DJ TikTok erhält EU-Verwarnung wegen Inhalten im "Für dich"-Feed
Von Edith Hancock
DOW JONES--Tiktoks "Für dich"-Feed (Englisch: "For You" Feed) könnte Nutzern schaden, indem er sie wiederholt verstörenden Inhalten aussetzt. Dies teilte die Europäische Kommission mit und warnte, dass das Unternehmen gegen die EU-Vorschriften für Online-Inhalte verstoßen könnte.
Die Kommission - das Exekutivorgan der Europäischen Union - erklärte am Freitag in vorläufigen Untersuchungsergebnissen, TikTok solle das Design des "Für dich"-Feeds seiner Video-Sharing-Plattform ändern. So könne beispielsweise die Verweildauer der Nutzer bei Videos als Indikator für den Algorithmus deaktiviert werden, um ihnen nicht fortlaufend ähnliche Inhalte vorzuschlagen.
Dies ist Teil einer umfassenderen, jahrelangen Untersuchung gegen das Unternehmen im Rahmen des EU-Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA). Dieses verpflichtet populäre Plattformen wie TikTok dazu, mehr zum Schutz der Nutzer vor schädlichen Online-Inhalten beizutragen. Die Technologie-Aufsichtsbehörde der EU hatte TikTok bereits dieses Jahr mitgeteilt, dass das Unternehmen möglicherweise auch gegen die DSA-Vorschriften zum Schutz von Minderjährigen im Internet verstoße. Beanstandet wurden zudem Designs mit Suchtpotenzial durch Funktionen wie "endloses Scrollen", automatische Wiedergabe und Push-Benachrichtigungen.
EU-Beamte erklärten, TikTok habe womöglich nicht genug getan, um das Risiko einer Gefährdung der psychischen Gesundheit der Nutzer durch seinen "Für dich"-Algorithmus zu bewerten oder zu mindern. Der Fall konzentriert sich auf den sogenannten "Kaninchenbau"-Effekt (rabbit hole effect) in den sozialen Medien. Dabei werden Nutzer aufgrund der Erfassung ihrer Präferenzen durch einen Algorithmus zu immer intensiveren oder extremeren Inhalten rund um ein bestimmtes Thema geleitet. Die EU-Kommission teilte mit, dass die von dem Unternehmen ergriffenen Maßnahmen zur Minderung des "Kaninchenbau"-Risikos nicht wirksam zu sein scheinen. Zudem ermöglichten die Instrumente der Plattform den Nutzern offenbar keine effektive Kontrolle über die ihnen empfohlenen Videos.
Die EU-Kommission betonte, dass ihre Ergebnisse vom Freitag dem Ausgang der Untersuchung nicht vorgreifen. TikTok kann nun auf die Feststellungen der Kommission reagieren. Unternehmen drohen Geldbußen von bis zu 6 Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes, sollte die Kommission letztlich zu dem Schluss kommen, dass sie gegen den DSA verstoßen.
Kontakt: redaktion.de@dowjones.com
DJG/DJN/uxd/cbr
(END) Dow Jones Newswires
November 06, 2026 06:28 ET (11:28 GMT)
Copyright (c) 2026 Dow Jones & Company, Inc.

