Berlin (ots) -
Die Reaktion beweist, wie berechtigt die Kritik der Jugendlichen an der Regierungspolitik ist. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat nach den Jugendprotesten die Demonstrierenden pauschal diffamiert. Er sprach von Linken und "migrantischen Chaoten", die Demonstrationen gekapert hätten. Selbst Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mahnte daraufhin zur verbalen Abrüstung. Es müsse endlich damit aufgehört werden, Kinder, die hier geboren sind und die deutsche Staatsangehörigkeit haben, als Migranten zu bezeichnen. Damit hat er einen wichtigen Punkt angesprochen. Aber das ist längst nicht der einzige.
Dringend müssen die Missstände thematisiert werden, die bundesweit Zehntausende junge Menschen auf die Straße getrieben haben. Sie gehören zur Corona-Generation, die mit den Folgen der Pandemie weitgehend allein gelassen wurde. Erst schloss die Politik die Schulen, später war sie unfähig, Aufholprogramme zu organisieren. Nicht einmal die Schulgebäude werden instand gesetzt. Und jenseits der Metropolen ist der öffentliche Nahverkehr meistens nur rudimentär ausgebaut - dabei sind gerade Jugendliche darauf angewiesen.
Sie erleben ein Systemversagen nach dem anderen. Selbst die einfachsten Dinge funktionieren nicht. Zugleich leben sie in einem hochkomplexen Hightech-Zeitalter, dessen rasante Entwicklung mit massiver Umweltzerstörung einhergeht. Diese Diskrepanz zwischen alltäglicher Rückständigkeit und technologischer Hochmoderne ist schwer zu begreifen.
Gleichzeitig wachsen Jugendliche in der Schule in einer Leistungsgesellschaft heran, die ihnen suggeriert, jeder könne einen guten Abschluss erreichen und sich damit alle Möglichkeiten eröffnen. Tatsächlich gelingt das aber vor allem den Privilegierten, die den notwendigen familiären Rückhalt und die Ressourcen haben. Das schafft Frustration und Unmut. In einer solchen Situation ist ein Innenminister wenig hilfreich, der versucht, die Jugendlichen auseinanderzudividieren - in Linke, Migranten und solche, die ein berechtigtes Interesse haben zu demonstrieren.
Dabei ist vor allem eines wichtig: dass die junge Generation eine Zukunft hat. Immerhin sieht die für die Jugend zuständige Ministerin Karin Prien (CDU) die Notwendigkeit zum Austausch und plant ein Treffen mit der Bundesschülerkonferenz. Aber auch Prien ist im Rechtfertigungsmodus und versucht, einige progressive Ansätze der Bundesregierung, wie das Startchancen-Programm für Schulen, als umfassende Erfolge zu verkaufen. Dabei haben die Demonstrationen am Wochenende klargemacht, dass das nicht ausreicht. Zu selten denkt die Bundesregierung die Jugend mit, in der Bildung ebenso wenig wie in der Familien- und Sozialpolitik. Das muss sie ändern, und zwar jetzt.
Pressekontakt:
nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion
Telefon: 030/2978-1722
Original-Content von: nd.DerTag / nd.DieWoche, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/59019/6382857
Die Reaktion beweist, wie berechtigt die Kritik der Jugendlichen an der Regierungspolitik ist. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat nach den Jugendprotesten die Demonstrierenden pauschal diffamiert. Er sprach von Linken und "migrantischen Chaoten", die Demonstrationen gekapert hätten. Selbst Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mahnte daraufhin zur verbalen Abrüstung. Es müsse endlich damit aufgehört werden, Kinder, die hier geboren sind und die deutsche Staatsangehörigkeit haben, als Migranten zu bezeichnen. Damit hat er einen wichtigen Punkt angesprochen. Aber das ist längst nicht der einzige.
Dringend müssen die Missstände thematisiert werden, die bundesweit Zehntausende junge Menschen auf die Straße getrieben haben. Sie gehören zur Corona-Generation, die mit den Folgen der Pandemie weitgehend allein gelassen wurde. Erst schloss die Politik die Schulen, später war sie unfähig, Aufholprogramme zu organisieren. Nicht einmal die Schulgebäude werden instand gesetzt. Und jenseits der Metropolen ist der öffentliche Nahverkehr meistens nur rudimentär ausgebaut - dabei sind gerade Jugendliche darauf angewiesen.
Sie erleben ein Systemversagen nach dem anderen. Selbst die einfachsten Dinge funktionieren nicht. Zugleich leben sie in einem hochkomplexen Hightech-Zeitalter, dessen rasante Entwicklung mit massiver Umweltzerstörung einhergeht. Diese Diskrepanz zwischen alltäglicher Rückständigkeit und technologischer Hochmoderne ist schwer zu begreifen.
Gleichzeitig wachsen Jugendliche in der Schule in einer Leistungsgesellschaft heran, die ihnen suggeriert, jeder könne einen guten Abschluss erreichen und sich damit alle Möglichkeiten eröffnen. Tatsächlich gelingt das aber vor allem den Privilegierten, die den notwendigen familiären Rückhalt und die Ressourcen haben. Das schafft Frustration und Unmut. In einer solchen Situation ist ein Innenminister wenig hilfreich, der versucht, die Jugendlichen auseinanderzudividieren - in Linke, Migranten und solche, die ein berechtigtes Interesse haben zu demonstrieren.
Dabei ist vor allem eines wichtig: dass die junge Generation eine Zukunft hat. Immerhin sieht die für die Jugend zuständige Ministerin Karin Prien (CDU) die Notwendigkeit zum Austausch und plant ein Treffen mit der Bundesschülerkonferenz. Aber auch Prien ist im Rechtfertigungsmodus und versucht, einige progressive Ansätze der Bundesregierung, wie das Startchancen-Programm für Schulen, als umfassende Erfolge zu verkaufen. Dabei haben die Demonstrationen am Wochenende klargemacht, dass das nicht ausreicht. Zu selten denkt die Bundesregierung die Jugend mit, in der Bildung ebenso wenig wie in der Familien- und Sozialpolitik. Das muss sie ändern, und zwar jetzt.
Pressekontakt:
nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion
Telefon: 030/2978-1722
Original-Content von: nd.DerTag / nd.DieWoche, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/59019/6382857
© 2026 news aktuell
