auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallende Nettogewinn belief sich somit auf 795 Millionen US-Dollar (+36 Prozent), auf berichteter Basis lag er bei 680 Millionen US-Dollar und damit um 58 Prozent über dem Vorjahresergebnis.
Spezialglashersteller Corning steigert sich deutlich und erwartet noch mehr
Für das kommende Quartal stellte das Management um CEO Wendell Weeks, der sich mit dem zurückliegenden Vierteljahr sehr zufrieden zeigte, ein Umsatzergebnis in Höhe von 5,2 bis 5,3 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Die Mittelpunktschätzung konnte die Analystenerwartungen somit um 40 Millionen US-Dollar übertreffen. Auch die Gewinnschätzung fiel mit 0,96 bis 1,00 US-Dollar je Aktie über der Konsensprognose von 0,93 US-Dollar aus.
Finanzvorstand Ed Schlesinger sieht Corning auf einem guten Weg, die Ziele der langfristigen Unternehmensstrategie '20-30-40' zu erreichen. Im Mai hatte der Konzern in Aussicht gestellt, ausgehend von einem Umsatzergebnis von 20 Milliarden US-Dollar (im Geschäftsjahr 2023) bis zum Jahr 2030 jährliche Erlöse in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar zu erreichen. Das setzt eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 10,4 Prozent voraus. Corning outperformt seine eigenen Erwartungen derzeit also deutlich.

Nach crashartiger Korrektur ist jetzt eine Erholungsrallye möglich
Anlegerinnen und Anleger zeigten sich in der US-Vorbörse zunächst sehr beeindruckt, die Aktie legte um bis zu 6 Prozent auf rund 135 US-Dollar zu. Anschließend kam Corning jedoch etwas zurück, denn trotz des Crashs um mehr als die Hälfte notiert das Papier gegenüber dem Stand vor einem Jahr noch immer mit einem Plus von etwa 43 Prozent. Der Gewinnanstieg um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ist also bereits eingepreist.
Nichtsdestotrotz könnte die Aktie in den kommenden Tagen und Wochen vor einer Erholungsrallye stehen, denn im Bereich von 125 US-Dollar ist Corning auf eine wichtige Unterstützung getroffen. Außerdem liegen im Trendstärkeindikator MACD erste bullishe Divergenzen vor, während der Relative-Stärke-Index (RSI) zuletzt überverkauft war, was jetzt zu einer Gegenbewegung führen könnte.
Gelingt es der Aktie außerdem, den Widerstandsbereich zwischen 140 und 150 US-Dollar zu überwinden, dem wenig später die gleitenden Durchschnitte folgen, läge eine ganze Reihe weiterer prozyklischer Kaufsignale vor. Nachhaltig unter 125 US-Dollar sollte Corning jedoch nicht fallen, da sonst 100 US-Dollar das nächste Abwärtsziel wäre.
Fazit: Story als KI-Profiteur bestätigt, aber ein Einstieg sollte warten
Die Skepsis gegenüber KI-Werten und Aktien von Zulieferern hat zuletzt deutlich zugenommen, doch operativ läuft es für viele Unternehmen unverändert sehr gut. Dazu gehört dank seiner optischen Übertragungslösungen auch Spezialglashersteller Corning, der für das abgelaufene Quartal Zahlen deutlich über den Erwartungen vorgelegt hat und seiner eigenen Einschätzung nach auch im kommenden Vierteljahr und weit darüber hinaus stark performen wird.
Die Aktie könnte nach crashartigen Verlusten in den zurückliegenden Monaten vor einer Erholungsrallye stehen, auch weil das Papier zuletzt überverkauft war. Das mittelfristige Potenzial könnte durch die immer noch deutlich über dem historischen Durchschnitt liegende Bewertung aber begrenzt bleiben, denn für das laufende Geschäftsjahr ist Corning bereits mit einem KGVe von 38,8 bewertet und für 2027 mit einem Gewinnvielfachen von 29,1. In den vergangenen 5 Jahren war für die Aktie ein KGV von 24,5 üblich. Wer hier noch einsteigen will, sollte das für eine höhere Sicherheitsmarge daher möglichst nach kurzfristiger Schwäche tun. Solche ist zumindest am Dienstag aber nicht zu erwarten.
Gastautor: Max Gross
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