DJ KONJUNKTUR IM BLICK/Euroraum-Inflation sinkt - US-Midterms im Blick
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Weder Federal Reserve noch Europäische Zentralbank (EZB) haben bei ihren jüngsten geldpolitischen Sitzungen ihre Zinsen angehoben, dabei aber durchblicken lassen, dass es künftig zu Zinsanhebungen kommen dürfte. Volkswirte bezweifeln allerdings, dass die Zentralbanken dabei so entschlossen vorgehen werden, wie das an den Geldmärkten eingepreist ist. Sie schauen auf die nächsten Inflationsdaten, von denen es - im Falle der EZB - bis zur nächsten Ratssitzung im Dezember noch zwei geben wird. Und die erste dieser beiden steht am Mittwoch an. Weitere wichtige Termine der Woche: US-Arbeitsmarktbericht (Freitag) und Zinsentscheidung der Bank of England (Donnerstag).
Aber zunächst blickt die Welt auf die USA, wo sich die Republikaner auf eine krachende Niederlage bei den Zwischenwahlen (Midterms) zum Kongress gefasst machen dürfen.
US-Zwischenwahlen ändern Mehrheiten - nicht die Außenpolitik
Die Wahlen dürftem die Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändern, wobei fraglich ist, ob das deutliche Veränderungen in der Zoll- oder Außenpolitik der USA nach sich ziehen wird. Das Repräsentantenhaus, wo die Republikaner derzeit eine knappe Mehrheit haben, wird komplett neu gewählt. Politische Analysten erwarten, dass die Demokraten auf jeden Fall hier die Mehrheit der Sitze erringen werden.
Im Senat, wo die Republikaner ebenfalls über eine knappe Mehrheit verfügen, sind nur 35 Prozent der Sitze neu zu besetzen, und hier könnte das Rennen knapper ausgehen. Aber selbst für den Fall eines "Sweep", also einer Übernahme beider Häuser durch die Demokraten, würde Präsident Donald Trump den Krieg gegen den Iran weiterführen können: Ein Entzug von Haushaltsmitteln für Kriegszwecke würde unweigerlich ein Veto Trumps nach sich ziehen, welches wiederum nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Häusern überstimmt werden könnte.
Die Wahlen finden am Dienstag statt, und an der US-Küste schließen die ersten Wahllokale um 24:00 Uhr MEZ. Erste Trends sollten sich also in den frühen Morgenstunden des Mittwochs abzeichnen.
Euroraum-Inflation steigt im Oktober
Der Inflationsdruck im Euroraum dürfte im Oktober etwas zugenommen haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent gestiegen sind und um 3,9 (September: 3,8) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Raten von 0,3 und 2,5 (2,5) Prozent prognostiziert. Die Zahlen werden am Mittwoch (11.00 Uhr) veröffentlicht. In Deutschland ist der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) mit einer Jahresrate von 2,8 (3,3) Prozent gestiegen, in Frankreich um 3,8 (3,4) Prozent, in Italien um 5,6 (4,2) Prozent und in Spanien um 4,9 (5,0) Prozent.
Deutscher Auftragseingang im steigt im September
Der Auftragseingang der deutschen Industrie hat im August einen kräftigen Satz nach unten gemacht: minus 10,6 Prozent. Gemildert wurden diese Schock einerseits durch die insgesamt gut gefüllten Auftragsbücher der Unternehmen und andererseits dadurch, dass die Ursache die unterdurchschnittliche Zahl von Großaufträgen war. Entscheidender für die Produktion und damit das Wirtschaftswachstum sind zumindest kurzfristig die Bestellungen ohne solche Großaufträge. Allerdings sinken die bereits seit April - wenn auch nicht so deutlich.
Für September wird nun ein Anstieg um 4,3 Prozent prognostiziert. Die zeitgleich zur Veröffentlichung (Donnerstag, 8.00 Uhr) anstehenden Zahlen zum Umsatz im verarbeitenden Gewerbe werden einen Vorgeschmack auf die am Freitag zu erwartenden Produktionszahlen geben.
Deutsche Produktion sinkt im September leicht
Mit der Veröffentlichung einer ersten Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal - plus 0,2 Prozent Quartalsrate - hat das Statistische Bundesamt die "gesamtwirtschaftliche Katze" schon aus dem Sack gelassen. Gleichwohl werden Analysten genau schauen, wie sich die Produktion im letzten Monat des dritten Quartals entwickelt hat, nachdem zuletzt ein überproportionaler Wachstumsbeitrag aus der Bauwirtschaft gekommen war. Für September wird ein Minus von 0,2 Prozent erwartet. Die Daten kommen am Freitag (8.00 Uhr).
Bank of England steht vor Zinserhöhung
Die Bank of England (BoE) steuert bei ihrer Sitzung am Donnerstag auf eine weitere Straffung zu. Am Markt wird mit einer Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte auf 4,00 Prozent gerechnet (Mitteilung 13.00 Uhr). Im Geldpolitischen Rat (MPC) zeichnet sich eine Mehrheit von 7 zu 2 Stimmen für den Schritt ab. Getrieben wird der Zinsschritt durch unerwartet hohe Inflationsdaten sowie deutlich gestiegene Öl- und Gaspreise. Zudem signalisieren robuste Einkaufsmanagerindizes eine anhaltende Widerstandskraft der britischen Wirtschaft gegenüber den hohen Kreditkosten. Parallel zum Zinsentscheid dürfte die Notenbank ihre Prognosen für Inflation und Wirtschaftswachstum nach oben korrigieren. Analysten rechnen mit einer Zinspause im Dezember, bevor im Februar 2027 ein abschließender Zinsschritt auf das Zyklushoch von 4,25 Prozent folgen könnte.
Zaghafte Belebung am US-Arbeitsmarkt
Nach dem schwachen Vormonat dürfte sich der US-Arbeitsmarkt zwar etwas gefangen haben, doch von spürbarem Schwung fehlt wahrscheinlich weiterhin jede Spur. Belastet durch hohe Zinsen und globale Unsicherheiten verzichten viele Firmen auf Kündigungswellen, meiden jedoch größere Neueinstellungen. Für Oktober rechnen Ökonomen mit einem Zuwachs von 55.000 (Vormonat: 29.000) Stellen. Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bei 4,2 Prozent verharren. Bei den Stundenlöhnen, die als Gradmesser für den Inflationsdruck gelten, wird mit Zuwächsen von 0,1 (0,3) Prozent gegenüber dem Vormonat und 3,0 (3,0) Prozent im Jahresvergleich gerechnet.
Für die Fed gewinnt das Inflationsrisiko indessen klar die Oberhand: Selbst wenn der Lohndruck nachlässt, treiben die durch den Iran-Krieg explodierten Energiepreise die Teuerung weiter an. Da der Arbeitsmarkt stabil genug dasteht und keine Anzeichen eines Absturzes zeigt, mehren sich die Zeichen für eine erneute Zinserhöhung im Dezember. Die Daten werden am Freitag (14.30 Uhr) veröffentlicht.
(Mitarbeit: Andreas Plecko)
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October 30, 2026 10:37 ET (14:37 GMT)
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