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Die US-Midterms können Trumps Macht beschneiden und neue Unruhe auslösen. Für Schwellenländer-ETFs zählen dabei vor allem Zölle, Exportkontrollen und der US-Dollar. Eine HKCM-Analyse.
Am 3. November wählen die USA ihren Kongress neu. Das betrifft nicht nur amerikanische Anleger, sondern auch alle Anleger, die in Schwellenländer-ETFs investiert sind. Denn die größten Werte in diesen ETFs hängen direkt an der Politik in Washington.
Wie schnell Politik Märkte erschüttern kann, hat zuletzt Brasilien gezeigt. Nach dem überraschenden Wahlsieg von Amtsinhaber Lula brach der Leitindex Ibovespa an einem Tag zeitweise um 17 Prozent ein, so stark wie seit März 2020 nicht mehr. Für breit aufgestellte Schwellenländer-ETFs war das allerdings nur ein Nebenschauplatz: Brasilien macht dort weniger als 4 Prozent aus.
Weit mehr Gewicht haben Taiwan, Südkorea, China und Indien. Gerade ihre großen Konzerne sind stark von Zöllen, Exportregeln und dem US-Dollar abhängig. Was die Midterms für Schwellenländer-ETFs bedeuten können, zeigt die folgende HKCM-Analyse.
Ein Schwellenländer-ETF ist vor allem eine Wette auf Asiens Chips
Im MSCI Emerging Markets, dem wichtigsten Index für Schwellenländer-ETFs, ist Taiwan mit knapp 29 Prozent das mit Abstand größte Land. Dahinter folgen Südkorea mit gut 21 Prozent, China mit knapp 20 Prozent und Indien mit rund 11 Prozent. Zusammen kommen diese vier Länder auf rund 80 Prozent des Index. Allein der taiwanische Chiphersteller TSMC hat ein Gewicht von rund 14 Prozent.
Das war nicht immer so. 2009 entfiel noch fast ein Viertel des Index auf Brasilien und die übrigen Länder Amerikas, 2025 waren es nur noch gut 7 Prozent. Aus der einstigen Wette auf Rohstoffe ist eine Wette auf asiatische Halbleiter geworden.
Genau das macht die Midterms so relevant. TSMC, Samsung und SK Hynix erzielen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze mit US-Technologiekonzernen und sind direkt von Washingtons Zoll- und Handelspolitik betroffen.

Taiwan, Südkorea und China dominieren den MSCI Emerging Markets, Brasilien spielt nur eine Nebenrolle.
Darum geht es bei den Midterms
Bei den Zwischenwahlen steht Trump selbst nicht zur Wahl. Neu bestimmt werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat. Verliert Trumps Partei die Mehrheit, können die Demokraten Gesetzesvorhaben blockieren und über den Haushalt mitbestimmen.
Zudem haben die Demokraten für den Fall eines Sieges Untersuchungen angekündigt, unter anderem zu den Geschäften der Trump-Familie, zum Iran-Krieg und zum Umgang mit den Epstein-Akten. Für die Märkte heißt das: Die politische Unruhe in Washington dürfte nach der Wahl eher zu- als abnehmen.
Für Schwellenländer zählt dabei vor allem der US-Dollar. Ein starker Dollar verteuert ihre Auslandsschulden und führt oft zu Kapitalabflüssen, ein schwächerer wirkt unterstützend. Mehrere Marktbeobachter rechnen nach der Wahl eher mit einem schwächeren Dollar, auch weil eine geschwächte Regierung weniger Druck auf Handelspartner ausüben könnte.
Diese fünf Bereiche hängen an Washington
1. Big Tech und Zinsen:
Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta investieren Milliarden in KI-Rechenzentren. Davon profitieren Chiphersteller in Asien ebenso wie Rohstoffproduzenten, etwa bei Kupfer und Silber. Treiben Zölle die Inflation an und hält die US-Notenbank die Zinsen länger hoch, kann das die Investitionen bremsen. Das spüren mit Verzögerung auch die Zulieferer in den Schwellenländern.
2. Halbleiter aus Taiwan und Südkorea:
Trump drohte 2025 mit Zöllen von bis zu 100 Prozent auf Chips von Herstellern, die nicht in den USA investieren. TSMC, Samsung und SK Hynix blieben verschont, weil sie Milliarden in amerikanische Werke stecken, TSMC allein rund 165 Milliarden US-Dollar in Arizona. Lässt der Druck aus Washington nach, wäre das ein positives Signal.
3. Chinas Technologiewerte:
Hier wirkt die US-Politik vor allem über Exportkontrollen. Nvidia hat nach Aussage von Konzernchef Jensen Huang im chinesischen Markt für KI-Chips keinen Marktanteil mehr, die Lücke füllen Anbieter wie Huawei. Jede Änderung der Regeln verschiebt die Gewichte zwischen amerikanischen und chinesischen Technologiewerten.
4. Mexikos Industrie:
Mexiko ist als Produktionsstandort für den US-Markt eng mit Washington verflochten, besonders in der Autoindustrie. In diesem Jahr steht zudem die Überprüfung des Freihandelsabkommens USMCA an.
5. Rohstoffe und Energie:Wie empfindlich diese Werte reagieren, zeigte Brasilien. Der Ölkonzern Petrobras verlor nach der Wahl in New York zeitweise rund 17 Prozent, der Chemiekonzern Braskem fast 39 Prozent. Zugleich hängt der Ölpreis stark an der US-Politik im Iran-Konflikt. In den USA kostete Diesel im September erstmals mehr als 6 US-Dollar pro Gallone im landesweiten Durchschnitt. Der Rekord lag bei über 6.50 US-Dollar.
Ob Chips, Exportkontrollen oder Zölle: Fünf Bereiche in den Schwellenländern reagieren besonders sensibel auf Entscheidungen aus Washington.
Trump bleibt der größte Unsicherheitsfaktor
Ein Machtgewinn der Demokraten muss die Lage nicht beruhigen. Gesetze und Haushalt könnte Trump dann nur noch mit Kompromissen durchsetzen, Zölle und Außenpolitik bleiben aber weitgehend in seiner Hand. Gerade ein innenpolitisch geschwächter Präsident könnte versuchen, über diese Hebel Stärke zu zeigen, etwa mit neuen Zöllen oder einer härteren Gangart im Iran-Konflikt.
Hinzu kommt die Frage, wie reibungslos die Wahl verläuft. Laut Pew Research Center erwarten nur 55 Prozent der Amerikaner einen fairen und korrekten Ablauf, vor den Midterms 2022 waren es noch 64 Prozent. Ein Streit um das Ergebnis würde die Unsicherheit an den Märkten deutlich erhöhen und Anleger eher aus riskanteren Anlagen wie Schwellenländern treiben.
Fazit: Der Blick muss nach Washington gehen
Für breit aufgestellte Schwellenländer-ETFs ist weniger entscheidend, was in Ländern mit geringem Indexgewicht passiert, als was in Washington passiert. Sie hängen an Zöllen auf Halbleiter, Exportregeln für China, der Zinspolitik der US-Notenbank und daran, wie Trump mit dem Ausgang der Midterms umgeht.
Umso wichtiger ist es, die großen Märkte im Blick zu behalten, von denen diese Entwicklungen ausgehen. Genau dort setzt das Index XL-Paket von der HKCM an. Es bündelt die Analysen zu S&P 500, Nasdaq, Dow Jones, Russell 2000, DAX, MDAX, Hang Seng und Nikkei 225, mit klar definierten Unterstützungen, Widerständen und Zielzonen.
Enthaltene Werte: IE00BKM4GXXX,GB00BP5FTXXX,IE00BTJRMXXX
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