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Verfehlte Erwartungen und eine drastische Verschlechterung des Cashflows haben die Alphabet-Aktie abstürzen lassen. Auch aus technischer Perspektive spitzt sich die Lage jetzt zu.
Alphabet-Aktie: Die KI-Euphorie ist Geschichte!
In der vergangenen Woche konnte Hyperscaler und Technologie-Gigant Alphabet mit seinen Quartalszahlen nicht überzeugen. Trotz starken Wachstums in seiner Cloud-Sparte patzte der Konzern sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten Gewinn pro Aktie. Gleichzeitig belasteten hohe Investitionsausgaben für Künstliche Intelligenz den Cashflow, der zum zweiten Mal in Folge sein Vorzeichen wechselte und auf -8,55 Milliarden US-Dollar abstürzte. Gleichzeitig legte die Gesamtverschuldung auf 150,3 Milliarden US-Dollar zu. Diesen Mix quittierten Anlegerinnen und Anleger mit zweistelligen Kursverlusten.
Viele Investoren wittern nach Abgaben von inzwischen 30 Prozent gegenüber den noch im April markierten Rekordnotierungen eine historische Einstiegschance. Das mag mit einem vordergründigen Blick auf die Unternehmensbewertung zwar gerechtfertigt sein, doch mit Blick in den Chart ist die Gefahr weiterer Kursverluste in den kommenden Wochen groß. Wer bereits jetzt einsteigt, könnte sich mächtig die Finger verbrennen.
Technische Ausgangslage dramatisch verschlechtert
Übergeordnet befindet sich die Alphabet-Aktie in einem mehrjährigen Aufwärtstrend, besonders dynamisch entwickelte sich das Papier zwischen März 2025 und April diesen Jahres. Neben der KI-Fantasie heizte auch der Einstieg der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway die Kursentwicklung an. Die Rallye mündete in diesem Jahr jedoch in eine Übertreibungsphase. Deren Ende wurde durch überkaufte Zustände der Aktie sowie bearishe Divergenzen in den technischen Indikatoren RSI und MACD eingeleitet. Seither handelt Alphabet in einem korrektiven Abwärtstrend.
Inzwischen hat sich die Dynamik deutlich verschärft, denn nach dem Earnings-Absturz handelt Alphabet unter der im März 2025 etablierten Aufwärtstrendlinie sowie gleichzeitig unter den gleitenden Durchschnitten, in denen es mit einem Death Cross außerdem zu einem markanten Verkaufssignal gekommen ist. Zusätzlich wurde die Unterstützung bei 300 US-Dollar durch ein Gap-Down unterschritten. Damit ergibt sich ein technisch ganz schwaches Bild, das durch den Trendstärkeindikator MACD, der unter die Nulllinie gerutscht ist und damit einen neuen Abwärtstrend der Aktie anzeigt, vervollständigt wird.
Ausgeprägte Schwäche lässt weitere Verluste befürchten
Im Bereich von 280 US-Dollar trifft Alphabet zwar auf eine weitere Horizontalunterstützung, doch mehr als eine kurzfristige Gegenbewegung - ausgelöst durch einen auf Tageskursbasis überverkauften RSI - sollten sich Anlegerinnen und Anleger angesichts der ausgeprägten technischen Schwäche zunächst nicht erwarten. Es fehlen noch eine mögliche Trendwende vorbereitenden Frühindikatoren, wie bullishen Divergenzen. Auch klassische Erholungsmuster, darunter ein Rounding-Bottom oder eine Hammer-Kerze, fehlen noch. Das spricht dafür, dass sich die technische Schwäche fortsetzen wird.
Weitere Abwärtsziele im Bereich von 250 und 200 US-Dollar vor. Prozyklische Kaufsignale würden sich hingegen erst oberhalb von 335 bis 340 US-Dollar wieder ergeben. Schon das setzt jedoch eine Erholung um fast 20 Prozent voraus, für die es gegenwärtig jedoch keine Anzeichen gibt. Damit liegt ein für einen Einstieg ungünstiges Chance-Risiko-Verhältnis vor. Anlegerinnen und Anleger sollten dem Papier zunächst fernbleiben.
Fazit: Auch die Bewertung ist kritischer, als sie aussieht
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht für 2026 ein KGVe von 17,1 zu Buche. Das liegt um rund ein Viertel unter dem 5-Jahres-Mittel von 23,0 und suggeriert zunächst eine attraktive Einstiegschance. Doch dieses relativiert sich mit einem branchenüblichen Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) von 1,31, welches damit nur knapp unter dem historischen Durchschnitt von 1,39 liegt. Angesichts der wachsenden Verschuldung liegt das EV/EBITDA-Verhältnis mit 14,6 selbst nach der scharfen Korrektur über dem Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre. Das beweist, dass das KGV nur die halbe Wahrheit zeigt.
Angesichts der hohen Investitionsausgaben haben sich die Barmittelzuflüsse und damit auch das Kurs-Cashflow-Verhältnis deutlich verschlechtert. Damit schrumpfen auch die Möglichkeiten für das Unternehmen, eigene Aktien zurückzukaufen, was in den vergangenen Jahren ein wichtiger Kurstreiber war. Außerdem könnte sich die Bilanz des Unternehmens bald erheblich verschlechtern.
Aktuell stehen den Schulden von rund 150 Milliarden US-Dollar zwar gigantische Vermögenswerte in Höhe von 265 Milliarden US-Dollar gegenüber. Ein großer Teil davon, rund 209 Milliarden US-Dollar, sind allerdings Beteiligungsgewinne an Anthropic und SpaceX. Sollte es zu einer weiteren Eintrübung am Aktienmarkt kommen, würden die Buchgewinne hier rasch sinken, was die Verschuldungsquote und damit auch die Kreditwürdigkeit des Unternehmens in die Höhe treiben würde. Auch deshalb sollten Investoren jetzt erstmal auf Abstand bleiben.
Gastautor: Max Gross
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