ERIWAN (dpa-AFX) - Nach der 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP17) zeigen sich Umweltschützer verhalten, sehen aber auch Positives. Fast 200 Mitgliedsstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt haben seit dem 19. Oktober knapp zwei Wochen lang in der armenischen Hauptstadt Eriwan verhandelt - insgesamt einen Tag länger als geplant. Im Fokus stand dabei, wie selbstgesteckte Ziele für den Schutz der Artenvielfalt trotz Rückschlägen erreicht werden können.
Die Konferenz sei zwar von Kompromissen und Abschwächungen geprägt, liefere aber ein positives Ergebnis, teilte die Naturschutzorganisation WWF Deutschland mit. Es gebe "insgesamt mehr Süßes als Saures", sagte Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik und Wirtschaft beim WWF Deutschland. "Als wichtigstes Ergebnis begrüßt der WWF, dass sich die Staaten auf einen Aktionsplan geeinigt haben, um die Umsetzung der selbstgesetzten Ziele bis 2030 zu beschleunigen."
Es geht um 23 Ziele zur Artenvielfalt
Vor vier Jahren hatten sich die Staaten im Weltnaturvertrag auf 23 Ziele zum Schutz und zur Wiederherstellung der Artenvielfalt geeinigt, die sie bis 2030 erreichen wollen. Unter anderem sollen mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt werden.
Aus einem kurz vor der Konferenz veröffentlichten Zwischenbericht ging hervor, dass die Ziele ohne mehr Tempo bei der Umsetzung nicht erreicht werden können. Die Bestandsaufnahme und Wege zu einer schnelleren Umsetzung standen im Fokus der knapp zweiwöchigen Verhandlungen.
"Rückenwind für kommende Klimaverhandlungen"
Von Greenpeace hieß es, die Konferenz habe zwar einen Kurs für die Umsetzung des Weltnaturvertrags festgelegt, doch es fehle eine Antwort, die der im Zwischenbericht dargelegten Dringlichkeit gerecht werde.
Als Ergebnisse nannte die Organisation, dass schädliche Subventionen umgewidmet und mehr Geld für Naturschutz mobilisiert werden solle, Klima- und Naturschutz besser verzahnt werden sollten und die Beschlüsse der Konferenz Rahmenbedingungen für den Schutz der Wälder und Meere stärkten. Laut dem WWF gab es einen Kompromiss bei der Biodiversitätsfinanzierung, der kleine Schritte in Richtung künftiger Lösungen liefere.
"Die Beschlüsse der Weltnaturschutzkonferenz geben jetzt Rückenwind für die kommenden Klimaverhandlungen in Antalya und den Schutz der Hohen See", sagte Jannes Stoppel von Greenpeace Deutschland. Er sieht in ihnen auch eine Aufforderung an Deutschland, die Ziele des Weltnaturabkommens mit mehr Einsatz umzusetzen. Für internationalen Naturschutz müsse mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, "besonders auf direktem Wege für Indigene Gemeinschaften zum Beispiel im global wichtigen Amazonasgebiet".
Bundesumweltminister: Werden Engagement fortsetzen
Bundesumweltminister Carsten Schneider sagte: "Wir Europäer haben geschlossen und stark für die Natur verhandelt, aber es gab auch Bremser, die weniger Verantwortung übernehmen wollten, auch in finanziellen Fragen." Der SPD-Politiker kündigte an: "Wir werden unser Engagement für den Ausbau von Schutzgebieten an Land und auf See fortsetzen." Auch in Deutschland solle "planvoll die Wiederherstellung unserer Ökosysteme" angegangen werden./ksr/DP/zb
