DJ KONJUNKTUR IM BLICK/Eurogruppe diskutiert EZB-Personalien - US-Inflationsdaten
Von Hans Bentzien
DOW JONES--In den USA ist gerade eine Politik abgewählt worden, die neben Krieg und Tod auch Inflation, Deregulierung und Wirtschaftswachstum gebracht hat. Es ist natürlich noch nicht abzusehen wie genau sich der Wahlsieg der Demokraten bei den Midterms auf die tatsächliche US-Wirtschaftspolitik und damit irgendwann auch die Wirtschaft des Euroraums auswirken wird. Vorerst werden Zentralbanken weiterhin gegen eine zu hohe Inflation anzukämpfen haben - die EZB ab dem kommenden Jahr mit teilweise neu besetztem Direktorium.
Die Finanzminister des Euroraums (Eurogruppe) und werden bei ihrem Treffen am Montag über die Besetzung der anstehenden Vakanzen an der Spitze und im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) beraten. Nachdem EZB-Direktorin Isabel Schnabel ihren Abgang zum 3. Januar angekündigt hat und Christine Lagarde den ihrem zum 7. Februar, dürfte das Gremium ein Personalpaket schnüren, das - zu einem späteren Zeitpunkt - auch den am 31. Mai scheidenden Chefvolkswirt Philip Lane einschließen dürfte.
Heiße Präsidentschaftskandidaten sind der Niederländer Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernandez de Cos, wobei nicht vergessen werden sollte, dass Christine Lagarde 2019 als Überraschungskandidatin auftauchte. Dieses Mal dürfen sich die Franzosen keine Hoffnung auf das höchste EZB-Amt machen - aber vielleicht bekommen sie den Posten des Chefvolkswirts? Auch Deutschland wird weiterhin im Direktorium vertreten sein.
Beide Kandidaten für die EZB-Spitze haben in den vergangenen Jahren in der Geldpolitik Pragmatismus bewiesen, wobei der eine - Hernandez de Cos - eher von dovisher Seite kommt und der andere - der Knot - von hawkisher. Sie treten das Erbe einer Juristin an, die weder als das eine noch das andere etikettiert werden wollte und sich selbst als "Eule" bezeichnete. Lagardes Stil wird als sehr konsensorientiert beschrieben.
Inflationsdruck in den USA nimmt zu
Der Inflationsdruck in den USA dürfte im Oktober zugenommen haben. Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gestiegen sind und um 3,9 (September: 3,7) Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Für die Kernverbraucherpreise werden Raten von 0,2 und 2,7 (2,6) Prozent prognostiziert. Die Zahlen werden am Dienstag (14.30 Uhr) veröffentlicht.
Die Federal Reserve achtet vor allem auf den Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE). Dieser wird mit einer stärkeren Verzögerung veröffentlicht, basiert aber unter anderem auf Bestandteilen des Verbraucherpreisindex und des Erzeugerpreisindex. Für letzteren werden Oktober-Daten am Freitag (14.30 Uhr) veröffentlicht.
Eurostat bestätigt kräftiges Wirtschaftswachstum im 3Q
Das Wirtschaftswachstum des Euroraums hat sich im dritten Quartal ausweislich einer ersten Schätzung abgeschwächt, war aber immer noch doppelt so stark wie erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent, während Volkswirte einen Zuwachs von nur 0,2 Prozent prognostiziert hatten. Die revidierten Daten werden am Freitag (11.00 Uhr) veröffentlicht. Analysten erwarten, dass Eurostat das vorläufige Ergebnis bestätigen wird.
Maßgeblichen Anteil an der Wachstumsüberraschung hatte neben Irland (plus 5,5 Prozent) auch Deutschland, dessen BIP um 0,2 (Prognose: 0,0) Prozent anzog. Nach schwachen Daten für August und September ist allerdings nicht auszuschließen, dass diese Zahl nach unten revidiert werden muss.
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
DJG/hab/apo
(END) Dow Jones Newswires
November 06, 2026 05:00 ET (10:00 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.

