BRÜSSEL (dpa-AFX) - Nach Cyberangriffen auf Kühlgeräte in mehreren europäischen Ländern hat die EU-Kommission zwei Krisentreffen einberufen. Dabei ging es vor allem darum, Informationen auszutauschen und das weitere Vorgehen abzustimmen, wie ein Sprecher der Kommission in Brüssel sagte.
An einer ersten Runde am Morgen nahmen demnach unter anderem die EU-Cybersicherheitsagentur Enisa, die Polizeibehörde Europol und die zuständigen Experten der Kommission teil. Auch das europäische Netzwerk für Cyberkrisen sei aktiviert worden. Dort habe die EU-Kommission sich mit Vertretern der Mitgliedstaaten und nationalen Behörden ausgetauscht.
Die Ermittlungen zu den Angriffen laufen nach Angaben des Sprechers bei den nationalen Behörden, die Kommission stehe mit ihnen in engem Kontakt. Wer hinter den Attacken steckt, ist bislang unklar. Die Vorfälle zeigten aber, dass Europa sich gemeinsam auf solche Angriffe einstellen müsse: "Das sind keine isolierten Vorfälle", sagte der Sprecher in Brüssel. Die EU müsse widerstandsfähig und auf solche Cyberangriffe vorbereitet sein.
Mehrere EU-Länder betroffen
Cyberkriminelle hatten in mehreren europäischen Ländern Kühlanlagen von Supermärkten manipuliert. Unter anderem aus Deutschland, Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden wurden Fälle bekannt. Kühlschränke und Tiefkühltruhen wurden dabei wärmer, teilweise mussten Lebensmittel aus dem Verkauf genommen oder entsorgt werden.
Bereits Mitte Oktober waren bei einem ähnlichen Angriff in Frankreich Kühlanlagen in rund 150 Geschäften betroffen. Ob die Vorfälle miteinander zusammenhängen, ist bislang nicht geklärt.
Warum sind Kühlschränke mit Internet verbunden?
Vernetzte Steuergeräte erlauben Herstellern und Betreibern, Temperaturen, Abtauzyklen und Alarme zentral zu überwachen. Zudem kann eine zentrale Steuerung der Anlagen über das Internet laut dem deutschen Umweltbundesamt dazu beitragen, den Energieeinsatz zu optimieren und somit Kosten zu sparen.
Die Vernetzung birgt aber auch Sicherheitsrisiken. Eine aktuelle Untersuchung des Cybersicherheitsunternehmen Forescout zeigt, dass fast 13.000 Kühlmanagement-Dienste in 99 Staaten über das öffentliche Internet erreichbar waren - und damit anfällig für Hackerangriffe. Einige Systeme liefen zudem mit veralteter Software ohne Sicherheitsupdates, heißt es im Forescout-Bericht vom Oktober 2026./bro/DP/stk
