DJ DIW: Deutsche Wirtschaft hat Talsohle noch nicht durchschritten
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist im Februar um knapp 2 auf nun 93,6 Punkte gesunken. Damit liegt der Wert für das erste Quartal 2023 wieder deutlicher unter der neutralen 100-Punkte-Marke, nachdem es in den vergangenen Monaten stetig aufwärts ging, wie das Institut mitteilte. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal 2022 um 0,4 Prozent geschrumpft sei, prognostiziere das DIW auch für das laufende erste Quartal einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung. Ab dem zweiten Quartal sei dann von zunehmend positiven Raten auszugehen.
"Die deutsche Wirtschaft durchläuft im Winterhalbjahr eine Phase der wirtschaftlichen Abkühlung und dürfte sogar in eine technische Rezession rutschen, also zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge", sagte DIW-Konjunkturexperte Timm Bönke. "Noch hat die deutsche Wirtschaft das Tal nicht durchschritten."
Gegenüber den Herbstmonaten des Jahres 2022, als das DIW-Konjunkturbarometer mit einem Wert von 74,3 Punkten einen Tiefpunkt erreicht hatte, stellten sich die konjunkturellen Aussichten jedoch deutlich besser dar. Bedenke man, "welchen Herausforderungen die deutsche Wirtschaft gegenübersteht und welch düstere wirtschaftliche Szenarien im vergangenen Herbst gezeichnet wurden, dann sieht der Ausblick gegen Ende des Winters wieder positiver aus", sagte DIW-Konjunkturexpertin Geraldine Dany-Knedlik. Nichtsdestotrotz bleibe die Lage vorerst eingetrübt. So habe etwa die Industrieproduktion zum Jahreswechsel einen Dämpfer erhalten.
Stützend wirke aber, dass die Unternehmen in Deutschland nach wie vor sehr viele nicht abgearbeitete Aufträge in ihren Büchern hätten, von denen sie noch eine Weile zehren könnten. Von den Dienstleistungen seien gegenwärtig keine positiven Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung zu erwarten. Aufgrund der hohen Inflation sänken die Reallöhne vieler Menschen, was deren private Konsumausgaben bereits in der Weihnachtszeit gedämpft habe. Allerdings habe sich das Konsumklima zuletzt etwas aufgehellt. Insgesamt blieben die Aussichten aber dennoch verhalten. So zeichneten sich weder ein schneller Rückgang der Inflation noch eine merkliche Erholung der Weltwirtschaft ab.
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February 28, 2023 04:31 ET (09:31 GMT)
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