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Der Anbieter von Kreuzfahrten und TUI-Rivale Norwegian Cruise Line hat am Donnerstag starke Zahlen vorgelegt. Diese belohnten Investoren umgehend mit starken Kursgewinnen.
Für TUI und Co. kommt der Wind aktuell von vorne!
Für Tourismus-Konzerne und die Anbieter von Kreuzfahrten war 2026 ein außerordentlich herausforderndes Jahr. Die anhaltende Konsumflaute sorgte für Gegenwind bei den Buchungszahlen, während explodierende Treibstoffkosten die Erträge belasteten. Die Aktie von Unternehmen wie Booking, Carnival und TUI spiegeln diese Belastungen mit hartnäckigen Abwärtstrends wider.
Doch es gibt auch Zahlen die Hoffnung machen. Am Donnerstag hat insbesondere Norwegian Cruise Line positiv überraschen können. Die Geschäfte entwickelten sich besser als erwartet und auch die Ertragseinbußen fielen nicht so hoch aus wie befürchtet. In der Folge kam es zu einer Erleichterungs- und Erholungsrallye der Aktie, was zu frischen Kaufsignalen geführt hat. Darüber hinaus ist auch die Unternehmensbewertung attraktiv.
Norwegian Cruise Line gelingt die Überraschung
Im Vergleich zum Vorjahresquartal blieben die Erlöse mit 2,9 Milliarden US-Dollar stabil. Das genügte, um die Analystenerwartungen um 20 Millionen US-Dollar zu schlagen. Die eigentliche Überraschung lieferte Norwegian Cruise Line allerdings beim Gewinn, der mit 1,12 US-Dollar pro Aktie (Non-GAAP) um 18 Cent über den Erwartungen und damit trotz stark gestiegener Treibstoffkosten nur um 8 Cent unter dem Vorjahresergebnis lag.
Während die Ticketerlöse um rund 100 Millionen US-Dollar auf 1,945 Milliarden US-Dollar fielen, konnte der Konzern sich bei Onboard-Einnahmen in derselben Größenordnung steigern. Die Kosten für Treibstoff kletterten um etwa 20 Millionen US-Dollar auf 195,7 Millionen US-Dollar, prozentual stiegen vor allem die Ausgaben für Lebensmittel stark. Hier mussten mit 92,0 Millionen US-Dollar rund 10 Millionen US-Dollar mehr ausgegeben werden.
Unter Berücksichtigung von steuerlichen Rückerstattungen legte der auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallende Nettogewinn auf berichteter Basis sogar zu. Hier steigerte sich das Unternehmen auf 491,5 Millionen US-Dollar gegenüber 419,3 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Auf bereinigter Basis gab der Ertrag jedoch von 595,8 auf 513,8 Millionen US-Dollar nach.
Gewinnprognose angehoben, Buchungen okay
Seine Gesamtjahresprognose hat der Konzern nach dem überraschend guten Abschneiden angehoben. Erwartet wird jetzt ein bereinigter Gewinn von 1,70 US-Dollar pro Aktie, bislang hatte das Management nur mit 1,50 US-Dollar gerechnet, die Analystenschätzungen lagen bei 1,55 US-Dollar. Das bereinigte EBITDA soll sich unterdessen auf 2,55 Milliarden US-Dollar belaufen.
Bezüglich der Buchungszahlen zeigte sich Norwegian Cruise Line etwas zuversichtlicher als noch im vergangenen Quartal, das Management sprach jedoch weiterhin von unter der "optimalen Bandbreite" liegenden Nachfrage. Für kurzfristige Wachstumsimpulse soll die Inbetriebnahme der Seven Seas Prestige, einem Schiff für Luxuskreuzfahrten sorgen, die in Q4 erfolgen wird.

Erleichterungsrallye: Aktie legt zweistellig zu
Konnte sich die Aktie in den Tagen vor den Quartalszahlen bereits geringfügig von frischen Mehrjahrestiefs erholen. zeigten sich Händlerinnen und Händler am Donnerstag deutlich erleichtert über das solide Abschneiden. Die Anteile legten um 13,5 Prozent zu und koppelten sich so von einem nach den Zahlen von Alphabet und Microsoft schwachen Gesamtmarkumfeld ab.
Gegenüber dem Stand vor einem Jahr steht jetzt ein Minus von 18,0 Prozent zu Buche, doch mit dem Anstieg über die 50-Tage-Linie und dem Vorzeichenwechsel im Trendstärkeindikator MACD sind der Aktie gleich zwei prozyklische Kaufsignale gelungen, die jetzt für eine auch nachhaltige Erholung sorgen könnten. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist zwar kurzfristig etwas überkauft, aber bereits bei 17,50 US-Dollar liegt eine ebenfalls zurückeroberte Unterstützung, die zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen begrenzen könnte.
Fazit: Bewertung bietet noch Platz nach oben!
Mit Blick auf die Bewertung handelt Norwegian Cruise Line auf Basis der unternehmenseigenen Gewinnprognose mit einem KGVe von 10,7. Das liegt nicht nur deutlich unter dem 5-Jahres-Mittel von 14,2, sondern auch unter den Gewinnvielfachen der Mitbewerber Carnival (12,7) und Royal Caribbean (17,4). Gleichzeitig überzeugt das Unternehmen vor allem mit einer Cashflow-Rendite von über 20 Prozent - die allerdings wird auch benötigt, um die Verschuldung von knapp 15 Milliarden US-Dollar zu reduzieren, die gegenwärtig rund dem 6-Fachen des EBITDA entspricht.
Insgesamt bietet die Aktie auf dem aktuellen Kurs- und Bewertungsniveau aussichtsreiche Chancen auf moderate Kursgewinne. Zwar impliziert das gegenwärtige Analystenziel von 18,88 US-Dollar nur noch ein Aufwärtspotenzial von 3,6 Prozent, allerdings dürften die Kursziele nach den überraschend gut ausgefallenen Ertragsergebnissen nach oben angepasst werden. Kurszielanpassungen könnten damit gleichzeitig weitere Impulse für fortgesetzte Erholungsgewinne liefern - gegenüber TUI zu bevorzugen, das mit einem Kurs unterhalb der 50-Tage-Linie mit technischen Schwierigkeiten kämpft!
Gastautor: Max Gross
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