NEU-DELHI (dpa-AFX) - Bei neuen Straßenprotesten gegen die umstrittene Überarbeitung von landesweiten Wählerverzeichnissen hat Indiens Opposition den Rücktritt des obersten Chefs der Wahlkommission gefordert. Dem Protestaufruf des Oppositionsbündnisses INDIA unter Leitung der Kongresspartei folgten Zehntausende von Menschen in der Hauptstadt Neu-Delhi, wie indische Sender berichteten. Die Entfernung von Kommissionschef Gyanesh Kumar sei der "erste Schritt, um das Land auf den richtigen Weg zu bringen", rief Oppositionsführer Rahul Gandhi bei der zentralen Kundgebung der Menge zu. Kumar würde durch sein Verhalten den Wahlprozess in Indien unterminieren.
Wochenlanger Streit
Die Diskussion um die Revision der Wählerverzeichnisse, bei der etwa 130 Millionen Namen gelöscht wurden, dauert schon seit Wochen. Kritiker werfen der unabhängigen Wahlkommission vor, die Änderungen in den Wahlregistern würden die hindu-nationalistische Regierungspartei BJP begünstigen. Die Kommission und die BJP weisen die Vorwürfe zurück.
Bei früheren Straßenprotesten, die insbesondere von der sogenannten "Kakerlaken"-Bewegung junger Menschen angeführt wurden, wurden in Delhi und anderen Städten Tausende von Menschen festgenommen. Die "Kakerlaken-Volkspartei" (CJP), die sich als "satirische politische Bewegung" bezeichnet und ihre Anhänger vor allem im Internet organisiert, unterstützte die Proteste der Opposition am Sonntag.
Die Kommission begründet die Überprüfung der Wählerlisten damit, dass doppelte Einträge sowie Namen von Verstorbenen oder nicht mehr Wahlberechtigten entfernt werden sollten. Gesundheitsminister Jagat Prakash Nadda von der BJP warf der Opposition angesichts der jüngsten Proteste "absichtsvolle Konspiration" vor./dg/DP/men
