Berlin/Kairo (ots) -
- Rückgang medizinischer Evakuierungen um 75 Prozent
- Save the Children unterstützt evakuierte Kinder und Angehörige in Ägypten
- Finanzierung von wichtigem Hilfsprogramm ist gefährdet
Zehntausende Kinder im Gazastreifen sind verletzt oder leiden an schweren Krankheiten, doch nur wenige von ihnen haben die Chance auf eine angemessene medizinische Versorgung. Während das Gesundheitssystem im Gazastreifen weitgehend zusammengebrochen ist, ging die Zahl der medizinischen Evakuierungen ins Ausland seit dem ersten Kriegsjahr um 75 Prozent zurück. In Ägypten unterstützt Save the Children evakuierte Kinder und Angehörige, die unter schweren psychischen Belastungen leiden.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden seit Oktober 2023 insgesamt fast 14.000 Menschen aus dem Gazastreifen medizinisch evakuiert. Mehr als 6.400 von ihnen waren Kinder, wobei die Zahlen zuletzt stark sanken. Im ersten Kriegsjahr wurden noch insgesamt 4.163 Kinder aus dem Gazastreifen zur medizinischen Behandlung ins Ausland gebracht, im folgenden Kriegsjahr waren es nur noch 1.241, und im dritten Kriegsjahr sank die Zahl auf 1.014. Derweil warten nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen aktuell 21.000 Menschen auf eine medizinische Behandlung im Ausland - ein Viertel davon sind Kinder.
"Den Kindern im Gazastreifen wird eine echte Kindheit verwehrt", sagt Ahmad Alhendawi, Regionaldirektor von Save the Children. "Die Jahre, in denen Kinder lernen, spielen und von ihrer Zukunft träumen sollten, sind von Gewalt, Verlust, Hunger und Vertreibung geprägt. Die internationale Gemeinschaft muss mehr tun, damit palästinensische Kinder und Familien, die vom Krieg im Gazastreifen betroffen sind, die Fürsorge, den Schutz und die Unterstützung erhalten, die sie benötigen."
Save the Children fordert einen dauerhaften Zugang zu humanitärer Hilfe und spezialisierter medizinischer Versorgung. Dies soll zunächst durch die Wiedereröffnung des medizinischen Korridors zum Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, gewährleistet werden. Sofern eine Behandlung in den besetzten Palästinensischen Gebieten nicht möglich ist, müssen Überweisungen in andere Länder sichergestellt werden. Dabei muss das Recht der Patient*innen auf Rückkehr gewahrt bleiben.
Save the Children betreibt im Gazastreifen aktuell zwei Kliniken für die medizinische Erstversorgung und leistet weitere wichtige Unterstützung für Kinder und ihre Familien. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo betreut die Kinderrechtsorganisation Kinder aus dem Gazastreifen. Viele von ihnen leiden unter psychischen Belastungen, darunter Sprachstörungen, Aggressionen und traumabedingte Autoimmunerkrankungen. Der Bedarf an Unterstützung ist riesig. In einem der Schutz- und Spielräume, genannt "Little Gaza", werden 750 Kinder und ihre Familien betreut, auf der Warteliste stehen 5.000 weitere Namen. Das Projekt droht jedoch geschlossen zu werden, weil die langfristige Finanzierung nicht gesichert ist.
Die neunjährige Layan* erhält in "Little Gaza" Unterricht nach dem palästinensischen Lehrplan, nachdem sie zwei Jahre lang nicht zur Schule gehen konnte. Sie lebt in Kairo mit ihrer Mutter, die für eine Brustkrebsbehandlung ausreisen durfte. Ihr zehnjähriger Bruder Mohamed* musste im Gazastreifen zurückbleiben. Da der Vater verstorben ist, wird er abwechselnd von seinen Tanten betreut. Layan leidet aufgrund der Belastungen des Krieges an der Autoimmunerkrankung Vitiligo.
In "Little Gaza" können die Kinder Abstand zu den Kriegserlebnissen gewinnen, gemeinsam spielen und lernen. Ein Junge überwand durch den Kontakt mit anderen Kindern und durch professionelle psychologische Unterstützung sein Stottern, das er während des Krieges entwickelt hatte. Seit 2023 hat Save the Children in Ägypten rund 18.000 Palästinenser*innen aus dem Gazastreifen mit medizinischer Versorgung, psychosozialer Betreuung, Bildungsangeboten, Kinderschutzmaßnahmen und Bargeldhilfen unterstützt.
Jedes Kind hat ein Recht auf Gesundheit und medizinische Versorgung. Dieses Recht ist in der UN-Kinderrechtskonvention verankert. Im Gazastreifen haben drei Jahre Angriffe durch israelische Streitkräfte sowie Beschränkungen beim Zugang für Hilfsgüter und Waren dazu geführt, dass zehntausende Kinder keine Hilfe erhalten. Nach UN-Angaben sind alle Krankenhäuser beschädigt und nur die Hälfte noch teilweise funktionsfähig. Die seit einem Jahr geltende Waffenruhe existiert nur auf dem Papier (https://www.savethechildren.net/news/gaza-ceasefire-exists-name-only-say-more-100-organizations), wie Save the Children gemeinsam mit mehr als hundert weiteren Organisationen kritisiert.
* Name zum Schutz geändert
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.
Pressekontakt:
Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle
Tel.: +49 (0)30 - 27 59 59 79 - 226
Mail: presse@savethechildren.de
Original-Content von: Save the Children Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/106106/6381042
- Rückgang medizinischer Evakuierungen um 75 Prozent
- Save the Children unterstützt evakuierte Kinder und Angehörige in Ägypten
- Finanzierung von wichtigem Hilfsprogramm ist gefährdet
Zehntausende Kinder im Gazastreifen sind verletzt oder leiden an schweren Krankheiten, doch nur wenige von ihnen haben die Chance auf eine angemessene medizinische Versorgung. Während das Gesundheitssystem im Gazastreifen weitgehend zusammengebrochen ist, ging die Zahl der medizinischen Evakuierungen ins Ausland seit dem ersten Kriegsjahr um 75 Prozent zurück. In Ägypten unterstützt Save the Children evakuierte Kinder und Angehörige, die unter schweren psychischen Belastungen leiden.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden seit Oktober 2023 insgesamt fast 14.000 Menschen aus dem Gazastreifen medizinisch evakuiert. Mehr als 6.400 von ihnen waren Kinder, wobei die Zahlen zuletzt stark sanken. Im ersten Kriegsjahr wurden noch insgesamt 4.163 Kinder aus dem Gazastreifen zur medizinischen Behandlung ins Ausland gebracht, im folgenden Kriegsjahr waren es nur noch 1.241, und im dritten Kriegsjahr sank die Zahl auf 1.014. Derweil warten nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen aktuell 21.000 Menschen auf eine medizinische Behandlung im Ausland - ein Viertel davon sind Kinder.
"Den Kindern im Gazastreifen wird eine echte Kindheit verwehrt", sagt Ahmad Alhendawi, Regionaldirektor von Save the Children. "Die Jahre, in denen Kinder lernen, spielen und von ihrer Zukunft träumen sollten, sind von Gewalt, Verlust, Hunger und Vertreibung geprägt. Die internationale Gemeinschaft muss mehr tun, damit palästinensische Kinder und Familien, die vom Krieg im Gazastreifen betroffen sind, die Fürsorge, den Schutz und die Unterstützung erhalten, die sie benötigen."
Save the Children fordert einen dauerhaften Zugang zu humanitärer Hilfe und spezialisierter medizinischer Versorgung. Dies soll zunächst durch die Wiedereröffnung des medizinischen Korridors zum Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, gewährleistet werden. Sofern eine Behandlung in den besetzten Palästinensischen Gebieten nicht möglich ist, müssen Überweisungen in andere Länder sichergestellt werden. Dabei muss das Recht der Patient*innen auf Rückkehr gewahrt bleiben.
Save the Children betreibt im Gazastreifen aktuell zwei Kliniken für die medizinische Erstversorgung und leistet weitere wichtige Unterstützung für Kinder und ihre Familien. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo betreut die Kinderrechtsorganisation Kinder aus dem Gazastreifen. Viele von ihnen leiden unter psychischen Belastungen, darunter Sprachstörungen, Aggressionen und traumabedingte Autoimmunerkrankungen. Der Bedarf an Unterstützung ist riesig. In einem der Schutz- und Spielräume, genannt "Little Gaza", werden 750 Kinder und ihre Familien betreut, auf der Warteliste stehen 5.000 weitere Namen. Das Projekt droht jedoch geschlossen zu werden, weil die langfristige Finanzierung nicht gesichert ist.
Die neunjährige Layan* erhält in "Little Gaza" Unterricht nach dem palästinensischen Lehrplan, nachdem sie zwei Jahre lang nicht zur Schule gehen konnte. Sie lebt in Kairo mit ihrer Mutter, die für eine Brustkrebsbehandlung ausreisen durfte. Ihr zehnjähriger Bruder Mohamed* musste im Gazastreifen zurückbleiben. Da der Vater verstorben ist, wird er abwechselnd von seinen Tanten betreut. Layan leidet aufgrund der Belastungen des Krieges an der Autoimmunerkrankung Vitiligo.
In "Little Gaza" können die Kinder Abstand zu den Kriegserlebnissen gewinnen, gemeinsam spielen und lernen. Ein Junge überwand durch den Kontakt mit anderen Kindern und durch professionelle psychologische Unterstützung sein Stottern, das er während des Krieges entwickelt hatte. Seit 2023 hat Save the Children in Ägypten rund 18.000 Palästinenser*innen aus dem Gazastreifen mit medizinischer Versorgung, psychosozialer Betreuung, Bildungsangeboten, Kinderschutzmaßnahmen und Bargeldhilfen unterstützt.
Jedes Kind hat ein Recht auf Gesundheit und medizinische Versorgung. Dieses Recht ist in der UN-Kinderrechtskonvention verankert. Im Gazastreifen haben drei Jahre Angriffe durch israelische Streitkräfte sowie Beschränkungen beim Zugang für Hilfsgüter und Waren dazu geführt, dass zehntausende Kinder keine Hilfe erhalten. Nach UN-Angaben sind alle Krankenhäuser beschädigt und nur die Hälfte noch teilweise funktionsfähig. Die seit einem Jahr geltende Waffenruhe existiert nur auf dem Papier (https://www.savethechildren.net/news/gaza-ceasefire-exists-name-only-say-more-100-organizations), wie Save the Children gemeinsam mit mehr als hundert weiteren Organisationen kritisiert.
* Name zum Schutz geändert
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.
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