SOFIA (dpa-AFX) - Im EU- und Nato-Land Bulgarien hat eine entscheidende Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Gegeneinander treten Amtsinhaberin Ilijana Jotowa, eine frühere Europaabgeordnete, und der konsequent prowestliche Ex-Interimsregierungschef Andrej Gjurow an. Der 50-jährige promovierte Ökonom wird vom reformwilligen liberal-konservativen Oppositionslager unterstützt.
Die Stichwahl wurde notwendig, da keiner der 27 Kandidatinnen und Kandidaten bei der ersten Runde am vergangenen Sonntag die absolute Mehrheit erreicht hat. Die beiden Bestplatzierten, Jotowa und Gjurow, erhielten jeweils 34,76 und 31,95 Prozent der Stimmen.
Beim ersten Wahlgang wurde die 62-jährige Jotowa von der allein regierenden Mitte-Links-Partei Progressives Bulgarien (PB) und von den Sozialisten (BSP) unterstützt, deren Sprecherin sie früher gewesen war. Für die Stichwahl sprachen ihr auch prorussische Nationalisten Unterstützung zu.
Ukrainekrieg prägt Wahl in Bulgarien
Der Ukrainekrieg unweit von Bulgarien verleiht der Wahl in dem Land an der Ostflanke der Nato eine neue Dimension. Jotowa setzte sich im Wahlkampf immer wieder für eine Friedenslösung für die Ukraine durch Verhandlungen mit Russland ein. Bei der Stichwahl dürfte entschieden werden, ob Jotowa die zurückhaltende Linie von Regierungschef Rumen Radew im Präsidialamt weiter fortsetzt, dessen Stellvertreterin sie vor seinem Rücktritt als Staatschef war.
Gjurow dürfte bei einem Wahlsieg andere außenpolitische Akzente setzen. Er lässt eine engere Orientierung an den westlichen Partnern erwarten sowie eine stärkere Unterstützung für die Ukraine im russischen Angriffskrieg.
Wahl als Test für Mitte-Links-Regierung
Steigende Lebenshaltungskosten und teure Treibstoffe bereiten den Menschen in einem der ärmsten EU-Länder immer mehr Sorgen. Die Präsidentschaftswahl gilt als Test für die Regierung nach einem halben Jahr im Amt, da die regierende Partei PB die Kandidatin Jotowa direkt unterstützt.
Rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte können bis 19.00 Uhr MEZ (20.00 Ortszeit) ihre Stimme abgeben. Prognosen von Meinungsforschern dürren erst nach Wahlschluss veröffentlicht werden. In der Wahlnacht wird kaum mit amtlichen Ergebnissen gerechnet./el/DP/zb
