FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zugelegt. Der richtungweisende Euro-Bund-Future stieg am Nachmittag um 0,25 Prozent auf 122,11 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,35 Prozent.
Die EZB verzichtet trotz stark gestiegener Inflation vorerst auf eine weitere Zinserhöhung. Der entscheidende Einlagenzins bleibt wie von Volkswirten erwartet bei 2,5 Prozent. Kurz vor Verkündung der Zinsentscheidung hatte die EZB bekanntgegeben, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde zum 7. Februar 2027 vorzeitig zurücktreten wird.
Eine Leitzinserhöhung wird jetzt im Dezember erwartet. "Die EZB kann sich die Zeit nehmen, um die Inflationsentwicklung bis zur kommenden Sitzung abzuwarten und zu bewerten", kommentierte Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. "Die bisherigen Zinserhöhungen und der kräftige Anstieg der Renditen an den Anleihemärkten bremsen den Preisdruck im Euroraum bereits." Eine Entwarnung gebe es aber nicht, da eine Entspannung weder an den Energiemärkten noch in der Nahostkrise kurzfristig in Sicht sei.
Im Blick der Pressekonferenz stand auch die Lage am französischen Anleihemarkt. "Lagardes indirekte Botschaft war, wegen Frankreich nicht zu viele Zinserhöhungen einzupreisen", kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Sie dürfte wissen, dass die Anleihen des hoch verschuldeten Frankreichs doppelt so stark wie Bundesanleihen von sinkenden Leitzinserwartungen profitieren."
Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten bewegten den deutschen Anleihemarkt kaum. Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal etwas stärker gewachsen als erwartet. Die annualisierte Wachstumsrate von 3,4 Prozent ist die höchste seit einem Jahr. "Ein Ende des starken US-Wachstums zeichnet sich vorerst nicht ab", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Hierfür sind die Investitionen in die Künstliche Intelligenz schlicht zu hoch." Allerdings könnte für die US-Privathaushalte die relativ hohe Inflationsrate im kommenden Jahr noch zu einer schweren Bürde werden./jsl/he

