BOCHUM (dpa-AFX) - Der wegen hoher Zinsen träge Immobilienmarkt stimmt Deutschlands größten Wohnimmobilienkonzern Vonovia vorsichtiger. Auch dürfte sich 2026 das Mietwachstum aus eigener Kraft wohl etwas schwächer entwickeln als bisher gedacht, wie das im Dax notierte Unternehmen am Mittwochabend mitgeteilt hatte. Damit muss Vonovia mitten in der Debatte um eine Vergesellschaftung von Wohnungen großer Konzerne in Berlin tendenziell kleinere Brötchen backen. An der Börse nahm die Talfahrt der Vonovia-Aktien am Donnerstag nochmals Tempo auf.
Mit einem Rutsch bis auf 15,26 Euro sackte der Kurs auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2014 ab. Als Schlusslicht im deutschen Leitindex verloren die Anteilsscheine zuletzt noch 4,7 Prozent an Wert auf 15,70 Euro. 2026 summieren sich die Kursverluste mittlerweile auf rund 36 Prozent, nur die Aktien des Autobauers BMW haben noch etwas deutlicher nachgegeben.
Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwartet Vonovia-Chef Luka Mucic nun in der unteren Hälfte der avisierten Spanne von 2,95 Milliarden Euro bis 3,05 Milliarden Euro. 2027 dürfte es zudem nur leicht wachsen und 2028 nur noch am unteren Ende der unveränderten Prognosespanne von 3,2 bis 3,5 Milliarden Euro herauskommen. Neu ist dabei die Prognose für 2027.
In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres lag das bereinigte operative Ergebnis den Angaben zufolge bei 2,19 Milliarden Euro und damit gut 3 Prozent höher als vor einem Jahr.
Analyst Pierre-Emmanuel Clouard vom Investmenthaus Jefferies sprach in einer ersten Reaktion von einem Reset der Wachstumsambitionen. Das gelte vor allem für die mittelfristigen Geschäftsaussichten, während die Änderungen für 2026 überschaubar seien.
Zudem schlugen die in den letzten Monaten gestiegenen Zinsen auf die Immobilienbewertungen durch. So hatten Notenbanken wie die EZB und die US-amerikanische Fed die Leitzinsen wegen der ölpreisbedingten Inflation angehoben. Interessenten halten sich wegen der dadurch höheren Finanzierungskosten bei Immobilienkäufen dann eher zurück, was wiederum auf die Preise drücken kann. Zudem sinkt in den Bewertungsmodellen der Verkehrswert bei höheren Zinsen automatisch.
"Nach vier aufeinanderfolgenden Halbjahresperioden mit Bewertungsgewinnen erwartet das Unternehmen für das Gesamtjahr 2026 gegenüber dem Jahresende 2025 eine weitgehend stabile Portfoliobewertung", schrieb Vonovia daher mit Blick auf das aktuelle Umfeld. "Daher dürfte sich das Mietwachstum kurzfristig nicht in dem bislang angenommenen Umfang in organisches Wertwachstum übersetzen."
In diesem Umfeld, und weil Vonovia weiterhin seine Verschuldung abbauen will, will der Konzern nun erst einmal kein Geld mehr in neue "Manage-to-Green-Projekte" stecken. Bei diesem Ansatz kauft Vonovia energieineffiziente Immobilienbestände und saniert sie energetisch, um sie anschließend weiterzuverkaufen./mis/tav/stk




