
© Foto: Symbolbild mit KI erstellt
Ein Handelstag, und fast 30 % des Börsenwerts sind weg. ServiceNow erlebt den schwärzesten Tag seiner Börsengeschichte. Dabei wächst der Konzern weiter kräftig aber warum straft der Markt die Aktie dann so hart ab? Und noch wichtiger: Ist der Boden erreicht? Oder rutscht der Kurs jetzt Richtung 100 US-Dollar und womöglich darunter? Wir schauen auf die Zahlen, den Chart und die Stimmung an der Wall Street. Lesen Sie weiter, damit Sie erfahren, wo die Chancen für Sie liegen!
Rekord-Absturz: Anleger nehmen Reißaus
Es war ein Schock für alle Aktionäre. ServiceNow-Papiere brachen am Donnerstag um rund 27 Prozent ein und schlossen bei unter 110 US-Dollar. So tief ging es an einem einzigen Tag noch nie. Vor den Zahlen stand die Aktie bei rund 150 US-Dollar. Nun liegt sie knapp unter der Marke von 110. Wer Anfang 2025 nahe den Höchstkursen eingestiegen war, dürfte eventuell Tränen in den Augen gehabt haben. Die Erholung der letzten Monate ist damit fast komplett verpufft. Dabei sahen die Zahlen gar nicht so schlecht aus. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 20,5 Prozent auf 4,11 Milliarden US-Dollar. Das lag leicht über den Erwartungen. Beim bereinigten Gewinn je Aktie reichte es mit 1,00 US-Dollar aber nicht ganz für die erwarteten 1,02 US-Dollar, demnach fehlte es am großen Wurf. Genau den hatten die Anleger nach dem starken Lauf erwartet. Da er ausblieb, zeigte der Markt keine Gnade. Dazu kam der Ausblick. Für das vierte Quartal peilt ServiceNow 4,25 bis 4,26 Milliarden US-Dollar Umsatz an. Analysten hatten mit 4,36 Milliarden gerechnet. Das Wachstum der Vertragsbestände dürfte sich ebenfalls abschwächen. Dafür war wiederum positiv, dass das KI-Ziel für neue Verträge vom Konzern auf 1,7 Milliarden US-Dollar angehoben wurde, doch das reichte nicht, um die Angst vor der KI-Konkurrenz zu zerstreuen.
Charttechnik
Charttechnisch hat sich das Bild kräftig eingetrübt. Die Aktie fiel von einst rund 239,58 aus Anfang 2025 auf ein Tief bei 81,24 US-Dollar in diesem Jahr. Seit dem Sommer ging es wieder um etwa 70 Prozent nach oben. Diese Erholung hat der Donnerstag brutal gestoppt. Nach dem tiefen Absturz haben die Verkäufer klar die Oberhand. Die Stimmung ist angeschlagen. Wer jetzt kaufen will, greift womöglich in ein fallendes Messer. Wichtig ist jetzt die runde Marke von 100 US-Dollar. Sie wirkt wie ein Magnet und als psychologische Stütze. Hält sie nicht, ist der Weg Richtung 90 US-Dollar offen. Das Sommertief bei 81 US-Dollar bleibt dann die nächste größere Unterstützung. Eine Gegenbewegung wäre erst bei einem nachhaltigen Sprung über 125 US-Dollar glaubwürdig. Tagesschwankungen von mehreren Prozent sind derzeit normal. Bis dahin ist Vorsicht angebracht.

Was tun?
Fundamental bleibt ServiceNow ein starkes Unternehmen. Über 85 Prozent der Fortune-500-Konzerne zählen zu den Kunden, die Erneuerungsrate liegt bei 98 Prozent. Der Umsatz wächst um über 20 Prozent, die Free-Cashflow-Marge soll auf 36 Prozent steigen. Das spricht für Substanz. Goldman bleibt bei "Buy" mit Ziel 154 US-Dollar. Andere Beobachter sehen die Aktie auch nach dem Rutsch noch nicht als billig an. Unterm Strich passt eher die Seitenlinie momentan, um nicht Gefahr zu laufen, tatsächlich ins fallende Messer zu greifen. Das Geschäft läuft, der Chart ist aber schwach und die Bewertung bleibt teilweise "sportlich ambitioniert". Eine neutrale Haltung wirkt aktuell vernünftig. Die nächsten Wochen düften zeigen, wo der Boden liegt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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