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Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Iran-Krieg macht US-Raffineriekonzerne reich - sehr reich, wie jetzt die von Phillips 66 vorgelegten Quartalszahlen zeigen.
Trumps Handlungsfähigkeit aufgrund hoher Benzin- und Dieselpreise in Gefahr
Der Iran-Krieg und die mit ihm verbundenen Folgen, wie die Sperrung der Straße von Hormus und die Zerstörung von Förder-, Transport- und Verladeinfrastruktur in der Golf-Region, hat nicht nur den Öl-, sondern insbesondere auch den Markt für Raffinerieprodukte gehörig durcheinander gewirbelt. Da nicht jede Raffinerie jede beliebige Art von Rohöl verarbeiten kann und es zu beträchtlichen Lieferverzögerungen gekommen ist, besteht inzwischen ein weltweiter Engpass bei Benzin und Diesel.
Deren Preise sind selbst in den USA auf neue Allzeithochs geklettert, obwohl das Land der weltweit größte Förderer von Rohöl und einer der wichtigsten Verarbeiter ist - US-Präsident Donald Trump und seine Republikaner wird das aller Voraussicht nach in der kommenden Woche die Mehrheit im US-Kongress kosten, da der Frust insbesondere unter weniger wohlhabenden US-Amerikanerinnen und -Amerikanern riesig ist.
Phillips 66 verdient 4,6 Milliarden US-Dollar mehr als noch vor einem Jahr
Raffineriebetreiber hingegen können ihr Glück kaum fassen. Sie erzielen die höchsten Gewinne seit dem Beginn des Ukraine-Krieges, der ebenfalls für stark steigende Preise gesorgt hatte und der jetzt gleichfalls zum Engpass bei Verarbeitungskapazitäten beiträgt, nachdem die Ukraine eine erfolgreiche Drohnen- und Raketenkampagne gegen russische Raffinerien gefahren hat.
Wie gewaltig die Sonderkonjunktur in der Branche ist, haben die am Mittwochmittag von Phillips 66 vorgelegten Quartalszahlen gezeigt. Der Raffinerie- und Tankstellenbetreiber kann sich vor Gewinnen kaum retten. Gegenüber dem Vorjahresquartal haben die Erlöse um 47,2 Prozent auf 51,5 Milliarden US-Dollar zugelegt. Damit wurden die Erwartungen um brachiale 8,27 Milliarden US-Dollar übertroffen.
Auch der bereinigte Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) fiel mit 14,08 US-Dollar deutlich höher aus als prognostiziert. Analystinnen und Analysten hatten 2,29 US-Dollar je Anteil weniger erwartet. Insgesamt erzielte Phillips 66 ein bereinigtes EBITDA von 8,07 Milliarden US-Dollar, welches damit gegenüber dem Vorquartal um fast 2,2 Milliarden US-Dollar zulegte. Der auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallende Nettogewinn belief sich auf 5,62 Milliarden US-Dollar. Vor 12 Monaten waren es auf bereinigter Basis 4,6 Milliarden US-Dollar weniger. Phillips 66 konnte seinen Ertrag also um fast 450 Prozent steigern.
Den mit Abstand größten Anteil am Gewinnsprung hatte das Raffineriegeschäft, der Vorsteuergewinn von 430 Millionen US-Dollar auf jetzt 6,06 Milliarden US-Dollar geklettert ist. Das zeigt unmittelbar, wie stark der Konzern von den rekordhohen Benzin- und Dieselpreisen profitiert. Die unverhoffte Sonderkonjunktur weiß das Management dabei clever zu nutzen. Um die im Branchenvergleich ohnehin niedrige Verschuldung zu reduzieren, wurden die Nettoverbindlichkeiten um 3,8 Milliarden US-Dollar auf jetzt 12,7 Milliarden US-Dollar verringert.

Aktie nach Ausverkauf am Dienstag auf Erholungskurs
Sinkende Rohölpreise hatten am Dienstag noch für kräftige Kursverluste von rund 7 Prozent gesorgt. Die starken Quartalszahlen ließen Anlegerinnen und Anleger aber schon in der US-Vorbörse wieder zugreifen. Phillips 66 legte daraufhin rund 1,5 Prozent zu und sorgte so für neuen Schwung auch bei den Anteilen der Mitbewerber Valero Energy und Marathon Petroleum, die in ähnlicher Größenordnung zulegen konnten.
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr haben sich die Anteile von Phillips 66 verdoppelt. Da die Unternehmensgewinne im selben Zeitraum aber deutlich stärker gestiegen sind, ist die Bewertung der Aktie überschaubar geblieben. Das bedeutet weitere Anstiegschancen, insbesondere für den Fall, dass es nach wie vor zu keiner Einigung im Iran-Konflikt kommt und die Versorgungslage bei Destillatprodukten angespannt bleibt.
Fazit: Verständlicher Unmut der Betroffenen
Trotz der Kursverdopplung ist Phillips 66 gerade mal mit einem KGVe 2026 von 8,2 bewertet. Das liegt um jeweils rund ein Drittel unter dem Branchen- sowie dem 5-Jahres-Mittel. Gleichzeitig ist das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) mit 0,21 sehr günstig. Das deutet auch von fundamentaler Seite her auf noch nicht vollständig ausgeschöpftes Kurspotenzial hin. Nach dem Abbau weiterer Schulden und dem überraschend hohen EBITDA rutscht die Aktie außerdem auch beim EV/EBITDA-Verhältnis unter den Mittelwert der Konkurrenz.
Wenn sich Pendlerinnen und Pendler also fragen, wohin das Geld für die hohen Benzin- und Dieselkosten geht, dann ist die Antwort nicht nur die Staatskasse (in Form höherer Mineralölsteuern), sondern vor allem die Taschen von Raffineriebetreibern. Den Unmut derjenigen Wählerinnen und Wähler, die Trump das Versprechen besserer Lebensverhältnisse abgenommen hatten, kann man vor diesem Hintergrund verstehen.
Gastautor: Max Gross
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