
© Foto: Naval Strike Missile (Bild von Kongsberg).
Der norwegische Rüstungsspezialist Kongsberg hat am Donnerstag starke Quartalszahlen vorgelegt. Anlegerinnen und Anleger honorieren das mit zweistelligen Kursgewinnen!
Kongsberg landet einen Volltreffer - und treibt die gesamte Rüstungsbranche an
Für viele Rüstungswerte war 2026 ein bislang schwieriges Börsenjahr, nachdem die Begeisterung aus den Vorjahren angesichts fundamental hoher Bewertungen und technisch oft überkaufter Aktien spürbar nachgelassen hat. Auch Sorgen um die finanzielle Nachhaltigkeit der von vielen gleichzeitig hoch verschuldeten Staaten geplanten Ausgaben belasteten die Branche. Aktien wie Rheinmetall und Renk büßten zum Teil mehr als die Hälfte ihres Wertes ein.
Doch langsam, aber sicher kehrt die Begeisterung gegenüber dem Wachstumskurs der Branche zurück. Vor allem die von US-amerikanischen Verteidigungsunternehmen, darunter RTX, Northrop Grumman und Lockheed Martin, vorgelegten Quartalszahlen konnten Anlegerinnen und Anleger zuletzt überzeugen. Jetzt hat mit der norwegischen Kongsberg Gruppen endlich auch ein europäischer Player wieder einen Treffer versenkt, die Aktie legt am Donnerstag zweistellig zu - und lässt auch bei Rheinmetall Kursfantasie aufkommen.
Starke Steigerungen bei allen Geschäftskennzahlen
Der wichtige Branchenzulieferer und Spezialist für Luftabwehrraketen und Seeflugzielkörper hat seine Erlöse im dritten Quartal von 7,57 auf 11,33 Milliarden norwegische Kronen (NOK; 1,1 Milliarden Euro) und damit um 49,7 Prozent steigern können. Vor allem die Raketensparte performte mit einem Umsatzplus von 87 Prozent auf 4,00 Milliarden NOK (390,0 Millionen Euro) sehr stark. Bei Aufklärungslösungen ging es um 11,0 Prozent nach oben, im allgemeinen Defensivgeschäft um 58,0 Prozent.
Auch operativ erzielten die Norweger substanzielle Verbesserungen, die EBIT-Marge kletterte von 14,8 auf 16,4 Prozent. Dadurch verbesserten sich die Erträge von 1,12 auf 1,86 Milliarden NOK (180,0 Millionen Euro) und damit um 66,1 Prozent. Einen gesonderten Nettogewinn für das abgelaufene Quartal wies Kongsberg nicht aus, in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres wurden insgesamt jedoch 1,483 Milliarden NOK (143,4 Millionen Euro erwirtschaftet).
Das liegt zwar unter dem Vorjahresniveau von knapp 1,7 Milliarden NOK (164,4 Millionen Euro), die Differenz geht jedoch vor allem aus Veräußerungsgewinnen von nicht fortgeführten Geschäftsbereichen zurück. Wird dagegen der operative Ertrag (EBITDA) betrachtet, konnte sich Kongsberg von 1,353 auf 2,152 Milliarden NOK (208,2 Millionen Euro) steigern (+59,1 Prozent). Der pro Aktie erzielte Nettogewinn kletterte unterdessen von 1,11 auf 1,69 NOK (0,16 Euro). Damit wurden die Erwartungen der von FactSet befragten Analystinnen und Analysten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn übertroffen.
Gewaltiger Auftragsbestand, ambitionierte Ziele
Unterstützt wurde das beschleunigte Unternehmenswachstum durch sehr starke Auftragseingänge. Diese kletterten von knapp 9,5 Milliarden NOK (918,9 Millionen Euro) vor einem Jahr auf jetzt 23,35 Milliarden NOK (2,26 Milliarden Euro). Der gesamte Auftragsbestand wuchs von 118,55 auf 174,24 Milliarden NOK (16,85 Milliarden Euro). Davon entfallen 30 Prozent auf das kommende Jahr, 63 Prozent des Orderbuchs sollen in 2028 und darüber hinaus erfüllt werden.
In den Bereichen Defence Systems und Missiles & Aerostructures verdreifachten sich die Auftragseingänge jeweils nahezu. Kongsberg profitiert von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Luftabwehr- und Drohnenverteidigungssystemen sowie nach Seeflugzielkörpern und Marschflugraketen.
Einen konkreten Ausblick für das kommende Quartal legte Kongsberg nicht vor, das Unternehmen bekräftigte jedoch seine bereits bekannten Mittelfristziele, die für 2029 Jahreserlöse in Höhe von 100 Milliarden NOK (9,67 Milliarden Euro) und von 150 Milliarden NOK (14,51 Milliarden Euro) in 2033 vorsehen.
Quelle: TradingView.com | Kongsberg
Aktie schießt nach oben, zieht auch Rheinmetall und Co. mit
Anlegerinnen und Anleger zeigten sich vom Geschäftsbericht der Norweger rundherum begeistert. Die Aktie eröffnete den Handel in Oslo mit Kursgewinnen von etwa 7 Prozent und konnte das Plus im weiteren Handelsverlauf auf über 10 Prozent ausbauen. Damit erzielte Kongsberg das höchste Kursniveau seit fast einem halben Jahr. Dadurch gerät der Widerstandsbereich um 340 NOK (32,89 Euro) ins Visier der Käuferinnen und Käufer. Kann dieser überwunden werden, wäre der Weg zu neuen Allzeithochs frei.
Das hohe Kaufinteresse strahlte auch auf andere europäische Verteidigungswerte aus. Am deutschen Aktienmarkt profitierte aufgrund der Nähe des Geschäftsmodells im Bereich Luftraumverteidigung vor allem Hensoldt mit Gewinnen von etwa 2,5 Prozent, aber auch Renk und Rheinmetall legten um mehr als 2 Prozent zu. Für den schwedischen Mitbewerber SAAB ging es um etwa 3 Prozent bergauf, der französische Konkurrent Thales steigerte sich um 1,5 Prozent.
Fazit: Tolles Unternehmen, aber vorzugsweise bei Schwäche kaufen
Dank gewaltiger Auftragseingänge, einer hohen Ausführungsqualität und einem stark gesteigerten operativen Gewinn lässt Kongsberg bei europäischen Verteidigungswerte neue Kursfantasie aufkommen. Die Branche legt in einem konstruktiven Gesamtmarktumfeld überdurchschnittlich stark zu. Das Management sieht sich auf dem Weg zur Erreichung seiner ambitionierten Ziele bestätigt, das sehen auch Anlegerinnen und Anleger angesichts der zweistelligen Kursgewinne so.
Für die unternehmerische Exzellenz verlangt der Markt inzwischen aber einen hohen Preis. Für 2026 ist Kongsberg mit einem KGVe von knapp 43 bewertet, für 2027 und 2028 stehen Gewinnvielfache von 27,7 und 19,8 zu Buche. Angesichts eines Branchendurchschnitts von 19,4 ist hier also bereits viel zukünftiges Wachstum eingepreist. Das bedeutet nicht, dass die Aktie jetzt eine schlechte Anlage wäre - im Gegenteil - allerdings sollten Anlegerinnen und Anleger bevorzugt bei Schwäche oder mit viel Geduld zugreifen. Die aber wird mit überdurchschnittlichen Dividendenzahlungen belohnt. Für 2027 werden 2,4 Prozent und für 2028 sogar 3,7 Prozent Dividendenrendite erwartet.
Gastautor: Max Gross
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