Berlin (ots) -
Die Max Uwe Redler Stiftung zeichnet Prof. Dr. Paulina Sliwa, Universität Wien, für ihre wegweisenden Arbeiten zu Moral, Verantwortung und den Grundlagen menschlichen Zusammenlebens mit dem Deutschen Preis für Philosophie 2026 aus. Der mit 75.000 Euro dotierte Preis ist die bedeutendste Auszeichnung einer privaten Institution auf dem Gebiet der Philosophie und wird alle zwei Jahre verliehen.
In der Urteilsbegründung der Jury heißt es: "Sliwas Beiträge bestechen durch ihre begriffliche Präzision und verbinden ein Höchstmaß an Originalität mit einer ausgeprägten Sensibilität für die normativen Herausforderungen zwischenmenschlicher Beziehungen in modernen Gesellschaften."
Eine besondere Leistung Sliwas besteht darin, dass sie die Verbindung von moralischem Wissen, Urteilen und verantwortlichem Handeln neu bestimmt. Sie zeigt, dass moralische Urteilsfähigkeit sich nicht darin erschöpft, abstrakte Regeln anzuwenden. Entscheidend ist vielmehr, in konkreten Situationen zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können. Damit leistet Sliwa einen wichtigen Beitrag zu der Frage, was moralische Kompetenz ausmacht und wie sie mit verantwortlichem Handeln zusammenhängt.
Eine zentraler Beitrag Sliwas liegt zudem in ihrer Analyse von Entschuldigungen. Sie zeigt, dass Unwissenheit und begrenzte Handlungsmöglichkeiten Gründe sein können, das Handeln eines Menschen milder zu beurteilen, ohne ihn damit jeglicher Verantwortung zu entbinden. Damit ermöglicht sie ein genaueres Verständnis menschlicher Fehlbarkeit, ohne moralische Maßstäbe preiszugeben.
Darüber hinaus entwickelt Sliwa eine eigenständige Theorie moralischer Verantwortungsübernahme. Sie zeigt, dass es nicht reicht, sich selbst die Schuld zu geben oder Reue zu empfinden. Wer Unrecht tut, verändert die normative Beziehung zu anderen: Es entstehen Pflichten zur Anerkennung des Unrechts, zur Entschuldigung und gegebenenfalls zur Wiedergutmachung. Verantwortung ist demnach auch als Anerkennung und Übernahme dieser normativen Konsequenzen zu verstehen.
In ihren jüngsten Arbeiten zeigt Sliwa zudem eindrucksvoll, wie geschlechtlich geprägte Wahrnehmungsmuster zur ungleichen Verteilung von Haus- und Sorgearbeit beitragen. Damit erweitert Sliwa die feministische Philosophie um eine Theorie der Wahrnehmung, die erklärt, wie soziale Ungleichheit im Alltag reproduziert werden kann, ohne dass die Beteiligten sie bewusst beabsichtigen.
Die Preisträgerin: Paulina Sliwa ist seit 2021 Professorin für Moral und Politische Philosophie an der Universität Wien. Zuvor lehrte und forschte sie an der Universität Cambridge, wo sie von 2012 bis 2021 auch Fellow des Sidney Sussex College war. Sie hat Physik und Philosophie in Oxford studiert und anschließend am Massachusetts Institute of Technology in Philosophie promoviert.
Die Jury: Prof. Dr. Peter Strohschneider, Professor i.R. für Germanistische Mediävistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Vorsitzender der Max Uwe Redler Stiftung; Prof. Dr. Monika Betzler, Professorin für Praktische Philosophie und Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München; Prof. Dr. Christoph Möllers, Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Geert Keil, Professor für Philosophische Anthropologie an der Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Birgit Recki, Professorin für Philosophie, Ethik, Ästhetik und Kulturphilosophie, Universität Hamburg
Die Stiftung: Die nach ihrem Stifter, dem Hamburger Kaufmann Max Uwe Redler (1937-2006), benannte Stiftung in der Verwaltung des Stifterverbandes vergibt den Deutschen Preis für Philosophie seit 2014. Die bisherigen Preisträger waren Michael Quante (2014), Susanne Hahn (2017), Lisa Herzog (2019), Erasmus Mayr (2021) und Benjamin Kiesewetter (2024).
Weitere Informationen: https://www.redler-stiftung.de/
Die Preisverleihung findet am 29. Januar 2027 in Berlin statt.
Pressekontakt:
Max Uwe Redler Stiftung
c/o Deutsches Stiftungszentrum
Regionalbüro Hamburg
Colonnaden 68
20354 Hamburg
Tel. +49 40 806099-580
Mail: Mareike.Andresen@stifterverband.de
Original-Content von: DSZ Deutsches Stiftungszentrum GmbH, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/73964/6383902
Die Max Uwe Redler Stiftung zeichnet Prof. Dr. Paulina Sliwa, Universität Wien, für ihre wegweisenden Arbeiten zu Moral, Verantwortung und den Grundlagen menschlichen Zusammenlebens mit dem Deutschen Preis für Philosophie 2026 aus. Der mit 75.000 Euro dotierte Preis ist die bedeutendste Auszeichnung einer privaten Institution auf dem Gebiet der Philosophie und wird alle zwei Jahre verliehen.
In der Urteilsbegründung der Jury heißt es: "Sliwas Beiträge bestechen durch ihre begriffliche Präzision und verbinden ein Höchstmaß an Originalität mit einer ausgeprägten Sensibilität für die normativen Herausforderungen zwischenmenschlicher Beziehungen in modernen Gesellschaften."
Eine besondere Leistung Sliwas besteht darin, dass sie die Verbindung von moralischem Wissen, Urteilen und verantwortlichem Handeln neu bestimmt. Sie zeigt, dass moralische Urteilsfähigkeit sich nicht darin erschöpft, abstrakte Regeln anzuwenden. Entscheidend ist vielmehr, in konkreten Situationen zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können. Damit leistet Sliwa einen wichtigen Beitrag zu der Frage, was moralische Kompetenz ausmacht und wie sie mit verantwortlichem Handeln zusammenhängt.
Eine zentraler Beitrag Sliwas liegt zudem in ihrer Analyse von Entschuldigungen. Sie zeigt, dass Unwissenheit und begrenzte Handlungsmöglichkeiten Gründe sein können, das Handeln eines Menschen milder zu beurteilen, ohne ihn damit jeglicher Verantwortung zu entbinden. Damit ermöglicht sie ein genaueres Verständnis menschlicher Fehlbarkeit, ohne moralische Maßstäbe preiszugeben.
Darüber hinaus entwickelt Sliwa eine eigenständige Theorie moralischer Verantwortungsübernahme. Sie zeigt, dass es nicht reicht, sich selbst die Schuld zu geben oder Reue zu empfinden. Wer Unrecht tut, verändert die normative Beziehung zu anderen: Es entstehen Pflichten zur Anerkennung des Unrechts, zur Entschuldigung und gegebenenfalls zur Wiedergutmachung. Verantwortung ist demnach auch als Anerkennung und Übernahme dieser normativen Konsequenzen zu verstehen.
In ihren jüngsten Arbeiten zeigt Sliwa zudem eindrucksvoll, wie geschlechtlich geprägte Wahrnehmungsmuster zur ungleichen Verteilung von Haus- und Sorgearbeit beitragen. Damit erweitert Sliwa die feministische Philosophie um eine Theorie der Wahrnehmung, die erklärt, wie soziale Ungleichheit im Alltag reproduziert werden kann, ohne dass die Beteiligten sie bewusst beabsichtigen.
Die Preisträgerin: Paulina Sliwa ist seit 2021 Professorin für Moral und Politische Philosophie an der Universität Wien. Zuvor lehrte und forschte sie an der Universität Cambridge, wo sie von 2012 bis 2021 auch Fellow des Sidney Sussex College war. Sie hat Physik und Philosophie in Oxford studiert und anschließend am Massachusetts Institute of Technology in Philosophie promoviert.
Die Jury: Prof. Dr. Peter Strohschneider, Professor i.R. für Germanistische Mediävistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Vorsitzender der Max Uwe Redler Stiftung; Prof. Dr. Monika Betzler, Professorin für Praktische Philosophie und Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München; Prof. Dr. Christoph Möllers, Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Geert Keil, Professor für Philosophische Anthropologie an der Humboldt-Universität zu Berlin; Prof. Dr. Birgit Recki, Professorin für Philosophie, Ethik, Ästhetik und Kulturphilosophie, Universität Hamburg
Die Stiftung: Die nach ihrem Stifter, dem Hamburger Kaufmann Max Uwe Redler (1937-2006), benannte Stiftung in der Verwaltung des Stifterverbandes vergibt den Deutschen Preis für Philosophie seit 2014. Die bisherigen Preisträger waren Michael Quante (2014), Susanne Hahn (2017), Lisa Herzog (2019), Erasmus Mayr (2021) und Benjamin Kiesewetter (2024).
Weitere Informationen: https://www.redler-stiftung.de/
Die Preisverleihung findet am 29. Januar 2027 in Berlin statt.
Pressekontakt:
Max Uwe Redler Stiftung
c/o Deutsches Stiftungszentrum
Regionalbüro Hamburg
Colonnaden 68
20354 Hamburg
Tel. +49 40 806099-580
Mail: Mareike.Andresen@stifterverband.de
Original-Content von: DSZ Deutsches Stiftungszentrum GmbH, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/73964/6383902
© 2026 news aktuell
