WASHINGTON (dpa-AFX) - Die Demokraten haben US-Präsident Donald Trump bei den Kongresswahlen eine brutale Niederlage zugefügt. In etlichen Bundesstaaten triumphierten Menschen, die für ein anderes Amerika stehen wollen. Ein Überblick über die Gesichter der Nacht.
Donald Trump
Die Wähler sollten einfach so tun, als würde er zur Wahl stehen. Das sagte US-Präsident Trump immer wieder im Wahlkampf - und hat verloren. Zwar war mit Erfolgen der Demokraten gerechnet worden, die Deutlichkeit der Ergebnisse überraschte dennoch. Nachdem vor den Wahlen befürchtet worden war, Trump könnte diese am Ende nicht akzeptieren, blieb ihm in der Nacht nichts anderes übrig, als den Demokraten zu gratulieren. Gleichzeitig baute der 80-Jährige sofort seine Verteidigung auf. "Ich stand nicht auf dem Wahlzettel", sagte er dem Sender Fox News. In der Wahlnacht verbreitete er ein Bild einer roten Kappe mit der Aufschrift "VETO" - ein Verweis auf sein nur schwer einzuschränkendes Recht als Präsident, die Verabschiedung von Gesetzesinitiativen der Demokraten im Kongress zu stoppen.
Abdul El-Sayed (Senat/Michigan)
Der linke Demokrat entschied die Senatswahl im umkämpften Bundesstaat Michigan für sich. Für Trump und seine Republikaner war Abdul El-Sayed bei Wahlkampfauftritten das Feindbild schlechthin. Auch abseits Michigans attackierten sie den 42-Jährigen wieder und wieder: Sie stellten ihn als radikal linken "Kommunisten" dar, sprachen seinen Namen absichtlich falsch aus und rückten ihn in die Nähe von Islamisten. El-Sayed bezeichnete die Angriffe als Ausdruck von Ideenlosigkeit für Antworten auf die wirklichen Probleme des Landes. Auch ein parteiinterner Streit kurz vor den Midterms schadete El-Sayed nicht nachhaltig. Der Demokrat wird nun der erste muslimische US-Senator.
Jon Ossoff (Senat/Georgia)
Der 39-Jährige verteidigte seinen Sitz in Georgia mit Leichtigkeit erfolgreich. In den vergangenen Monaten wurde Jon Ossoff immer wieder als Hoffnungsträger der Demokraten porträtiert - und als möglicher Anwärter für die Präsidentschaftswahl 2028. "Ossoffs Sieg ist ein Beweis für sein Geschick sowohl als Senator als auch als Kandidat", kommentierte das Magazin "The Atlantic". Zwar habe er im Wahlkampf versprochen, seine zweite sechsjährige Amtszeit als Senator beenden zu wollen - doch andere Kandidaten hätten sich schon aus noch verbindlicheren Zusagen herausgewunden.
James Talarico (Senat/Texas)
Der 37 Jahre alte frühere Lehrer triumphierte für die Demokraten in der Republikaner-Hochburg Texas. James Talarico feierte den ersten Senatssieg eines Demokraten seit 1988 mit dem Verweis auf die biblische Geschichte von David gegen Goliath. Schon im Wahlkampf hatte er seinen - insbesondere in Texas wichtigen - christlichen Glauben immer wieder zum Thema gemacht. Er setzte auf eine Botschaft der Nächstenliebe und porträtierte Texas als einen Bundesstaat, dessen Stärke in seiner kulturellen Vielfalt liege. Ihm half, dass die Republikaner mit Ken Paxton einen Kandidaten aufgestellt hatte, der zwar Trumps Unterstützung hatte, aber durch politische Skandale belastet war.
Adam Hamilton (Senat/Kansas)
Der Sieg des Demokraten im Senatsrennen im Bundesstaat Kansas steht sinnbildlich für den Durchmarsch der Trump-Gegner. Erstmals seit 94 Jahren gewannen nicht die Republikaner in dem landwirtschaftlich geprägten Bundesstaat im Mittleren Westen. Dass der bisherige Amtsinhaber Roger Marshall überhaupt ernsthaften Wahlkampf betreiben musste, galt alleine schon als Überraschung. Adam Hamilton (62) ist Pastor, Buchautor - und im Vergleich zu Marshall politischer Neuling. In seinem Wahlkampf hatte er unter anderem Korruption in der Hauptstadt Washington angeprangert./mj/DP/mis
