DJ DIHK: Unternehmen beklagen zunehmende Handelshemmnisse bei Auslandsgeschäften
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Der russische Angriff auf die Ukraine und die daraus resultierenden Folgen für die Wirtschaft wirken nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) "wie ein Brennglas auf die Lage der auslandsaktiven deutschen Unternehmen". Schon vor Kriegsbeginn seien sie weltweit immer öfter auf Handelshemmnisse gestoßen, zeige die diesjährige Umfrage "Going International". An der Erhebung hatten sich in der ersten Februarhälfte rund 2.700 grenzüberschreitend tätige Unternehmen beteiligt, teilte der DIHK mit. 54 Prozent davon spürten eine akute Zunahme von Hürden bei ihren internationalen Geschäften.
"Das sind noch einmal mehr als im Jahr 2020 mit seinen zahlreichen Corona-Lockdowns und zugleich der höchste Wert, den wir in den vergangenen zehn Jahren gemessen haben", erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. 2017 habe hingegen noch nicht einmal ein Drittel der Unternehmen eine Zunahme von Handelshemmnissen registriert. "Trotz der weiterhin stabilen Exportzahlen stößt die deutsche Wirtschaft im weltweiten Handel häufiger an Grenzen - und das im wahrsten Sinne des Wortes", konstatierte Treier.
Auf der Liste der größten Handelshemmnisse standen den Angaben zufolge vor dem Krieg in der Ukraine mit jeweils 49 Prozent "lokale Zertifizierungsanforderungen" und "verstärkte Sicherheitsanforderungen", gefolgt von "intransparenter Gesetzgebung" (33 Prozent) und Zöllen (32 Prozent) sowie Sanktionen (24 Prozent). Die aktuelle Umfrage zeige auch, dass die Geschäfte deutscher Unternehmen auf internationalem Parkett im Vorjahresvergleich per Saldo zuletzt öfter schlechter als besser gelaufen seien - und das zum dritten Mal in Folge.
Hoffnungen auf einen Aufwärtstrend in diesem Jahr habe es trotz voller Auftragsbücher schon im Erhebungszeitraum nicht gegeben. "Für 2022 rechnen 18 Prozent der Betriebe mit einem Plus für ihr Auslandsgeschäft, aber 21 Prozent mit einem Minus", berichtete Treier.
Das allseits erwartete kräftige Aufholwachstum nach dem Corona-Tief 2020 bleibe damit aus. Stattdessen drohten sich die während der Pandemie entstandenen Handelshemmnisse zu verfestigen und den schon vorher feststellbaren Hang zum Protektionismus zu beschleunigen. Hinzu kämen nun die gegen Russland verhängten Sanktionen mit ihren noch unklaren Folgen für den Welthandel. Das bisher von der Kammerorganisation für 2022 prognostizierte Exportwachstum von 6 Prozent "ist nicht mehr zu schaffen", sagte Treier.
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March 03, 2022 03:30 ET (08:30 GMT)
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