In unserem aktuellen Marktbericht Börse stehen die weltweiten Finanzmärkte ganz im Zeichen der US-Zwischenwahlen. Die Demokraten sicherten sich beide Kammern mit deutlichem Vorsprung: Laut CNBC verfügen sie über mindestens 250 Sitze im Repräsentantenhaus und mindestens 54 Sitze im Senat. Sie triumphierten selbst in Wahlkreisen, die von den Republikanern zuvor strategisch neu zugeschnitten worden waren. Diese neue Mehrheit verleiht den Demokraten Vorladungsbefugnisse (subpoena power) für weitreichende Untersuchungen. Analysten warnen bereits, dass das zentrale Druckmittel ein harter Streit um die US-Schuldenobergrenze im Jahr 2027 werden könnte - ein Szenario, das die Börsen fürchten.
Nach der Niederlage schlägt Donald Trump versöhnliche Töne an. Gegenüber CNBC erklärte er, er könne mit den Demokraten in "weitaus mehr Dingen zusammenarbeiten, als die Menschen ahnen". Vizepräsident JD Vance machte indes offen den Iran-Konflikt für die republikanische Niederlage verantwortlich. Die Wähler spürten die Belastung durch teuren Treibstoff direkt im Geldbeutel. Entsprechend preist der Markt nun ein, dass Washington ein verstärktes Eigeninteresse an diplomatischen Lösungen anstelle weiterer Eskalation hat.
Im Nahen Osten mehren sich die Zeichen einer leichten Entspannung, wenngleich ein Abkommen noch aussteht. Trump betonte, die USA planten derzeit keine militärischen Schritte, während Katar seine Vermittlungsbemühungen intensiviert hat. Ein iranischer Vertreter räumte jedoch ein, dass beide Seiten "weiterhin weit auseinanderliegen". Im späten asiatischen Handel meldeten die iranischen Revolutionsgarden (IRGC), dass in der Straße von Hormus zwei Tanker und ein Schlepper in Brand geraten seien und ein Tanker auf einer "nicht genehmigten Route" auf eine Seemine gelaufen sei. Diese Berichte sind bislang nicht unabhängig bestätigt.
Der Wahlausgang belastet zudem den Rechenzentrumssektor. In Texas wurde die Demokratin Gina Hinojosa zur Gouverneurin gewählt, die strengere Auflagen für Data Center angekündigt hat. Im selben Bundesstaat investierte Elon Musk die Rekordsumme von 224 Millionen US-Dollar zur Unterstützung des Republikaners Ken Paxton - dennoch ging das Senatsmandat an James Talarico. Goldman Sachs schätzt, dass rund 45 - der geplanten US-Rechenzentrumskapazitäten in Staaten liegen, die ihre Regulierung verschärfen könnten; die Experten gehen jedoch von nur vorübergehenden Verzögerungen aus.
Zu den weiteren politischen Börsen News: Chinas Aufsichtsbehörden haben der Financial Times zufolge SoftBanks 5,4-Milliarden-Dollar-Übernahme der Robotiksparte von ABB die Genehmigung verweigert. Ein herber Rückschlag für die KI-Offensive von Masayoshi Son. In den USA vertagte eine Kommission des Weißen Hauses die Anhörung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook auf den 14. Dezember. Geklärt werden soll, ob Vorwürfe bezüglich ihrer Hypothekenanträge eine Entlassung rechtfertigen; Cook weist die Anschuldigungen zurück.
Notenbanken im Fokus: Bank of England vor Zinsschritt
Unter den Zentralbanken richtet sich der Blick heute primär auf die Bank of England (BoE). Der Markt erwartet die erste Leitzinserhöhung dieses Zyklus um 25 Basispunkte auf 4,00 - nachdem steigende Energiekosten die britische Inflation anheizten.
Das Protokoll der September-Sitzung der Bank of Japan (Zinserhöhung auf 1,25 - mit 7:2 Stimmen) signalisiert breite Unterstützung für weitere Straffungen - ein Ratsmitglied schloss selbst ein schnelleres Tempo nicht aus. Der Zuwachs der Ölpreise um rund 50 - seit Juli wurde als zentrales Inflationsrisiko genannt. Parallel räumte SNB-Präsident Martin Schlegel ein, dass die Schweizer Oktober-Inflation (1,5 - die Nationalbank überraschte, was Spekulationen auf einen Zinsschritt im Dezember nährt.
Gleichzeitig verändert das nachgebende Rohöl die Debatte rund um die US-Notenbank Federal Reserve. Zwar preisen die Futures weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im Dezember ein, Citi argumentiert jedoch, dass eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus die Fed von Erhöhungen zu Zinssenkungen bewegen könnte.
Konjunkturdaten aus Asien: Japans Dienstleistungs-PMI stieg auf 51,7 Punkte, der Composite-Index fiel jedoch wegen schwächerer Neueinstellungen auf ein Fünfmonatstief. Australiens Handelsbilanzüberschuss sprang auf 2,8 Mrd. AUD (Siebenmonatshoch), während Indonesiens BIP im dritten Quartal mit 5,47 - im Jahresvergleich die Prognosen (5,18 - übertraf....
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