HERZOGENRATH (dpa-AFX) - Der Anlagenbauer für die Chipindustrie Aixtron rechnet auch wegen des andauernden weltweiten Ausbaus von KI-Rechenkapazitäten mit einer weiterhin starken Nachfrage. Angesichts des aktuellen Kundeninteresses dürfte der Auftragseingang in den kommenden Quartalen auf hohem Niveau bleiben oder weiter steigen, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Donnerstag zur Vorlage der endgültigen Resultate des dritten Quartals mit.
Die Aktien setzten infolge der Nachrichten die in dieser Woche gestartete Erholung mit einem Kurssprung um 8,5 Prozent auf 34,14 Euro fort. Zuvor war der Kurs mit 28,25 Euro auf ein Tief seit Anfang März gefallen. Mitte Juni hatten die Papiere noch fast 63 Euro gekostet und dabei von teils überbordender KI-Fantasie an den Aktienbörsen profitiert. Trotz der scharfen Korrektur vieler Aktien mit KI-Bezug kostet ein Aixtron-Papiere denn auch immer noch rund doppelt so viel wie zum Jahreswechsel.
Rückenwind sieht die Aixtron-Führung um Chef Felix Grawert dabei "durch die Nachfrage nach Optoelektronik und zunehmend auch durch die sich verbessernde Dynamik in der Leistungselektronik." So baut Aixtron Anlagen zur Herstellung optoelektronischer Elektronikchips, die etwa für Laserkomponenten für die Datenübertragung benötigt werden. Diese Technik findet in KI-Rechenzentren immer stärkeren Einsatz, da traditionelle Kupferkabel in Sachen Geschwindigkeit und Effizienz zunehmend an ihre Grenzen stoßen.
Die Geschäfte mit solchen Maschinen liefen bereits in den vergangenen Quartalen gut, während sich Hersteller von Leistungshalbleitern, Micro-LEDs und LEDs mit Bestellungen zurückhielten. Mittlerweile sieht Aixtron aber auch Anzeichen einer Erholung im Bereich der Leistungshalbleiter.
"Optoelektronik machte im dritten Quartal rund 68 Prozent unseres Anlagenauftragseingangs aus und spiegelt die außergewöhnlich starke Nachfrage nach KI-getriebener optischer Konnektivität wider", sagte Grawert laut Mitteilung. "Gleichzeitig liefern steigende Kundenauslastungen, eine wieder anziehende Auftragsaktivität und Vorbereitungen für neue Kapazitäten zunehmend Hinweise auf eine Erholung der GaN- und SiC-Leistungselektronik." Daher rechnet er mit einem starken Wachstumsjahr 2027.
Damit scheint also etwas Schwung in die schon länger trägen Märkte für Leistungshalbleiter auf Basis von Galliumnitrid (GaN) und Siliziumkarbid (SiC) zu kommen. Solche Chips sind effizienter als herkömmliche Siliziumchips. Chipkonzerne hatten sich in dem Bereich in der jüngeren Vergangenheit allerdings mit Bestellungen zurückgehalten, auch da die Nachfrage nach E-Autos, Smartphones und Laptops teils trist war.
Wegen hoher Ölpreise sind Elektro-Pkw mittlerweile aber wieder stärker gefragt. Hinzu kommt Rückenwind, etwa durch die Einführung neuer, leistungsstärkerer 800-Volt-Architekturen für KI-Rechenzentren, die sowohl Chips aus Galliumnitrid als auch Siliziumcarbid-Chips benötigen.
Bei Aixtron laufe schlicht zu viel richtig, um noch länger an der Seitenlinie zu verharren, konstatierte Analyst Veysel Taze vom Bankhaus Metzler am Donnerstag und stufte die Papiere von "Halten" auf "Kaufen" hoch. Die aktuelle Auftragsstärke dürfte sich ins neue Jahr hinein fortsetzen. Allein im dritten Quartal erhielt Aixtron - wie bereits bekannt - Bestellungen für 275 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Der Anlagenauftragsbestand schwoll damit auf 549 Millionen Euro an.
Die bereits Mitte Oktober veröffentlichten vorläufigen Resultate des dritten Quartals bestätigte Aixtron, ebenso wie den Jahresausblick für 2026. So stieg der Umsatz im dritten Quartal im Jahresvergleich um gut die Hälfte auf rund 184 Millionen Euro. Ein vorteilhafter Produktmix sorgte bei der Profitabilität für einen noch kräftigeren Sprung: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) schnellte um 270 Prozent auf rund 57 Millionen Euro nach oben.
Für 2026 wird ein Umsatz von 530 bis 590 Millionen Euro sowie eine Ebit-Marge von 17 bis 20 Prozent erwartet. Nach neun Monaten stehen Erlöse von 358 Millionen Euro sowie eine Ebit-Marge von 14 Prozent in den Büchern./mis/lew/stk




