ROM (dpa-AFX) - UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi rechnet nicht mit einer unmittelbar bevorstehenden großen Fluchtbewegung von Menschen aus Afghanistan nach Europa. Das Ausmaß hänge davon ab, wie hart die militant-islamistischen Taliban nach der Machtübernahme aufträten, sagte der Chef des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Freitag). In erster Linie seien Länder in der Region betroffen: Pakistan, der Iran und vielleicht auch Tadschikistan. Wenn diese stetige Hilfe bekämen, bestehe ein größeres "Risiko" für Europa.
Grandi hatte unlängst auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert. Dabei appellierte er an die Kanzlerin und andere Staats- und Regierungschefs, Afghanistan zu helfen. Das Nachbarland Pakistan hat in den vergangenen Jahrzehnten Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Zeitweise waren nach UN-Angaben vier bis fünf Millionen afghanischer Flüchtlinge in dem Land. Aktuell beherbergt Pakistan etwa 1,4 Millionen Afghanen, die als Flüchtlinge offiziell registriert sind, und etwa 600 000 Afghanen ohne Dokumente./jon/DP/jha
