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FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Ein vorsichtigerer Geschäftsausblick hat die Aktionäre der Vonovia am Donnerstag verschreckt. Der Aktienkurs fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt. Die Papiere von Deutschlands größtem Wohnimmobilienkonzern waren im frühen Handel am Donnerstag bis auf 15,26 Euro abgesackt und hatten damit den tiefsten Stand seit März 2014 erreicht.
Am Mittag stand bei den Anteilscheinen von Vonovia noch ein Minus von 3,3 Prozent zu Buche. Damit waren sie das klare Schlusslicht im festen deutschen Leitindex Dax .
Der wegen hoher Zinsen träge Immobilienmarkt stimmt Vonovia unter anderem mit Blick auf den Gewinn vorsichtiger. Denn die hohen Zinsen verteuern die Refinanzierung, lassen die Marktbewertungen der Immobilien sinken, schwächen das Neubaugeschäft und erhöhen nicht zuletzt den Konkurrenzdruck durch zinstragende Wertpapiere wie Anleihen.
Auch dürfte sich 2026 das Mietwachstum aus eigener Kraft wohl etwas schwächer entwickeln als bisher gedacht. Damit muss Vonovia mitten in der Debatte um eine Vergesellschaftung von Wohnungen großer Konzerne in Berlin tendenziell kleinere Brötchen backen.
Analyst Pierre-Emmanuel Clouard vom Investmenthaus Jefferies sprach von einem Reset der Wachstumsambitionen. Das gelte vor allem für die mittelfristigen Geschäftsaussichten.
Experte Neil Green von der US-Bank JPMorgan betonte, Vonovia habe wie befürchtet wegen höherer Finanzierungskosten und eines schwächeren Transaktionsgeschäfts seine Ziele für eine Reihe von Finanzkennziffern gesenkt. Dennoch - und obwohl die Aktien schon günstig seien - sei schwer vorstellbar, dass die Anleger nun zugriffen. Es stehe die Frage im Raum, ob zum Schuldenabbau die Dividende gekürzt oder gestrichen werde.
Auch ein Händler äußerte sich skeptisch. Die Zahlen der Immobiliengruppe seien zwar "kein Desaster, sie hälfen aber auch nicht." Das Mietwachstum sei begrenzt und die Refinanzierungskosten hoch. Das schmälere das Potenzial für Transaktionen am Wohnungsmarkt und begrenze die wiederkehrenden Umsätze.
Oddo BHF stufte die Aktien von Vonovia auf "Neutral" ab. Insofern rechnet die Investmentbank nun auf Sicht von zwölf Monaten damit, dass sich die Papiere nicht mehr besser, sondern nur noch ähnlich wie der von ihr angesetzte Vergleichsindex entwickeln. Analyst Florent Laroche-Joubert verwies dabei nicht nur auf die geringeren Wachstumsambitionen des Immobilienkonzerns, sondern auch auf die anhaltende Unsicherheit um eine mögliche Vergesellschaftung eines Großteils des Berliner Portfolios.
Hintergrund sind entsprechende Pläne der Parteien Die Linke, Bündnis90/Die Grünen und SPD für den Fall einer gemeinsamen Regierung in der Stadt Berlin. In dem am 17. Oktober vorgestellten Sondierungspapier dieser drei Parteien finden sich etliche Punkte, auf die die Linke großen Wert legte. Wichtigster Punkt ist das Vorhaben, rund 160.000 Wohnungen großer Konzerne zu vergesellschaften, also in Gemeineigentum zu überführen. Dies war eine zentrale Forderung der Linken im Wahlkampf, die sie nun durchsetzen konnte - auch wenn die Vergesellschaftung erst bei Unternehmen ab 10.000 Wohnungen in ihrem Bestand greifen soll statt wie von der Linken angedacht ab 3.000 Wohnungen.
Die gesamte Vergesellschaftungsdiskussion belaste die Stimmung für die Aktien von Vonovia zusätzlich, schrieb Analyst Karsten Oblinger von der DZ Bank und fuhr fort: "Es ist aus unserer Sicht aktuell nicht prognostizierbar, wie das Ganze enden wird mit Blick auf die 'Enteignung' grundsätzlich (wird der Bund ein Gesetz verabschieden, das die Länderbefugnisse limitieren wird?) und die mögliche Entschädigungssumme (deutlicher Abschlag gegenüber den Buchwerten oder nicht?)." Es werde hier keine schnellen Antworten geben und im Falle des Enteignungsszenarios auf einen jahrelangen Rechtsstreit hinauslaufen./la/mis
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