LIPPSTADT (dpa-AFX) - Der Autozulieferer Forvia Hella hat in den ersten neun Monaten wegen höherer Kosten für Elektronikbauteile operativ deutlich weniger verdient. Den Umsatz hielt das Unternehmen in einem rückläufigen Gesamtmarkt dagegen stabil. Die Prognose für das laufende Jahr wurde grundsätzlich bestätigt, wobei die Tochter des französischen Forvia-Konzerns beim Blick auf die operative Marge etwas vorsichtiger wurde.
Das operative Ergebnis sei bis Ende September um 13 Prozent auf 294 Millionen Euro gefallen, teilte das im MDax notierte Unternehmen am frühen Freitagabend nach Börsenschluss in Lippstadt mit. Der Umsatz lag mit 5,88 Milliarden Euro minimal über dem Vorjahreswert. Bereinigt um Währungseffekte sei der Erlös um ein Prozent auf etwas mehr als 5,9 Milliarden Euro gestiegen.
Die operative Marge sei um 0,8 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent gefallen. Das Unternehmen musste zudem einen Abfluss von Finanzmitteln von 99 Millionen Euro verkraften. In den ersten neun Monaten war der Cashflow noch positiv gewesen.
Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen weiter einen währungsbereinigten Umsatz zwischen rund 7,4 und 7,9 Milliarden Euro sowie eine operative Marge zwischen rund 5,4 und 6,0 Prozent an, wobei Hella-Chef Peter Laier jetzt nur noch von einem Wert am unteren Ende der Bandbreite ausgeht. 2025 hatte Hella währungsbereinigt rund 8 Milliarden Euro umgesetzt. Die Marge lag bei 6,0 Prozent.
"Wir agieren seit Beginn des Geschäftsjahres in einem volatilen, von hohem Wettbewerbsdruck geprägten Markt", sagte Laier. "Dass wir trotz eines rückläufigen Branchenumfelds unseren Umsatz stabil halten und die Entwicklung der Fahrzeugproduktion übertreffen konnten, zeigt unsere gute strategische Ausrichtung insbesondere in der Elektronik als unserem wesentlichen Wachstumsfeld."
"Darüber hinaus haben wir bereits frühzeitig Maßnahmen eingeleitet, um zusätzliche Kostenbelastungen abzufedern, und befinden uns in engem und intensivem Austausch mit unseren Kunden, um Preissteigerungen insbesondere bei Elektronikbauteilen zu kompensieren." Laier rechnet zudem damit, dass sich das Sparprogramm positiv auf das Ergebnis auswirken wird.
Hella leidet wie andere Zulieferer unter der schwachen Branchenlage in der Automobilindustrie. Die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen ging bis September den Westfalen zufolge um 0,7 Prozent zurück. Hella versucht, sich stärker auf die wachsenden Bereiche Elektronik und Ersatzteile auszurichten und spart im traditionellen Scheinwerferbereich.
Dort ging der Umsatz in den ersten neun Monaten um rund sechs Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro zurück. Im Geschäft mit Elektronikbauteilen zog der Umsatz dagegen um fünf Prozent auf etwas mehr als 2,7 Milliarden Euro an. Die Sparte wird in diesem Jahr erstmals in der Geschichte des Unternehmens der größte Bereich des Unternehmens werden.
"Maßgeblich hierfür ist insbesondere ein erfolgreiches Geschäft mit 77 GHz Radarsensoren, Steuerungselektronik wie etwa dem intelligent Power Distribution Module (iPDM, intelligentes Stromverteilungsmodul), sowie mit verschiedenen Energiemanagement-Komponenten", hieß es in der Mitteilung.
Die Aktie des Unternehmens gab nachbörslich im Vergleich zum Xetra-Schluss leicht auf 69,40 Euro nach. Das Papier büßte in diesem Jahr bereits knapp 16 Prozent ein. Seit dem Rekordhoch von etwas mehr als 94 Euro im März 2025 sank der Börsenwert des Unternehmens um etwas mehr als ein Viertel auf 7,7 Milliarden Euro. Etwas mehr als 80 Prozent der Anteile gehören Forvia.
Die Franzosen hatten Hella Anfang 2022 für etwas mehr als fünf Milliarden Euro übernommen. Der Angebotspreis für die Anteilseigner, die nicht der Gründerfamilie Hueck gehörten, lag bei 60 Euro je Aktie. Die Gründerfamilie hatte Hella 2014 an die Börse gebracht, dabei aber mit 60 Prozent die Mehrheit der Anteile behalten. 2021 verkauften sie dann ihre Hella-Anteile an Forvia./zb/tih/he




