München (ots) -
Es gibt großartige Neuigkeiten vom All-time-Favorit-Wirkstoff Botulinumtoxin. Was ist dran? Dr. med. Stefan Duve und Dr. med. Christian Merkel vom HAUT- UND LASERZENTRUM AN DER OPER in München analysieren den aktuellen Hype.
Ungeduldig und bindungsscheu? Für alle, die in Sachen ästhetische Maßnahmen so oder ähnlich fühlen, gibt es etwas Neues: Eine besondere Spezies aus der Familie der Botuline, seit Juli 2026 in der EU zugelassen und etwas sperrig im Namen: Botulinumneurotoxin Typ E oder auch Trenibotulinumtoxin E, Handelsname Boey von Allergan Aesthetics. Wie andere Vertreter seiner Art blockiert es die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin zwischen Nerv und Muskel. Dadurch entspannt sich der behandelte Muskel, die Haut darüber wirkt glatter. Das Besondere: "Beim Trenibotulinumtoxin E kann die Wirkung sehr schnell eintreten, innerhalb von acht Stunden, der maximale Effekt zeigt sich nach sieben Tagen", erklärt Dr. Christian Merkel. "Danach haben wir es allerdings mit einer deutlich kürzeren Wirkdauer von zwei bis drei Wochen zu tun. Zum Vergleich: Klassisches Botulinumtoxin wirkt nach etwa zwei Wochen und hält etwa drei bis sechs Monate. Boey ist für die Behandlung mäßiger bis schwerer Glabellafalten, auch bekannt als Zornesfalten, zugelassen. Aber man könnte im Off-Label-Use auch andere Regionen damit behandeln."
Als Zielgruppe sehen die beiden erfahrenen Mediziner Menschen, die bisher keine Botulinum-Erfahrung haben und vor dem Schritt, die erste Behandlung zu wagen, zögern. Auch für Patienten, die sich nicht ganz sicher sind, mit welchem Ergebnis sie nach einer Toxinbehandlung rechnen können, kann das neue Präparat eine potenzielle Entscheidungshilfe sein. Darüber hinaus gibt es die Zielgruppe all derer, die sich ausprobieren und/oder sich nicht auf dauerhaftere Veränderungen festlegen möchten. "Das neue Präparat ist quasi wie ein Probeabo oder eine Preview. Man schaut, ob einem das behandelte Gesicht gefällt, wie die Erfahrungen sind und ob man sich damit auf Dauer anfreunden kann", erklärt Dr. Stefan Duve, und Dr. Merkel ergänzt: "Sinn macht das Präparat auch, wenn die volle Mimik nach kurzer Zeit wieder erwünscht ist, zum Beispiel bei Schauspielern. Man kann damit außerdem sehr gut bei Trainings für Botulinumtoxin, wie ich sie gebe, schulen. Sollte ein Ergebnis nicht so sein wie erwartet oder unerwünschte Effekte produzieren, hält es nur für einen begrenzten Zeitraum an." Denn die Nebenwirkungen von Trenibotulinumtoxin E sind die gleichen wie bei Botulinumtoxin Typ A: hängendes Oberlid (Lidptosis), abgesenkte Augenbraue oder die sogenannte Mr.-Spock-Braue mit seitlicher Anhebung. Zum Glück sind diese Begleiterscheinungen selten. "In jedem Fall wird Botulinum aber komplett wieder abgebaut, auch das belegen Studien. Es gibt keine bekannten Toxin-Reste im Gewebe, und die Wirkung endet durch die Regeneration der Nervenfunktion", stellt Dr. Merkel klar.
Experten verlassen sich auch deshalb auf solche Erkenntnisse, weil die Datenlage extrem ergiebig ist. Botulinumtoxin hat sich weltweit zu einer der beliebtesten minimalinvasiven Maßnahmen entwickelt - aus Gründen, wie Dr. Merkel erläutert. "Mit Botulinumtoxin hat man seit etwa 50 Jahren stabile Erfahrungswerte, davon 30 Jahre in der Faltenbehandlung, Wirksamkeit garantiert, Effekt vorhersehbar. Die schnelle Behandlung ohne Ausfallzeit ist in der Regel sehr gut tolerierbar, die Patientenzufriedenheit bei fast 100 %. Das liegt auch daran, dass die Anatomiekenntnisse besser geworden sind und man individueller und niedriger dosiert, Stichwort Micro-Botox. So hat man heute sehr viel natürlichere Ergebnisse, nicht dieses Frozen Face, bei dem sich nichts mehr regt."
Diese 30-jährigen Erfahrungswerte mit dem Präparat sind beim HAUT- UND LASERZENTRUM AN DER OPER in München im wahrsten Sinne handfest und hausgemacht: Dr. Stefan Duve sammelte in den 1990ern während eines Aufenthalts in New York erstes Know-how mit Botulinumtoxin und erkannte früh das Potenzial des Wirkstoffs in fachkundig ausgebildeten Händen. Wenige Jahre später gehörte er 1998 zu den ersten Medizinern, die diese Injektionen in der Praxis in Deutschland anboten. "Bis heute mache ich im Schnitt etwa zehn dieser Behandlungen am Tag, diese Zahl ist über Jahre tatsächlich kontinuierlich gewachsen", so Dr. Duve. "Ich kenne kein anderes Treatment, das so eine Konstante aufweist oder sich so steigender Beliebtheit erfreut. Insbesondere auch immer mehr bei den Männern." Deren Anteil liegt bei der Anwendung von Botulinumtoxin aktuell im Schnitt in Deutschland zwischen 10 % und 17 % - davon gehen jedenfalls Schätzungen aus, mehr Konkretes geben die Statistikzahlen leider nicht her. Ebenfalls kann man nur schätzen, wie viele Behandlungen 2025 in Deutschland durchgeführt wurden. "Es gibt keine flächendeckende, sektorübergreifende epidemiologische Datenerfassung für ästhetische Prozeduren", erklärt Dr. Duve. Für Statistiken, wie sie Fachverbände herausgeben, werden nur die eigenen Mitglieder befragt, alle anderen, sowohl nichtorganisierte Fachärzte wie auch die Anwendungen in Walk-in-Ketten, bleiben außen vor. "Von der Dunkelziffer nichtqualifizierter Behandler*innen mal ganz abgesehen." Und die dürfte hoch sein, denn der Markt ist groß, Tendenz wachsend.
Neben der Faltenbehandlung ist die Einsatzbandbreite von Botulinumtoxin vielfältig. "Wir können mit Botulinumtoxin das Knirschen mit der Kiefermuskulatur und bestimmte Blasenfunktionsstörungen behandeln. Auch das Raynaud-Syndrom lässt sich damit eindämmen. Dabei reagieren die Blutgefäße sensibel auf Temperaturwechsel oder Stress. Sehr gut hilft das Mittel gegen übermäßiges Schwitzen, man kann es unter die Achseln oder in die Hände spritzen, das ist besonders für Chirurgen, Musiker, Sportler interessant. Und wenn man Narben mit Botulinumtoxin behandelt, entsteht weniger Zug darauf, und die Narben können potenziell feiner werden", erläutert Dr. Merkel.
Der Wirkstoff ist im Laufe der Jahre also immer mehr zum Multifunktionstool mit All-time-Favorit-Qualitäten geworden. "Botulinumtoxin hat Potenzial bei der Behandlung von Migräne, Depressionen, Parkinson. Möglicherweise kann es sogar den Juckreiz bei Neurodermitis hemmen und die Talgdrüsen bei Rosazea regulieren. Dazu gibt es bereits vielversprechende Experimente und Studien, aber wir stehen noch am Anfang", resümiert Dr. Merkel. Und das heißt am Ende: Fortsetzung folgt.
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Es gibt großartige Neuigkeiten vom All-time-Favorit-Wirkstoff Botulinumtoxin. Was ist dran? Dr. med. Stefan Duve und Dr. med. Christian Merkel vom HAUT- UND LASERZENTRUM AN DER OPER in München analysieren den aktuellen Hype.
Ungeduldig und bindungsscheu? Für alle, die in Sachen ästhetische Maßnahmen so oder ähnlich fühlen, gibt es etwas Neues: Eine besondere Spezies aus der Familie der Botuline, seit Juli 2026 in der EU zugelassen und etwas sperrig im Namen: Botulinumneurotoxin Typ E oder auch Trenibotulinumtoxin E, Handelsname Boey von Allergan Aesthetics. Wie andere Vertreter seiner Art blockiert es die Freisetzung des Neurotransmitters Acetylcholin zwischen Nerv und Muskel. Dadurch entspannt sich der behandelte Muskel, die Haut darüber wirkt glatter. Das Besondere: "Beim Trenibotulinumtoxin E kann die Wirkung sehr schnell eintreten, innerhalb von acht Stunden, der maximale Effekt zeigt sich nach sieben Tagen", erklärt Dr. Christian Merkel. "Danach haben wir es allerdings mit einer deutlich kürzeren Wirkdauer von zwei bis drei Wochen zu tun. Zum Vergleich: Klassisches Botulinumtoxin wirkt nach etwa zwei Wochen und hält etwa drei bis sechs Monate. Boey ist für die Behandlung mäßiger bis schwerer Glabellafalten, auch bekannt als Zornesfalten, zugelassen. Aber man könnte im Off-Label-Use auch andere Regionen damit behandeln."
Als Zielgruppe sehen die beiden erfahrenen Mediziner Menschen, die bisher keine Botulinum-Erfahrung haben und vor dem Schritt, die erste Behandlung zu wagen, zögern. Auch für Patienten, die sich nicht ganz sicher sind, mit welchem Ergebnis sie nach einer Toxinbehandlung rechnen können, kann das neue Präparat eine potenzielle Entscheidungshilfe sein. Darüber hinaus gibt es die Zielgruppe all derer, die sich ausprobieren und/oder sich nicht auf dauerhaftere Veränderungen festlegen möchten. "Das neue Präparat ist quasi wie ein Probeabo oder eine Preview. Man schaut, ob einem das behandelte Gesicht gefällt, wie die Erfahrungen sind und ob man sich damit auf Dauer anfreunden kann", erklärt Dr. Stefan Duve, und Dr. Merkel ergänzt: "Sinn macht das Präparat auch, wenn die volle Mimik nach kurzer Zeit wieder erwünscht ist, zum Beispiel bei Schauspielern. Man kann damit außerdem sehr gut bei Trainings für Botulinumtoxin, wie ich sie gebe, schulen. Sollte ein Ergebnis nicht so sein wie erwartet oder unerwünschte Effekte produzieren, hält es nur für einen begrenzten Zeitraum an." Denn die Nebenwirkungen von Trenibotulinumtoxin E sind die gleichen wie bei Botulinumtoxin Typ A: hängendes Oberlid (Lidptosis), abgesenkte Augenbraue oder die sogenannte Mr.-Spock-Braue mit seitlicher Anhebung. Zum Glück sind diese Begleiterscheinungen selten. "In jedem Fall wird Botulinum aber komplett wieder abgebaut, auch das belegen Studien. Es gibt keine bekannten Toxin-Reste im Gewebe, und die Wirkung endet durch die Regeneration der Nervenfunktion", stellt Dr. Merkel klar.
Experten verlassen sich auch deshalb auf solche Erkenntnisse, weil die Datenlage extrem ergiebig ist. Botulinumtoxin hat sich weltweit zu einer der beliebtesten minimalinvasiven Maßnahmen entwickelt - aus Gründen, wie Dr. Merkel erläutert. "Mit Botulinumtoxin hat man seit etwa 50 Jahren stabile Erfahrungswerte, davon 30 Jahre in der Faltenbehandlung, Wirksamkeit garantiert, Effekt vorhersehbar. Die schnelle Behandlung ohne Ausfallzeit ist in der Regel sehr gut tolerierbar, die Patientenzufriedenheit bei fast 100 %. Das liegt auch daran, dass die Anatomiekenntnisse besser geworden sind und man individueller und niedriger dosiert, Stichwort Micro-Botox. So hat man heute sehr viel natürlichere Ergebnisse, nicht dieses Frozen Face, bei dem sich nichts mehr regt."
Diese 30-jährigen Erfahrungswerte mit dem Präparat sind beim HAUT- UND LASERZENTRUM AN DER OPER in München im wahrsten Sinne handfest und hausgemacht: Dr. Stefan Duve sammelte in den 1990ern während eines Aufenthalts in New York erstes Know-how mit Botulinumtoxin und erkannte früh das Potenzial des Wirkstoffs in fachkundig ausgebildeten Händen. Wenige Jahre später gehörte er 1998 zu den ersten Medizinern, die diese Injektionen in der Praxis in Deutschland anboten. "Bis heute mache ich im Schnitt etwa zehn dieser Behandlungen am Tag, diese Zahl ist über Jahre tatsächlich kontinuierlich gewachsen", so Dr. Duve. "Ich kenne kein anderes Treatment, das so eine Konstante aufweist oder sich so steigender Beliebtheit erfreut. Insbesondere auch immer mehr bei den Männern." Deren Anteil liegt bei der Anwendung von Botulinumtoxin aktuell im Schnitt in Deutschland zwischen 10 % und 17 % - davon gehen jedenfalls Schätzungen aus, mehr Konkretes geben die Statistikzahlen leider nicht her. Ebenfalls kann man nur schätzen, wie viele Behandlungen 2025 in Deutschland durchgeführt wurden. "Es gibt keine flächendeckende, sektorübergreifende epidemiologische Datenerfassung für ästhetische Prozeduren", erklärt Dr. Duve. Für Statistiken, wie sie Fachverbände herausgeben, werden nur die eigenen Mitglieder befragt, alle anderen, sowohl nichtorganisierte Fachärzte wie auch die Anwendungen in Walk-in-Ketten, bleiben außen vor. "Von der Dunkelziffer nichtqualifizierter Behandler*innen mal ganz abgesehen." Und die dürfte hoch sein, denn der Markt ist groß, Tendenz wachsend.
Neben der Faltenbehandlung ist die Einsatzbandbreite von Botulinumtoxin vielfältig. "Wir können mit Botulinumtoxin das Knirschen mit der Kiefermuskulatur und bestimmte Blasenfunktionsstörungen behandeln. Auch das Raynaud-Syndrom lässt sich damit eindämmen. Dabei reagieren die Blutgefäße sensibel auf Temperaturwechsel oder Stress. Sehr gut hilft das Mittel gegen übermäßiges Schwitzen, man kann es unter die Achseln oder in die Hände spritzen, das ist besonders für Chirurgen, Musiker, Sportler interessant. Und wenn man Narben mit Botulinumtoxin behandelt, entsteht weniger Zug darauf, und die Narben können potenziell feiner werden", erläutert Dr. Merkel.
Der Wirkstoff ist im Laufe der Jahre also immer mehr zum Multifunktionstool mit All-time-Favorit-Qualitäten geworden. "Botulinumtoxin hat Potenzial bei der Behandlung von Migräne, Depressionen, Parkinson. Möglicherweise kann es sogar den Juckreiz bei Neurodermitis hemmen und die Talgdrüsen bei Rosazea regulieren. Dazu gibt es bereits vielversprechende Experimente und Studien, aber wir stehen noch am Anfang", resümiert Dr. Merkel. Und das heißt am Ende: Fortsetzung folgt.
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