
© Foto: von Laurenz Heymann auf Unsplash
Rekordumsatz, starkes iPhone, und trotzdem schickt die Börse die Aktie auf Talfahrt. Warum nur? Ganz einfache Antwort: Hinter den glänzenden Zahlen lauert möglicherweise Ärger. Die Margen schmelzen, weil Speicherchips so teuer werden wie nie. Das Wachstum außerhalb des iPhones schwächelt und auch im Chart sind Warnsignale erkennbar, die Anleger nicht ignorieren sollten. Fällt Apple jetzt auf 280 US-Dollar? Was die Zahlen wirklich aussagen, wo die entscheidende Marke liegt und was Anleger jetzt tun können, lesen Sie nachfolgend.
Rekord, aber ….
Apple liefert Rekordzahlen. Der Umsatz steigt um 12 Prozent auf 114,5 Milliarden US-Dollar, der Gewinn je Aktie liegt bei 2,10 US-Dollar. Die Analysten hatten weniger auf dem Zettel. Zunächst einmal klingt das alles gut, doch die Anleger jubeln nicht, im Gegenteil. Die Aktie rutschte später nach den Zahlen nachbörslich ab, denn unter der glänzenden Oberfläche knirscht es an mehreren Stellen gleichzeitig. Das iPhone läuft, keine Frage oder Diskussion. Plus 17 Prozent auf 57,6 Milliarden US-Dollar. Auch der Mac legt kräftig zu. Aber der Rest? Das iPad enttäuscht mit 6,2 Milliarden US-Dollar. Wearables, Home und Zubehör brechen um knapp 8 Prozent ein und in Großchina fehlt mehr als eine Milliarde zu den Erwartungen. Das Wachstum hängt an einem einzigen Produkt, was recht riskant erscheint und hinzu kommt das Dienstleistungsgeschäft. Es wächst nur noch um 9,8 Prozent und verliert an Tempo. Genau dieser Bereich sollte Apple eigentlich unabhängiger vom iPhone machen. Stattdessen senkt Apple die App-Store-Gebühren in mehreren Märkten. Der Gewinn bekam zwar Rückenwind durch Zollrückzahlungen aus den USA, aber das ist keine saubere operative Stärke, sondern nur ein Sondereffekt.

Charttechnik
Jetzt könnte es auch im Chart ungemütlich werden, denn der Oktober-Ausbruchsversuch ist gescheitert, es fehlte schlicht der weitere Schwung. Nach den Zahlen fällt die Aktie auf rund 331 US-Dollar zurück. Das nächste wichtige Level ist bei ca. 325 US-Dollar. Hält es nicht, kippt der bisher intakte Aufwärtstrend. Noch gilt das Bild als bullisch, aber es wackelt schon bedenklich und wenn es erstmal dreht, dann wartet keine Delle, sondern eher eine echte Korrektur. Dazu kommt auch ein Warnsignal im RSI. Der Indikator zeigt negative Divergenzen. Der Kurs macht höhere Hochs, die Dynamik darunter nicht mehr. Das ist oft ein Zeichen für schwindende Kraft. Rutscht die Aktie unter die Unterstützung, wäre eine weitere Topbildung möglich. Dann droht ein Rücksetzer in Richtung 280 bis 300 US-Dollar. Das wären rund 11 bis 17 Prozent weniger als jetzt. Nichts ist sicher, auch nicht dass die Aktie fällt, aber das Risiko steigt.
Was tun?
Die Bewertung macht die Lage heikel. Das KGV liegt, je nach Gewinnschätzung um die 35 auf Basis der nächsten zwölf Monate. Das ist deutlich mehr als beim S&P 500 im Schnitt. Der Kurs ist seit Juni um rund ein Viertel gestiegen. Apple gilt als sicherer Hafen und dafür zahlen Anleger auch mal etwas mehr, aber flacht das Wachstum weiter ab, passt der Preis nicht mehr. Dann muss neu gerechnet werden und neu gerechnet heißt meist: runter mit dem Kurs. Ebenfall wichtig ist, dass die Bruttomarge im Weihnachtsquartal auf 45 bis 46 Prozent fallen könnte und Chef John Ternus nennt den Kostenanstieg bei Speicherchips beispiellos. Beim neuen iPhone Duo für über 2.000 Euro hakt die Lieferung, die Termine rutschen in den Januar. Berichte über Risse im Display machen es nicht besser. Der Umsatzausblick von 7 bis 10 Prozent ist ein Lichtblick, wenn auch nur ein kleiner. Unser Urteil: Vorsicht schadet wohl nicht und wer Apple schon lange hält und im Plus liegt, kann mit einem Stopp absichern. Neueinsteiger warten möglicherweise besser ab. Fällt der Kurs Richtung 280 bis 300 US-Dollar, wird die Bewertung wieder spürbar "gesünder". Springt die Aktie dagegen über die Oktober-Hochs, wäre dieses Szenario hinfällig. Apple bleibt ein starkes Unternehmen. Aber stark heißt nicht unbedingt günstig oder billig.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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