DJ DIHK: Deutschland trotz schlechter Konjunktur bevorzugter Standort für Polen
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Trotz schlechter konjunktureller Prognosen bleibt Deutschland für internationale Investoren aus Polen ein bevorzugter Standort. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Konjunkturumfrage der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK Polen) unter polnischen Tochterunternehmen in Deutschland. 79,4 Prozent der polnischen Firmen auf dem deutschen Markt wollen demnach ihre Investitionsausgaben erhöhen oder beibehalten, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) anlässlich einer Konferenz der AHK mitteilte. Jeder fünfte Investor rechne mit einer Steigerung seiner Beschäftigtenzahl.
Weit überwiegend sprächen für den Standort Deutschland sein Zugang zu neuen Märkten sowie die Möglichkeit, die eigene Betriebsgröße zu erhöhen. "Deutschland hat sich in den vergangenen zwölf Monaten für polnische Investoren als solider und attraktiver Markt profiliert, der sogar unter den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen weiterhin Perspektiven bietet", sagte der Hauptgeschäftsführer der AHK Polen, Lars Gutheil. Die Investoren schätzten bei ihrem westlichen Nachbarn insbesondere die Zahlungsmoral sowie die gute Infrastruktur. "Vor allem aber ist Deutschland für viele polnische Investoren ein Sprungbrett in die Welt", sagte Gutheil.
Nicht alle Faktoren würden dabei laut der Umfrage gleichermaßen gut bewertet. So sorgten sich fast 30 Prozent um die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter, ebenso viele hielten das Arbeitskostenniveau in Deutschland für zu hoch. Auch bei der Steuerlast sowie dem Zugang zu Fördergeldern schneide Deutschland bei polnischen Unternehmern eher mittelmäßig ab. Als dringendste "Baustellen" betrachteten die Investoren eine Senkung der Energiekosten sowie einen besseren Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften. "Deutschland profitiert von ausländischen Investitionen und ist gut beraten, auf seine wichtigen Wirtschaftspartner zu hören", forderte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.
Aktuell sind laut den Angaben über 1.500 polnische Firmen in Deutschland aktiv, die meisten davon in Berlin. Der deutsch-polnische Außenhandel habe im vergangenen Jahr einen Wert von 147,1 Milliarden Euro generiert und sich dabei gegenüber dem Vorjahr um fast 20 Prozent erhöht. Polen ist demnach heute der fünftgrößte Handelspartner Deutschlands. "Die Bedeutung dieser Beziehung dürfte in den kommenden Jahren noch zunehmen", so Treier. "Vor dem Hintergrund neuer Lieferketten und gesamteuropäischer Entwicklungen wie der Energiewende, der Elektromobilität und Digitalisierung verfolgen Unternehmen in beiden Ländern sehr ähnliche Konzepte."
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November 07, 2022 03:17 ET (08:17 GMT)
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