In der Nacht ist die Indikation für den DAX auf außerbörslichen Handelsplattformen bereits auf ein neues Rekordhoch gesprungen, heute nun kann die neue Bestmarke offiziell gemacht werden. Zunächst dürften es die Anleger in Frankfurt allerdings etwas ruhiger angehen. Sie müssen die kräftigen Kursgewinne der vergangenen Handelstage erst einmal verarbeiten. An der grundsätzlich freundlichen Ausgangslage hat sich aber wenig geändert. Die Risikobereitschaft ist deutlich gestiegen, nachdem sich durch die neuen politischen Kräfteverhältnisse in den USA einige wichtige Rahmenbedingungen verschoben haben.
Besonders die Perspektiven für den Nahen Osten werden von den Investoren inzwischen neu bewertet. Die Hoffnung auf eine veränderte politische Dynamik und eine mögliche Entspannung des Konflikts hat die Energiepreise deutlich unter Druck gesetzt. Damit verlieren auch die Inflationssorgen vorerst an Intensität. Die Anleger bauen Risikoprämien ab, die noch vor wenigen Tagen die Aktienmärkte erheblich belastet hatten.
Allerdings profitieren längst nicht alle Branchen gleichermaßen vom Stimmungsumschwung. Insbesondere bei Halbleiter- und KI-Unternehmen bleibt die Skepsis hoch. Die Aussicht auf eine mögliche Verlangsamung beim Ausbau amerikanischer Rechenzentren wirft neue Fragen nach der künftigen Nachfrage nach Hochleistungschips auf. Diese Sorgen haben auch im asiatischen Handel nachgewirkt und vor allem Halbleiterwerte in Südkorea und Japan belastet. Während sich die Perspektiven für viele klassische Industrieunternehmen aufhellen, müssen die bisherigen Wachstumstreiber der Börsen ihre hohen Erwartungen erst wieder rechtfertigen.
Für den deutschen Aktienmarkt bleiben die Vorgaben dennoch konstruktiv. Mit Deutscher Telekom, Siemens Healthineers, Commerzbank und DHL haben gleich mehrere bedeutende Unternehmen ihre Quartalszahlen vorgelegt. Besonders bei der Deutschen Telekom dürften die angekündigte Dividendenerhöhung und das Aktienrückkaufprogramm auf positive Resonanz stoßen. Auch die Commerzbank kann mit einem besser als erwarteten Quartalsergebnis überzeugen. Die Berichtssaison liefert damit weiterhin Argumente für die jüngste Stärke des DAX und zeigt, dass die Aufwärtsbewegung zunehmend von einer breiteren Unternehmensbasis getragen wird.
Im weiteren Tagesverlauf richtet sich die Aufmerksamkeit auf die US-Arbeitsmarktdaten und die Zinsentscheidung der Bank of England. Auch die deutschen Auftragseingänge der Industrie und die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe dürften auf Interesse stoßen. Für den DAX könnte der heutige Handelstag damit zunächst im Zeichen einer Konsolidierung stehen. Nach dem rasanten Anstieg wäre eine Verschnaufpause weder überraschend noch ein Zeichen von Schwäche. Entscheidend ist vielmehr, dass die zuletzt deutlich gesunkenen Energiepreise und die nachlassenden Inflationssorgen die wirtschaftlichen Perspektiven nachhaltig verbessern. Die Börsen haben einen großen Teil dieser Hoffnung bereits eingepreist. Nun müssen die Fundamentaldaten nachziehen, damit aus der Erleichterungsrallye eine dauerhafte Aufwärtsbewegung wird.
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