
© Foto: Symbolbild mit KI erstellt
Eine weitere Gewinn-Warnung. Die Aktie fällt auf den tiefsten Stand seit Februar 2025. Fast die Hälfte des Jahreswerts: weg. Und trotzdem meldet Rheinmetall starke Quartalszahlen. Wie passt das zusammen? Die alte Kurslücke ist geschlossen. Doch der Druck könnte noch einmal wachsen, wenn der Gesamtmarkt ins Rutschen gerät. Wie tief kann es gehen? Und wann wird aus der Angst eine Chance? Das lesen Sie hier.
Prognose gekappt: Was hinter dem Absturz steckt
Es war ein Schock am Donnerstag. Rheinmetall hat die Jahresziele gekappt und das erneut. Also ein Wiederholungstäter. Der Umsatz soll 2026 nur noch bei rund 13,2 Milliarden Euro liegen, bisher waren 13,7 bis 14,2 Milliarden angepeilt. Die Marge sinkt auf etwa 18,5 Prozent. Die Aktie brach zeitweise um mehr als 15 Prozent ein und schloss bei ca. 840 Euro gut 15 Prozent im Minus. Aktuell nur noch bei um die 810 Euro. Der Grund? Das Boxer-Projekt Arminius verzögert sich, der Auftrag kommt nicht mehr in diesem Jahr. Auch bei der Artilleriemunition verschieben sich Abnahmen. Umsätze rutschen also ins neue Jahr. Der Finanzchef betont: Schuld seien Abläufe beim Kunden. J.P. Morgan zählt dagegen die fünfte Warnung binnen elf Monaten und zweifelt an den Zielen für die Gemeinschaftsunternehmen. Dabei sah das dritte Quartal stark aus. Der Umsatz stieg um fast ein Drittel auf 3,15 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 62 Prozent auf 553 Millionen. Unter dem Strich blieben 296 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Der Auftragsbestand liegt bei rund 78 Milliarden Euro. Nur der freie Cashflow blieb mit -82 Millionen Euro negativ.

Charttechnik
Der Absturz hat Spuren im Chart hinterlassen. Die Aktie ist auf den tiefsten Stand seit Februar 2025 gefallen. Damals war eine Kurslücke nach oben entstanden. Nun ist sie mustergültig wieder geschlossen, ein klassisches Muster. Vom Rekordhoch bei ca. 2.000 Euro fehlen somit schon ca. 60 Prozent. Alleine seit Jahresbeginn hat die Aktie fast die Hälfte ihres Werts verloren, aber ist damit alles ausgestanden? Nicht unbedingt. Der Druck könnte noch einmal zunehmen, nämlich dann, wenn der Gesamtmarkt zu bröckeln beginnt. Zuletzt gaben vor allem die Technologiewerte deutlich nach. Kommt eine breite Verkaufswelle, wären sogar Kurse zwischen 500 und 550 Euro möglich. Heute klingt das fast undenkbar. Im Sog eines fallenden Marktes ist es aber durchaus möglich. Dann wären das allerdings schon wieder eher Kaufkurse, zumindest aus heutiger Sicht.
Was tun?
Die Zahlen sprechen eine Sprache, die schwierig zu verstehen und zu interpretieren ist. Wachstum und Gewinn sind stark, der Auftragsbestand ist riesig. Gleichzeitig leidet das Vertrauen unter den vielen Korrekturen. Analysten senken ihre Kursziele, bleiben mit meist 1.000 bis 1.750 Euro aber klar über dem Kurs. Bernstein und Oddo BHF sind vorsichtiger geworden. Neueinsteiger sollten nicht alles auf einmal investieren, sondern in Etappen vorgehen und bei könnten eventuell bei weiter fallenden Kursen zukaufen. Wichtige Hinweise liefert sicherlich der Kapitalmarkttag am 26. und 27. November. Dort will Rheinmetall mehr zu 2027 und den Mittelfristzielen sagen. Bis dahin bleibt die Aktie etwas für Anleger mit starken Nerven, wo alles möglich ist.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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